Sicherheit

Sicherheit vor Selbstmordattentätern  

VDI nachrichten, Wiesbaden, 24. 3. 05 – Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Sicherheitsphilosophie an Flughäfen grundlegend verändert. Ging man früher davon aus, dass Attentäter sich nicht selbst umbringen, weiß man es heute besser. Die Folge ist eine völlig neue Generation von Kontrollgeräten.

Pünktlich zum Beginn der Feriensaison sind sie auch in diesem Jahr wieder da: die langen Schlangen vor den Check-ins der Flughäfen weltweit.

Terror und Epidemien wie Sars können zwar dafür sorgen, dass Flugzeuge zeitweise nur halbvoll um die Welt fliegen, aber eins können sie nicht: verhindern, dass der Flugverkehr langfristig weiterwächst.

Glaubt man Flugzeugherstellern wie Boeing und Airbus, wird das Passagieraufkommen in den nächsten zwanzig Jahren um gut 5 % pro Jahr zunehmen.

Dennoch haben die Terroranschläge vom 11. September 2001 den Flugverkehr grundsätzlich verändert. Denn bis dahin gingen Sicherheitsfachleute davon aus, dass Terroristen sich nicht selbst in die Luft sprengen.

Seit dem 11. September ist das anders. „Seitdem“, so Bernhard Semling, „hat sich das Sicherheitskonzept an Flughäfen grundsätzlich geändert.“

Semling ist verantwortlich für die Strategie und Unternehmensentwicklung von Smiths Heimann in Wiesbaden, einem der größten Player weltweit in Sachen Sicherheitssysteme für Flughäfen.

Ein Check-in der Zukunft am Flughafen wird mit dem von heute kaum noch zu vergleichen sein. Denn mit den derzeit gängigen Metalldetektoren etwa lassen sich Sprengstoff am Körper eines Selbstmordattentäters oder Keramikmesser nicht erkennen.

Smiths Heimann, aber auch Wettbewerber wie die amerikanische GE-Tochter IonTrack, arbeiten deshalb an neuen Personenportalen, die mit dieser Herausforderung fertig werden.

Unter dem Namen Sentinel II hat Smiths Heimann einen solchen Scanner entwickelt und zur Erprobung an die ersten Flughäfen ausgeliefert. Geht ein Passagier durch ihn hindurch, gibt der Scanner einen leichten Luftstoß ab. Diese Luft wird sofort wieder eingesaugt, und mittels einem eingebauten Spektrometer auf Sprengstoffspuren untersucht. So lässt sich zuverlässig erkennen, ob ein Passagier mit Sprengstoff Kontakt hatte.

Doch ein System wie der Sentinel allein kann klassische Metalldetektoren nicht ersetzen.

Dafür zeichnen sich derzeit zwei Alternativen ab. Smiths, die Muttergesellschaft von Smiths Heimann, hat sich mit der irischen Firma Farran zusammengetan, um bildgebende Ganzkörperscanner auf der Basis von Millimeter-Wellen zu entwickeln. Dabei entsteht ein Gesamtbild des Körpers, auf dem metallische und keramische Waffen oder plastische Sprengstoffe zu erkennen sind.

Ein konkurrierendes Verfahren ist das Backscattering, das mit Röntgenstrahlen arbeitet, die vom Körper zurückgeworfen werden. Das aber – so die Röntgenspezialisten von Smiths Heimann – kann gesundheitlich bedenklich sein. Noch aber liefert Backscattering die besseren Bilder.

Gute Bilder sind für beide Systeme zugleich auch ein Problem: Welcher Passagier möchte schon, dass das Wachpersonal nahezu jede Einzelheit seines Körpers erkennen kann?

Deshalb wird an Verfahren gearbeitet, wie sich das verhindern lässt: Sei es, dass nur noch die Körperkonturen zu erkennen sind, sei es, dass eine farbige Fläche über das Bild gelegt wird.

Nur in einer Frage ist Semling sich ganz sicher. „Der Metalldetektor ist ein auslaufendes Modell.“

Bis Ende 2005 will Smiths Heimann ein einsatzfähiges Gerät auf Millimeter-Wellen-Basis vorstellen.

