Sicherheit

Sylvester-Tradition in neuem Glanz

160 Mio. DM werden sich die Bundesbürger das Sylvesterfeuerwerk in diesem Jahr kosten lassen. Grund zum Feiern haben damit die deutschen Pyrotechnik-Hersteller und -Importeure. Aus deutscher Fertigung stammen aber nur noch 60 % der angebotenen Ware.

In Südeuropa ist es die Osterfeier, in China das Neujahrsfest, in Großbritannien der Guy-Fawkes-Day am 5. November, in Frankreich der 14. Juli zur Erinnerung an den Sturm auf die Bastille, in der Schweiz der Nationalfeiertag am 1. August und in den USA der Unabhängigkeitstag am 4. Juli, an dem die Knaller gezündet werden und bunte Raketen in die Luft steigen. Gleich wo Menschen ein Feuerwerk entzünden – es ist stets ein Freudenfest.
Mit großem Getöse, mit Böllern und mit Blitzen jeweils am 31. Dezember, 24 Uhr Ortszeit, wandert deshalb das neue Jahr um die Welt. In jeweils nur kurzer Zeit in dieser Nacht werden – angefangen auf den Tonga-Inseln an der Datumsgrenze – Millionensummen verballert oder in den Himmel geschossen. Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) in Ratingen bei Düsseldorf schätzt, daß dieses Jahr wohl an die 160 Mio. DM allein in Deutschland auf diese Art verpulvert werden. Alle Feuerwerkskörper zusammen kommen auf ein Gewicht von 10 000 t. Der VPI steht für eine kleine Branche, die in der Bundesrepublik aus rund einem Dutzend Firmen besteht und etwa 4000 Beschäftigte zählt.
Dem gestiegenen Umweltbewußtsein hat sich auch die deutsche pyrotechnische Industrie nicht verschlossen. So werden zur Herstellung von Feuerwerkseffekten grundsätzlich nur solche Chemikalien verwendet, deren Rückstände nach dem Abbrand kein Umweltrisiko darstellen. Auf die Umsetzung dieses Grundsatzes wird auch bei der importierten Ware geachtet. Dies wurde durch ausgewertete Meßergebnisse des zentralen Immissionsmeßnetzes Rheinland-Pfalz, der Landesanstalt für Immissionsschutz Nordrhein-Westfalen und der Monatsberichte aus dem Meßnetz des Umweltbundesamtes zu Sylvester bestätigt.
Demnach findet zwar durch das Sylvesterfeuerwerk in städtischen Gebieten eine kurzzeitige Erhöhung der Schwebstaubkonzentration statt, ohne aber einen Grenz- oder Regelwert zu überschreiten. Auch Untersuchungen, die auf bundesweiten Erhebungen der Fraunhofer-Gesellschaft beruhen, haben keine Anhaltspunkte für umweltbeeinträchtigende Auswirkung des Sylvesterfeuerwerks ergeben, die aus öko-toxikologischer Sicht Einschränkungen oder sogar weitere gesetzliche Regelungen erforderlich machen würden.
Im Bereich der Konstruktions- und Verpackungsmaterialien befinden sich Plastik- und Kunststoffmaterialien im Rückzug und werden nur noch dort verwendet, wo es für die Sicherheit des Kunden notwendig ist. Diese Materialien werden dann aber ebenso wie Feuerwerkskörper von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zugelassen. Ansonsten werden mittlerweile fast nur noch recycelte Pappe und Papier benutzt.
Doch kann das Feuerwerk nicht ins Auge gehen? Jährlich passieren im Umgang mit Feuerwerkskörpern Tausende Unfälle. Zum Glück sind die meisten harmlos, doch es gibt auch schwerwiegende. „Wenn sie von uns geprüft und auch zugelassen sind sowie vorschriftsmäßig gehandhabt werden, keinesfalls“, erklärt Dr. Dietrich Eckhardt von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin. Bei einer pyrotechnischen Demonstration am 16. Dezember auf dem Freigelände der BAM warnte er vor nicht von der BAM zugelassenen Erzeugnissen. Das betreffe z. B. illegal eingeführte polnische Produkte. Bei ihnen könne es zu gefährlichen Fehlfunktionen kommen. „Sie sind zwar billig, aber unsicher“.
