Sicherheit

Spürnasen erschnüffeln die Gefahr

Hat der Irak seine gesamten Bestände an chemischen und biologischen Kampfstoffen vernichtet? Auf der Suche nach der Antwort setzen die UN-Waffeninspekteure auf mobile Detektionssysteme. Technik, die zum Teil auch aus Deutschland kommt.

Die Diskrepanz ist erschreckend: 19 500 Bomben mit chemischen Kampfstoffen will der Irak nach Regierungsangaben zwischen 1983 und 1998 abgeworfen haben. Doch in einem Dokument der irakischen Luftwaffe ist von nur 13 000 Bomben die Rede. Wo sind die fehlenden 6500? „Die Gesamtmenge der in diesen Bomben enthaltenen chemischen Kampfstoffe beliefe sich auf eine Größenordnung von ca. 1000 t“, rechnete UN-Chefinspekteur Hans Blix in seinem Bericht an den Weltsicherheitsrat Ende Januar vor.
Auch über die angebliche Vernichtung von 8500 l Anthrax ist der Irak bisher den Nachweis schuldig geblieben. Nur zwei von zahlreichen Ungereimtheiten, denen die Waffenkontrolleure im Irak derzeit nachgehen, und die zugleich Ausgangspunkte für die aufwändige Spurensuche im Land sind.
Anders als bei früheren Missionen kann die UNMOVIC (UN-Kommission zur Beobachtung, Überprüfung und Kontrolle) diesmal auf deutlich mehr Rückendeckung von der Staatengemeinschaft rechnen. Die Aufklärung über Satelliten und Drohnen (siehe Seite 3) gibt ihnen wichtige Hinweise auf verdächtige Fabriken und Lager. 230 solcher Ziele sind bis Ende Januar kontrolliert worden.
Die hohe Zahl verdächtiger Objekte – bei den UN ist von 800 die Rede – erfordert technische Mittel, die schnell und zuverlässig Kampfmittelspuren an Gebäudewänden oder in Gefechtsköpfen nachweisen können.
Solche mobilen Detektionssysteme stehen den Inspektoren von UN und der Internationalen Atomenergiebehörde mittlerweile zur Verfügung. Diplom-Ingenieur Peter Weiss, Geschäftsführer der Firma ELP in Wuppertal, vertreibt portable Röntgengeneratoren des amerikanischen Herstellers Golden Engineering. Die Geräte ähneln einer Videokamera älteren Baujahres und wiegen zwischen 2,1 kg und 5,4 kg. „Diese Generatoren werden etwa vom Kampfmittelräumdienst eingesetzt, um den Füllstand einer Bombe oder die genaue Lage des Zünders sichtbar zu machen“, erklärt Weiss. Genauso lassen sich natürlich Gefechtsköpfe oder verdächtige Container untersuchen.
Die Transformierung des 14,4 V Batteriestroms auf bis zu 300 kV ermöglicht eine Penetration in Stahl von mehr als 25 mm. Verschiedene Materialien schwächen die Röntgenstrahlung unterschiedlich stark ab. Das dedurchentstehende Energiemuster wird auf eine digitale Speicherfolie übertragen. Per Scanner und Laptop werden die Muster ausgelesen und können digital weiter bearbeitet werden. Die Speicherfolien ersetzen die bisher üblichen Röntgenfilme und damit den langwierigen chemischen Entwicklungsprozess. Das Bild ist schnell verfügbar, die Folie kann gelöscht und wieder verwendet werden.
Mit Chromatographen und Massenspektrometern werden chemische und biologische Kampfstoffe nachgewiesen. Einer der größten Hersteller von Instrumenten für diese Zwecke ist Bruker Daltonics in Bremen, der auch den deutschen Spürpanzer Fuchs bestückt. Als „rattenschnell und hoch empfindlich“ beschreibt Marketingleiter Roland Schnurpfeil das Raid-M. Das 3 kg bis 5 kg schwere Gerät werde im Irak schon eingesetzt.
Das Gerät ähnelt einem Handstaubsauger. Wie dieser saugt es zur Probennahme Luft ein. Eine beheizte Membran verdampft mögliche Kampfstoffe und hält Staub und Wasser ab. Hinter der Membran wird die Probe mit radioaktivem Nickel ionisiert. Vorhandene Kampfstoff-Moleküle bilden daraufhin Cluster mit Sauerstoff- oder Wassermolekülen.
Nun wird ein elektrisches Feld angelegt, das stetig zwischen positiver und negativer Spannung wechselt. Die Beweglichkeit der Cluster, also die Zeit, in der sie die Strecke bis zur Spannungsquelle zurücklegen, ergibt ein eindeutiges Muster. Der folgende Abgleich mit einer Datenbank ermöglicht die Identifizierung des Kampfstoffes.
Innerhalb von 20 Sekunden muss das Gerät 10 mg pro m3 Luft nachweisen können, so die Anforderung an Mess-Empfindlichkeit und -Geschwindigkeit laut Roland Schnurpfeil. „Die Detektion von chemischen Kampfstoffen ist damit sehr schnell und zuverlässig möglich“, meint der Marketingleiter. Allerdings zerstören Licht und Sauerstoff die meisten C-Kampfstoffe. „VX lässt sich bei 150 C Umgebungstemperatur und geringer Luftfeuchtigkeit bis zu drei Wochen ab Ausbringung nachweisen“, erläutert Schnurpfeil.
Wesentlich schwieriger und aufwändiger ist die Detektion biologischer Kampfstoffe. „Die richtige Identifizierung ist nur im Labor möglich“, sagt Roland Schnurpfeil. Die Proben werden mit besonders aufnahmefähigen Papieren durch Abwischen von Behältern oder Wänden genommen. In den Labors in Europa oder in den USA müssen die in den Proben enthaltenen Bakterien auf Nährböden zunächst vermehrt und differenziert werden.
Schnellere Ergebnisse bringt das chemisch-biologische Massenspektrometer CBMS der Firma Bruker. Mit einem Gewicht von 43 kg ist das Gerät noch immer mobil. Innerhalb von drei Minuten klassifiziert das CBMS in einer verdichteten Luftprobe, ob Bakterien, Sporen oder Toxine enthalten sind. „Das Gerät alarmiert also nur, wenn biologische Substanzen in der Luft sind“, so Schnurpfeil. „Und wenn Proteine in der Luft sind, ist in aller Regel etwas faul.“ Zur genauen Bestimmung der Substanzen muss die Probe allerdings im Labor analysiert werden.
Das Problem im Irak: Werden etwa Milzbranderreger unter Laborbedingungen hergestellt, sind sie in der Umgebung meist nicht nachweisbar. „Zumindest in den Labors der westlichen Welt wird Unterdruck erzeugt, um zu verhindern, dass die Substanzen nach außen dringen“, erklärt der Bremer.
Noch ein zweiter Umstand kann die Entdeckung von Produktionsstätten erschweren: „Praktisch jeder, der Abitur hat, kann C- und B-Waffen herstellen. Dazu braucht man keine Fabrik“, meint Schnurpfeil. MARTIN VOLMER

