Gesundheit

Sonnenbaden ohne Reue

Und scheint die Sonne noch so schön – seit die Warnung vor Hautkrebs auch den letzten Baggersee überschattet, wagt fast niemand mehr, mit reinem Gewissen in der Sonne zu brutzeln. Dabei hat die Sonne durchaus auch ihr Gutes, wie neuere Studien zeigen.

Vornehme Blässe contra knackige Bräune? Von wegen. Gerade hatte sich in der Bevölkerung rumgesprochen, daß das Brutzeln in der Sonne das Entstehen von schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, begünstigt, da behaupten plötzlich Mediziner, ein Sonnenbad sei durchaus gesund. Darf man nun also doch wieder mit Genuß im strahlenden Sonnenschein faulenzen? „Ja“, so die Antwort von Prof. Wolfram Sterry, Direktor der Dermatologischen Universitätsklinik der Berliner Charité. „Sie müssen nur darauf achten, keinen Sonnenbrand zu bekommen. Das ist der Trick.“
Doch ganz so einfach ist das nicht: Denn schon die erste Rötung der Haut ist ein versteckter Sonnenbrand und nicht erst, wenn es kneift oder sich schmerzhafte Blasen bilden. Wem das rechte Maß für den Aufenthalt im Freien fehlt, dem könnte künftig ein neuartiger UV-Strip anzeigen, wann die Haut endgültig genug hat. Einfach auf die Haut geklebt, verfärbt er sich mit zunehmender Sonneneinstrahlung. Die dünne Folie ist dabei auf die Empfindlichkeit der menschlichen Haut genau eingestellt.
Prof. Heinrich Kaase vom Institut für Lichttechnik der TU Berlin hat die neuen Strips des Unternehmens UV-Signal, Hamburg, unter die Lupe genommen: „Sie funktionieren einwandfrei und messen die UV-Dosis der Sonnenstrahlen genau – sowohl mit als auch ohne Sonnenschutzmittel“, bestätigt er. Für wenig Geld sind die Pflaster ab sofort in allen Apotheken erhältlich. Und die Sonnenhungrigen erlernen damit sogar ganz nebenbei, wie lange sie gefahrlos in der Sonne schmurgeln dürfen.
Was passiert nun bei einem Sonnenbrand in der Haut? Die UV-B-Strahlung (290 nm bis 320 nm) dringt tief in die Hornschicht und die Epidermis ein und wird von den Basalzellen der Haut absorbiert. Dort zerstören die Strahlen das Erbgut. Ist ein bestimmtes Maß an genetischen Schäden überschritten, starten die Zellen eine Art Selbstmordprogramm – sie bringen sich um. „Wenn man einen Sonnenbrand unter dem Mikroskop untersucht, dann wimmelt es dort von Zellen, die sich gerade umbringen“, beschreibt Sterry die Vorgänge unter der Haut. Bekommen die Zellen nur einen kleinen Knacks, reparieren sie sich noch selbst. Ist aber der Schaden zu groß, etwa wenn das längerwellige UV-A-Licht (320 nm bis 380 nm) noch tiefer in die Haut vordringt, dann kann sich daraus ein Hautkrebs entwickeln – auch wenn es vielleicht 20 bis 30 Jahre dauert. Denn die Haut merkt sich jeden einzelnen Sonnenbrand. An Hautkrebs, der häufigsten Krebsart in Deutschland, erkranken jedes Jahr rund 200 000 Menschen neu.
Was aber, wenn man sich doch einmal so richtig verbrutzelt hat? Am liebsten würden die Hautärzte dann wohl für mindestens vier bis fünf Tage Stubenarrest erteilen. Denn diese Zeit ist mindestens nötig, damit sich die Haut regenerieren kann.
„Ein wohldosiertes Sonnenbad ist aber sogar medizinisch zu empfehlen“, behauptet Prof. Malte Bühring, Leiter der Klinik für Naturheilwesen an der FU Berlin, und erinnert an Patienten mit Rachitis oder Tuberkulose, die um die Jahrhundertwende auf den Terrassen der Sanatorien mit Sonnenlicht behandelt wurden. Nierenkranken wiederum hilft die UV-Strahlung bei der Behandlung von Knochenschwund (Osteoporose) und Bluthochdruck. Denn das Licht begünstigt die Bildung von Vitamin D in der Haut, das den Knochenabbau verlangsamt. Schon drei Sonnenbäder von 30 min reichten pro Woche aus, um den Vitamin-D-Spiegel im Blut konstant zu halten. „Außerdem kann eine UV-Bestrahlung Bluthochdruck so weit mildern, daß das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt“, kommentiert Rolfdieter Krause die Ergebnisse seiner Untersuchungen, deren Zusammenhänge aber noch nicht genau erforscht sind.
Doch auch die psychischen Aspekte eines Aufenthalts im Freien dürfen wohl nicht vergessen werden. Britische Mediziner der Universität Bristol jedenfalls behaupteten jüngst, Sonnenbaden sei auch deshalb gesund, weil die Sonnenstrahlen Glücksgefühle auslösten. Andersherum aber hätte die Angst vor Hautkrebs und der damit verbundene Rückzug in dunkle Gemächer schon weitaus häufiger zu schweren Depressionen und gar zu Selbstmordversuchen geführt, als daß im Gegenzug nachweisbar Hautkrebs entstanden sei.
Sogar im Ozean suchen die Forscher jetzt nach Sonnenschutz. Biologen des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven fanden heraus, daß bestimmte Meeresalgen besonders unempfindlich gegenüber der UV-Strahlung sind. Scheinbar verfügen sie über einen internen Sonnenschutz. „Großalgen, die nahe an der Wasseroberfläche wachsen und von Natur aus einer stärkeren UV-Strahlung ausgesetzt sind, bilden spezielle Substanzen, mit denen sich die Zellen vor Strahlenschäden schützen“, meint Dr. Christian Wiencke. Diese wollen die Forscher näher untersuchen und testen, ob sich damit Kosmetika und Arzneimittel herstellen ließen. Zudem wird geprüft, ob man sie für Kunststoffe, Beschichtungen oder Farben verwenden könnte.
BETTINA RECKTER
Buchtip: B. Tilton und R.G. Cox, Sonnenbaden ohne Reue – 50 Wege zum gesunden Umgang mit der Sonne, Deukalion Verlag, 18 DM
Unbeschwert die Sonne genießen – der Wunsch vieler Urlauber.
Das Anti-Sonnenbrand-Pflaster: winzig, aber sehr effektiv.
Die Besucher des Teutonengrills sind über die neuen Studien zu den positiven Auswirkungen von UV-Strahlung sicher hocherfreut.

Von Bettina Reckter
Von Bettina Reckter

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