Doch, sollen Sicherheitssysteme Selbstmordattentäter aufhalten, müssen sie auch deren eingechecktes Gepäck zuverlässig kontrollieren.

An einer Reihe von Flughäfen ist heute eine automatische Gepäckkontrolle installiert. Dabei wird das eingecheckte Gepäck erst durch einen traditionellen Röntgenscanner geschickt. In diesem mehrstufigen Prüfverfahren wird das Gepäckstück im Verdachtsfall automatisch zu einer zweiten Kontrollstufe weitergeleitet.

Für ein solches mehrstufiges Kontrollkonzept gibt es unterschiedliche Systeme. Smiths Heimann bietet für den ersten Prüfschritt eine Neuentwicklung an, die fünf Röntgenstrahlen verwendet und setzt dann beim zweiten Schritt Röntgenbeugungstechnologie ein. US-Hersteller wie GE nutzen hier die Tomographie.

Lässt sich der Verdacht auch von diesen Geräten nicht ausräumen, muss der Koffer geöffnet werden.

Derartige Sicherheitssysteme müssen so zuverlässig sein, dass kein Koffer mit Sprengstoff an ihnen vorbeikommt. Zugleich muss aber die Zahl der Fehlalarme möglichst niedrig sein.

Allein durch den Flughafen Frankfurt wurden 2004 gut 51,1 Mio. Passagiere geschleust. Wenn nur die Hälfte aller Passagiere von Frankfurt aus abfliegt und im Durchschnitt zwei Gepäckstücke aufgibt, dann wären das gut 140 000 Gepäckstücke am Tag.

Bei einer Fehlalarmrate von nur 1 % müssten also täglich 1400 Koffer geöffnet werden. Die Folge: verspätete Flugzeuge, schließlich der Kollaps des Flughafens.

Kontrollsysteme sind deshalb immer ein gewisser Kompromiss zwischen dem technisch Möglichen und dem am Flughafen Machbaren. „Außerdem“, und darauf legt Semling Wert, „liegt die Rate der Fehlalarme unserer mehrstufigen Systeme weit unter 1 %.“

Doch selbst bei hoher Automatisierung der Gepäckkontrolle führt auch in Zukunft an den Sicherheitsbeamten, die die Bilder von Menschen oder Gepäckstücken auf ihrem Bildschirm kontrollieren, kein Weg vorbei. „Automatische Bilderkennungssysteme“, so Semling, „haben sich bisher als nicht leistungsfähig genug erwiesen.“

Doch wer hunderte von Gepäckstücken stündlich vor seinen Augen vorbeiziehen sieht, wird müde, die Monotonie wird zum Risiko. Seit einigen Jahren hat die Industrie deshalb eine Software namens TIP (Threat Image Projection) entwickelt. Sie blendet in unregelmäßigen Abständen in die Bilder auf den Überwachungsmonitoren die Konturen potenziell gefährlicher Gegenstände ein – Messer und Pistolen oder Teile von Sprengstoffzündern. Mehrere tausend Objekte hält die Datenbank des TIP-Systems bereit.

Das schult die Aufmerksamkeit der Kontrolleure und sagt auch einiges darüber aus, welche Bilder der Kontrolleur erkennt und welche nicht. „Diese Information“, so Semling, „fließt in die Ausbildung der Kontrolleure ein.“

Und auf die kommt einiges zu. Nach Vorgaben der Europäischen Kommission müssen die Mitgliedsländer der EU ihre Kontrollsysteme massiv aufrüsten. Ab 2006 muss auf allen EU-Flughäfen das eingecheckte Gepäck komplett mit einem für das Auffinden von Sprengstoffen tauglichen Röntgenscanner durchleuchtet werden.

Für Sicherheitsspezialisten wie Smiths Heimann sind das gute Aussichten: „Das Geschäft“, so Semling, „läuft gut. Sehr gut.“ W. MOCK

Zuverlässigkeit moderner Systeme liegt über 99 %

Von W. Mock

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