Prüftechnik

Tag für Tag auf Nummer sicher gehen  

In der Arbeits- und Berufssicherheit tragen schon junge Ingenieure wie Stephan Kunkel bereits viel Verantwortung. Ständige Weiterbildung ist dabei ein absolutes Muss, denn es kommen immer wieder neue Anlagen auf den Markt und die technischen Normen ändern sich. Dabei ist Kunkel stets nah am Kunden, denn die Anlagen werden vor Ort geprüft. VDI nachrichten, Düsseldorf, 23. 1. 09, jul

Jeden Morgen zur gleichen Zeit im Büro zu sein, die Aktentasche neben den Schreibtisch zu stellen und als erste Amtshandlung die Kaffeetasse zu füllen, ist nichts für Stephan Kunkel. „Ich wollte von Anfang an keinen Bürojob haben“, erzählt der 27-jährige Diplom-Ingenieur mit hörbarem Abscheu, „sondern draußen vor Ort und bei den Anlagen und Kunden sein.“

Deshalb hat sich Kunkel, der bis vor zwei Jahren an der Fachhochschule Mittweida Maschinenbau studierte, bereits in seiner Ausbildung und erst recht in seiner Weiterbildung zum Sachverständigen für Aufzugstechnik beim TÜV Rheinland auf horizontal immobile Konstruktionen verlegt. Dabei kommt man in der Weltgeschichte herum, und ständiges Weiterlernen vorausgesetzt, auch karrieretechnisch gesehen nach oben.

Weltweit bekannt und anerkannt ist der hohe Stellenwert die Betriebssicherheit von Anlagen und Maschinen aller Art in Deutschland. Strenge Vorschriften hat der Gesetzgeber nicht nur für den Betrieb von Kern-, Kohle-, Solar und Windkraftanlagen erlassen, sondern auch für Autos und Produktionsanlagen, Aufzüge und Hubmaschinen, Chemieanlagen und Überspanneinrichtungen.

So ist einmal im Jahr jeder in Deutschland betriebene Aufzug reif für einen General-Check-up durch einen Sachverständigen von TÜV, Dekra oder von einem anderen sicherheitstechnischen Dienst. Die Zwischenprüfungen übernehmen die Sachverständigen allein, bei den alle zwei Jahre wiederkehrenden Prüfungen steht ihnen ein Monteur des Herstellers zur Seite. Das am Ende vorliegende Prüfprotokoll darf kein einziges Fragezeichen aufweisen, sonst ist die Betriebserlaubnis ratzfatz weg. Die Verantwortung der Sicherheitsingenieure ist hoch, weitaus höher, als sie normalerweise jungen Menschen anvertraut wird.

Zur Aufzugstechnik gekommen ist Maschinenbauer Kunkel über mehrere Praktika bei TÜV Rheinland. Fast ein Jahr lang wurde Kunkel on the Job ausgebildet – ohne sein Spezialwissen aus dem Studium hätte die Vorbereitungszeit bis zu 18 Monate gedauert -, daneben paukte er reichlich Theorie und bereite sich auf die Prüfung zum Sachverständigen vor. Der Aufwand, findet er, hat sich gelohnt.

Tag für Tag im Dienste der Sicherheit unterwegs

Heute prüft Kunkel Aufzüge und Aufzugsanlagen in Berliner Altbauten und in riesigen Windenergieanlagen, in modernen Bürotürmen und in Produktionshallen, in denen rund um die Uhr ein Heer von Beschäftigten tätig ist.

Seine Einsätze bekommt er teils vom Disponenten zugeteilt, der Ingenieur vereinbart aber auch selbst Termine mit den Betreibern. Weil Kunkel bundesweit im Einsatz ist, kann er nicht an jedem Abend zu Hause sein. Ein paar Mal im Jahr ist er gleich für einige Wochen fort von der Heimat. Trotzdem mag er seinen Beruf sehr: „Ich habe zwar viel Verantwortung, kann aber weitgehend frei und sehr selbständig arbeiten.“

Eines darf der Sicherheitsexperte für Aufzüge allerdings nicht: aufhören zu lernen. „Einerseits verändern sich die technischen Normen sehr oft“, erklärt er, „andererseits kommen ja immer wieder neue Anlagen auf den Markt, in die man sich einlesen und einarbeiten muss.“

Mit der einmaligen Prüfung ist es deshalb nicht getan Sicherheitsexperten müssen ihr Know-how immer auf dem aktuellen Stand halten und durch fortlaufende Prüfungen beweisen.

Dafür sorgen schon die Arbeitgeber, die mehr zu verlieren haben als ihren guten Ruf. Um der wachsenden Nachfrage seitens der Wirtschaft nachzukommen, brauchen TÜV, Dekra und Co jedes Jahr Hunderte neue Mitarbeiter, darunter sehr viele Ingenieure aller Fachrichtungen. In den Bereichen Fahrzeugprüfungen, Industrieprüfungen oder Arbeitssicherheit sind vor allem, aber nicht nur, Maschinenbauingenieure und Fahrzeugtechniker begehrt. „Als Vorzug gilt eine vorangegangene Berufsausbildung im Kfz-Bereich“, erklärt Stefanie Wolf aus der Personalabteilung von Dekra in Stuttgart.

Rund 1000 Ingenieure haben die Württemberger allein im letzten Jahr eingestellt, sowohl als Fahrzeugprüfer wie auch als Sachverständige, die vor Ort Gutachten erstellen und technische Anlagen auf ihre Sicherheit und Vorschriftsmäßigkeit hin inspizieren. Auf eine ebenso hohe Zahl bringen es die drei Technischen Überwachungsvereine TÜV Süd, TÜV Rheinland und TÜV Nord.

In der klassischen Fahrzeugprüfung ist Benjamin Figlus tätig. Soeben hat der 25-jährige Maschinenbau-Ingenieur seine Ausbildung zum Prüfingenieur bei der Dekra hinter sich gebracht, jetzt pendelt er als Springer im Ländle umher. Dass Haupt- und Abgasuntersuchungen an Fahrzeugen aller Art Spaß machen können, steht für ihn außer Frage, wichtiger aber ist ihm: „Unser Job ist wichtig, wir machen etwas Sinnvolles, und wir geben den Menschen Sicherheit.“

Auch Figlus wechselt seinen Arbeitsplatz von Tag zu Tag. Ist das nicht sehr stressig? „Ach was“, winkt der Ingenieur ab. „Ich finde es schön, in die Werkstätten zu kommen und dort wie ein alter Bekannter begrüßt zu werden. Am nächsten Tag ist der nächste dran, auch gut. Das ist kein Stress. Das ist besser, als den ganzen Tag vor dem Rechner zu sitzen.“ CHRISTINE DEMMER

Von Christine Demmer

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