Sicherheit

Spezialwissen minimiert das Gefahrgutrisiko

Tag für Tag rollen auch durch besiedelte Gebiete die Chemietransporte. Und deren Sicherheit hängt nicht nur vom Zustand der Verkehrsträger ab, sondern auch wie eintretenden Chemieunfällen begegnet wird. Die deutsche chemische Industrie hat dafür das Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem TUIS aufgebaut. Auch die EU-Beitrittsländer Polen, Tschechien und Ungarn vertrauen schon darauf.

Katastrophale Ereignisse, wie der Gefahrgut-Unfall am 22. April auf dem nordkoreanischen Bahnhof Ryongcheon, bei dem zwei mit Kraftstoff und Flüssiggas beladene Güterzüge zusammenstießen, verdeutlichen das Gefahrenpotenzial: durch die schweren Explosionen waren mehr als 160 Menschen ums Leben gekommen.
Dass die viel zahlreicheren kleinen, zunächst eher belanglos scheinenden Gefahrgutunfälle nicht ebenfalls in Katastrophen münden, ist deshalb täglich „eine neue Herausforderung“, betonte Dipl-Ing. Rolf Haselhorst am 26. April auf der jüngsten Informationsveranstaltung des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems (TUIS) im ostbayrischen Burghausen. „Wir fühlen uns für unsere Produkte verantwortlich, und zwar bis zum Kunden, also auch auf dem Transport“, bekannte sich der Diplomingenieur zu diesem VCI-Anspruch, den der TUIS-Experte für den Verband der Chemischen Industrie, Frankfurt am Main, umzusetzen hat.
Hans Donislreiter, Chef der Werkfeuerwehr von Wacker Chemie Burghausen, führte das Austreten von Ammoniak aus dem Kühlmittelsystem einer Kunsteisbahn als Musterbeispiel für einen TUIS-Einsatz auf, an dem die Feuerwehren der Region vergangene Woche im Bundesleistungszentrum der Rennrodler am Königssee unter Beteiligung der deutschen Chemieindustrie das richtige Vorgehen in einem solchen Fall übten.
„Der Geist darf keinesfalls aus der Flasche gelassen werden“, fasste Rolf Haselhorst in einem Satz die Hauptforderung an die Helfer zusammen, bei jedem Chemieunfall die möglichen Schäden durch sachgerechtes Handeln zu minimieren. Dafür baut die deutsche chemische Industrie das bereits 1982 ins Leben gerufene TUIS-System immer weiter aus. Nach mehr als zwei Jahrzehnten sei es heute unter verschiedenen Namen bereits in 18 europäischen Ländern etabliert. Und mit Blick auf die bevorstehende EU-Osterweiterung sei dieses Informations- und Hilfeleistungssystem beispielsweise auch in Polen, Tschechien und Ungarn bereits eingeführt worden – und in den übrigen Beitrittsländern liefen intensive Vorbereitungen dafür.
„Unser Anspruch zielt aber darüber hinaus auf weltweite Präsenz“, so Haselhorst. In Südamerika sei diese Vision zum Teil bereits Wirklichkeit geworden und sie sei neuerdings auch in Asien, vor allem in China auf dem Weg zur Realität. So werde in Kürze in Shanghai die erste Ansprechzentrale rund um die Uhr zur Verfügung stehen – die ersten fünf chinesischen Einsatzleiter würden zur Zeit bei der BASF in Ludwigshafen ausgebildet. Für ihn ist TUIS ein „Exportschlager“, wenn auch ohne Einfluss auf die Handelsbilanz.
Die TUIS-Idee fußt auf dem Fachwissen und der Spezialausrüstung der Werkfeuerwehren, die größere Chemieunternehmen vorhalten müssen. Deren Kenntnisse und Möglichkeiten könnten sich die örtlichen Feuerwehren, die Polizei, aber auch die Bahnen und Speditionsunternehmen samt deren Versicherungen zu Nutze machen. In den ersten beiden Alarmstufen, auf die sich die Hilfe in den meisten Fällen beschränken könne, würden nur Informationen vermittelt, etwa über die richtige Löschmethode für den betroffenen chemischen Stoff. Zur Übermittlung am Telefon komme in Stufe 2 die Beratung vor Ort durch Spezialisten, die an die Unfallstelle entsandt werden.
Der Hilfeleistung mit Geräten und Ausrüstung, die unter Umständen über große Strecken herangebracht werden müssen, gelte erst Stufe 3. Dafür seien die Chemiewerk-Feuerwehren etwa mit säurefesten Schläuchen, Folientrichtern oder einer Chlorabsorptionsanlage ausgerüstet, aber auch mit dem nötigen Equipment, um beispielsweise Chemikalien umpumpen, zwischenlagern und sichern zu können.
Stufe 1 sei grundsätzlich kostenlos, für die Stufen 2 und 3 trügen meist die Transportversicherungen der Speditionen die Kosten, allerdings nicht immer – „gerade bei Ostspeditionen“, so Haselhorsts Erfahrung „bleiben wir immer mal wieder darauf sitzen.“
Dank der langjährigen Informationsarbeit bei den Feuerwehren und der Polizei, aber auch bei den Bahnen sei TUIS inzwischen in den Einsatzplänen fest verankert. Dabei, so erläutert Hans Donislreiter, werde zunehmend nach der „GAMS“-Regel verfahren: „1. Gefahr erkennen, 2. Absperren, 3. Menschen retten, 4. Spezialisten anfordern.“ Während mit den ersten drei Schritten die Feuerwehren vor Ort sofort beginnen müssten, so der Chef der Werkfeuerwehr der Wacker Chemie in Burghausen, setze beim vierten Schritt die Hilfestellung durch TUIS ein.
Wie sich das System auch über Staatsgrenzen hinweg bewährt, schilderte Karl Hofbauer vom österreichischen Fachverband an einem Beispiel aus jüngster Zeit: Als im vergangenen Jahr einen Tag vor Weihnachten in Niederösterreich ein mit Methanol beladener Güterzug entgleiste und neun der insgesamt 14 Kesselwagen in Brand gerieten, seien zwar die örtlichen Feuerwehren und ein TUIS-Unternehmen aus Krems schnell zur Stelle, beim Ausmaß des Unfalls jedoch überfordert gewesen. Ein Anruf habe genügt, um die Werkfeuerwehr von Wacker im deutschen Burghausen an die Unfallstelle zu beordern. Nach dem Abdichten der Lecks an den Wagen, Auffangen und Umpumpen des Methanols, hätten alle Helfer Weihnachten wieder zu Hause verbringen können, ohne dass es zur durchaus denkbaren Katastrophe gekommen wäre.
Mehr als die Hälfte der Einsatzfälle, so die Statistik des Verbands der Chemischen Industrie, entfielen 2003 auf Betriebe, Lager und Anlagen. Unfälle auf der Straße folgten mit 28 % an zweiter Stelle. Erst an dritter Stelle (13 %) folgten Einsätze bei der Bahn, obwohl zahlreiche Gefahrguttransporte nur auf der Schiene durchgeführt werden dürfen. Mit je 2 % seien schließlich die Wasserwege und der Luftverkehr beteiligt gewesen.RALF R. ROSSBERG/Si

Von Rossberg/Jürgen Siebenlist

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