Legal eingeführte Feuerwerkskörper werden hingegen von der BAM geprüft. Von ihnen geht keine Gefährdung aus. Die aus dem Ausland eingeführte und auch amtlich zugelassene Ware macht immerhin rund 40 % aus. Hände weg von der Marke Eigenbau, mahnt der Spezialist für Pyrotechnik. Die tragischen Unfälle rührten eindeutig von den selbstgebastelten Sylvesterknallern her.
Die BAM hat gegenwärtig in Deutschland insgesamt 1847 Bauarten zugelassen, davon 592 der Klasse I und 1255 der Klasse II. Allein in diesem Jahr kamen 79 neue Modelle hinzu.
Feuerwerkskörper der Klasse I dürfen ganzjährig verkauft werden. Dazu zählen z. B. Tischfeuerwerk, Knallerbsen, Knallblättchen, Wohnfeuerwirbel, Wunderkerzen. Nach der aktuellen Rechtsprechung dürfen diese Erzeugnisse an Personen erst ab zwölf Jahre verkauft werden. Die Verwendung unter zwölf Jahre ist allerdings nur unter Aufsicht von Erwachsenen zulässig. Zur Feuerwerksklasse II zählen die eigentlichen Muntermacher wie alle „Flugobjekte“. Verkauf und Verwendung sind erst ab 18 Jahren zugelassen und auch zeitlich begrenzt. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen auch unter Aufsicht der Eltern nicht mit Feuerwerkskörpern der Klasse II umgehen. Dabei ist die Kunst des Pyrotechnikers heute kein Geheimnis mehr. Ein tiefer Griff in die Chemikalien-Kiste erzeugt die wundervollen Farbeffekte. Grüne Flammen zaubert der Chemiker mit Bariumsalzen, rote durch Strontiumsalze Aluminium oder Magnesiumpulver sind für die silbernen Funken am Sylvester-Nachthimmel verantwortlich.
Die Legende sagt, daß der Mönch Berthold Schwarz das Schießpulver erfunden hat. Aber schon die alten Chinesen erfreuten sich an bunten Feuerwerken. So kann man davon ausgehen, daß die Kunst von China über Vorderasien nach Griechenland und Italien und damit schließlich zu uns gelangte. Für den heute geläufigen Begriff „Pyrotechnik“ stand das griechische Wort für Feuer „Pyros“ Pate. Im 14. Jahrhundert hatte man gelernt, die Wirkung der Flammen eines brennenden Holzstoßes mit Hilfe von Schwärmern und Raketen zu verstärken. Aus Italien kam die Sitte, prunkvolle Kunstfeuerwerke zu veranstalten, an die deutschen Fürstenhöfe. Weltliche und geistliche Herrscher wetteiferten um das prächtigste Farben-Spektakel. Maler, Bildhauer und Architekten wurden mit der Durchführung beauftragt. Ihr Ziel war es, die Kulissen der Schlösser und Burgen, Türme und Brücken geschickt ins Szenarium einzubeziehen. Auch Komponisten ließen sich inspirieren Händel schrieb die Feuerwerksmusik.
Die Pyrotechniker entwickelten im Laufe der Jahrhunderte aus den höfischen Riesenfeuerwerken die Kleinfeuerwerksartikel, die – heute für jedermann erschwinglich – als gesellschaftliches Sylvestervergnügen nicht mehr wegzudenken sind. Neuestes Erzeugnis und wohl ein Kassenschlager, wie die Produzenten meinen, ist das Kombinationsfeuerwerk.
Bei dieser Kreation sind mehrere Feuerwerksartikel zu einer Batterie verbunden. Sie wird einmal gezündet und schon entfaltet sich die ganze Pracht: Raketen werden schubweise gestartet, bringen den Himmel zum Glühen, während am Erdboden spiralförmige, farbenreiche Feuerwerke unter großem Getöse abbrennen. Der neuartige Superfeuerwerkskörper ist im Grunde genommen eine Kombination von Raketen, Feuertöpfen, Fontänen oder Leuchtkugeln, ähnlich wie beim professionellen Großfeuerwerk.
BÄS/KÄM

Von Bäs/Käm

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