Sicherheit 18.10.2002, 18:22 Uhr

Still sitzen! Die Bundeswehr bläst Managern den Marsch

Der Barras tarnt es noch, aber er bietet ein Managementtraining für mittelständische Manager an. Antreten zu militärischen Tugenden!

Unter Führung des Brigadegenerals Stephan Kretschmer vermittelt die Bundeswehr militärische Tugenden. Inwieweit das Strukturumfeld von Befehl und Gehorsam motivierend wirkt, ist jedoch fraglich.
Samstag, der 28. September 2002: Ein Uniformierter steht auf einem Podium vor Stuhlreihen von dunklen Zweireihern und Kostümen. „Wie sie sehen, bin ich noch in Arbeitskleidung. Wir verteidigen Sie natürlich auch an den Wochenenden“, scherzt Stephan Kretschmer. Der 53-jährige Dipl.-Ing. und Brigadegeneral spricht vor den frischen Absolventen der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU).
Der Berufssoldat und die zukünftigen Manager haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermutet. Das liegt nicht nur am selben Standort Koblenz. Hier leitet Kretschmer eine der wichtigsten Institutionen innerhalb der Bundeswehr, das „Zentrum Innere Führung“. Dieses fungiert als Bildungszentrale der Bundeswehr und entwickelt Konzeptionen zur Führung der Soldaten. Das Zentrum pflegt in Lehrgängen und Broschüren das Bild vom „Staatsbürger in Uniform“, der die demokratische Transparenz der Truppe verkörpert und alte Ängste vor einer abgeschotteten Armee zerstreuen soll.
Seit dem Jahresbeginn 2001 wendet sich das Zentrum auch an Manager mittelständischer Unternehmen und trainiert sie in Sachen Führungsarbeit. Mit individuellen Seminaren, in Vorträgen, Gruppengesprächen und Rollenspielen. Die Zivilisten hören zunächst das Credo der Koblenzer Militärs: „Wer Menschen führen will, muss Menschen mögen.“ Der scheinbare Anachronismus fordert manchen Kritiker zur Wortmeldung im Internet heraus: „Die Ansicht, Offiziere seien besonders gute Manager, kann ich nicht teilen. Offiziere sind zum Töten ausgebildet worden. Anders herum gesagt: Es ist das Prinzip des Verdrängens, das Streben nach Macht – auf Kosten anderer.“ „Die Innere Führung stellt den Menschen in den Mittelpunkt und verpflichtet die Führungskraft, entsprechend zu handeln. ‚Sich kümmern’ als gesetzlich verfasste Fürsorgeverpflichtung ist der Kernsatz unseres Konzeptes. Dafür erhält man das Beste, was man bekommen kann, nämlich Gefolgschaft“, betont hingegen Kretschmer.
Sein Ansatz zielt zwar auf die einfache Formel von Befehl und Gehorsam, setzt aber vor allem auf das Wissen darum. „Es geht um die richtige Argumentation, etwa um das Bewusstmachen politischer Ziele und den Sinn des soldatischen Dienstes“, meint Kretschmer. Im Vergleich zur freien Wirtschaft heißt das: Der Soldat bekommt zumindest Informationen und eine Legitimation für seine Aufgaben geliefert, während Manager etliche Direktiven ohne Erklärung und vermeintlich sogar ohne Sinn weitergeben.
„Die sich daraus ergebende Wirkungskette ist simpel: Kein Vertrauen ins Management bedeutet kein Vertrauen in die Firma, bedeutet kein Vertrauen ins Produkt. Das ist nicht gerade geschäftsfördernd“, resümiert Kretschmer. Nach seiner Meinung darf eine richtige Führungskraft nicht alleine auf Fachwissen oder Geschäftszahlen setzen. Dagegen sind soziale Kompetenz, Teamfähigkeit und Interesse an der Basis besonders gefragt. „Wenn eine Motivationsstruktur nur auf Geld aufgebaut ist, haben Sie ein Problem“, sagt der Brigadekommandeur. Dass es anders geht, sieht er immer wieder bestätigt: „Wehrpflichtige arbeiten bei uns bekanntlich unter nicht so tollen materiellen Konditionen. Trotzdem machen sie einen hervorragenden Job.“
Vor kurzem zeichnete der Wehrbeauftragte des Bundestages, Wilfried Penner, allerdings ein anderes Bild: Von Januar bis Mitte Juli 2002 erreichten den Ombudsmann 43 % mehr Eingaben als im Vorjahreszeitraum. Die meisten der 3750 Fälle kreisten um Personalfragen von Berufs- und Zeitsoldaten. „Die Bundeswehr ist im Inland im Umbruch, und die Auslandseinsätze nehmen zu. Die Soldaten wünschen Planungssicherheit über ihre zukünftige Verwendung.“ Außerdem wollten sich die Soldaten auch einmal etwas von der Seele reden. „Dazu muss man sich Zeit nehmen und darf nicht unter Termindruck mal eben vorbeischauen. Jeder einzelne Soldat hat Anspruch darauf, ernst genommen zu werden“, kritisierte der Politiker. Pikant: Auch bei den Rhetorikern der Bundeswehr scheint nicht alles optimal zu laufen. Glaubt man einem Hilferuf im Internet, fühlt sich ein älterer Berufssoldat, der „in der politischen Erwachsenenbildung im Großraum Bonn tätig ist“, erheblich schikaniert.
Davon bekommen die Teilnehmer der Managerseminare wenig mit. Viele sind von der Führungsarbeit der Bundeswehr von Grund auf überzeugt – als ehemalige Zeitsoldaten, z. B. Jürgen Wild. Der frühere Kompanieführer und jetzige Chef beim Berliner Anlagenbauer Cegelec setzt auf militärische Tugenden wie die kurze Lagebesprechung, präzise Zielvorgaben und einsichtige Aufträge: „Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht.“
Das erfolgreiche Handeln untermauert eine Studie der Münchner Universität der Bundeswehr, nach der ehemalige Zeitsoldaten eher in höhere Führungspositionen aufsteigen als ihre zivilen Kommilitonen. Demnach beträgt das Verhältnis 83 % zu 59 %. Auch die Bundeswehr soll von dem Erfahrungsaustausch mit der Wirtschaft profitieren. Die Armee dezentralisiert gerade ihre Kostenstrukturen und legt die Aufträge für Reparaturen oder Dienstleistungen in die Eigenverantwortung von militärischen Vorgesetzten.
ARND WESTERDORF

Laufbahn
Führungsarbeit und Studium
Wer direkt nach Führungsarbeit und Studium bei der Bundeswehr strebt, schlägt die Offiziers-Laufbahn ein und verpflichtet sich für mindestens 12 Jahre. Nach der umfassenden Eignungsprüfung leisten die Offiziersanwärter ihren Dienst in der Truppe und werden zum Offizier ausgebildet und befördert. Dann stehen Führungsaufgaben, etwa als Zugführer, und das Studium an. Die Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München bieten verschiedene Studiengänge wie Bauingenieurwesen, Elektrotechnik oder Maschinenbau. Hat der Soldat das Diplom in der Tasche, klettert er in der Bundeswehr-Hierarchie weiter hoch. So wurde Stephan Kretschmer, Leiter des Zentrums Innere Führung, nach dem Studium der Elektronik, Kybernetik und Nachrichtentechnik zunächst Kompaniechef. Dann bekleidete er die Positionen als Referent im Bundesministerium für Verteidigung, Heeresattaché an der Deutschen Botschaft in Washington, Kommandeur einer Panzerbrigade und als Kommandeur der multinationalen Truppe in Bosnien. AW

 

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