Gesucht: Anthrax und VX
Der lautlose Tod
Als Geburtsstunde des chemischen Krieges gilt der 22. April 1915, der als so genannter „Schwarzer Tag von Ypern“ in die Geschichte eingegangen ist. Dieser Gasangriff der deutschen Armee forderte auf der französischen Seite 5000 bis 6000 Tote. Trotz des Verbots der Anwendung B- und C-Waffen im Genfer Protokoll von 1925 wurde weiter intensiv an der Entwicklung neuer Kampfstofftypen geforscht. In der Folge entstanden Nervenkampfstoffe, wie Tabun, Sarin und VX. Mit letzterem hat auch der Irak nach eigenen Angaben experimentiert. VX ist geruch- und farblos und kann die Atmung lähmen. Der Verbleib von mehreren Tonnen dieses Stoffes ist bisher ungeklärt. 1995 gab Irak erstmals die Existenz eines offensiven B-Waffenprojektes zu. In Al Hakam seien größere Mengen Anthrax und Botulinustoxin produziert worden. Anthrax wird meist als Sporen ausgebracht und verursacht Haut- oder Lungenmilzbrand. Die Krankheit kann antibiotisch behandelt werden. Bei Lungenmilzbrand ist die Todesrate dennoch sehr hoch. mav

Von Martin Volmer

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