Sicherheit

„ … sobald Sicherheit auch Geld kostet, ist die Angelegenheit nicht mehr eilig.“

Fast alle deutschen Unternehmen haben es nach dem 11. September 2001 versäumt, ihre Sicherheitsvorkehrungen gegen Risiken durch die Technik (Safety) und durch Menschen (Security) auf den Prüfstand zu stellen und durch intelligente Systeme Kosten sparend neu zu organisieren. Diese These begründet in seinem folgenden text, Jürgen Althoff, Vorstand des TÜV-Saar.

Als am Tage nach dem 11. September 2001 in Saarbrücken der dreitägige Sicherheits-Weltkongress begann, konnten wir uns als Veranstalter kaum vor Anfragen retten. Alle Welt schien bereit, neue Sicherheitssysteme einzuführen oder bereits vorhandene zu verschärfen – „koste es, was es wolle“, so der damalige, vom noch frischen Schrecken geprägte Tenor vieler Gesprächspartner.
Horrorszenarien waren in allen Medien en vogue. Eine nachhaltige Breitenwirkung in der Wirtschaft war allerdings – von Ausnahmen abgesehen – nicht zu beobachten.
Zu den Ausnahmen gehörte zweifellos die Luftfahrt. Airlines und Flugzeughersteller entwickelten Sicherheitskonzepte, über die sie öffentlich wohlweislich nur Andeutungen verlauten ließen.
Für das breite Publikum am besten erkennbar waren die spürbar verschärften Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen. Das war nicht nur sinnvoll und auf Grund der amerikanischen Erfahrungen sehr nahe liegend, sondern auch geschäftspolitisch vergleichsweise „ungefährlich“: Die resultierende Verlängerung der Abfertigungs- und Wartezeiten wurden von den Passagieren unter dem Eindruck des 11. September weitgehend akzeptiert, und die Mehrkosten wurden so weit wie möglich weiter berechnet.
Dem gegenüber ist von einem Boom im Sicherheits- und Security-Gewerbe nichts bekannt geworden. Zwar gab es in den ersten Monaten nach dem 11. September durchaus Innovationen auf der Anbieterseite und eine verstärkte Nachfrage nach Angeboten. Sobald aber deutlich wurde, dass mehr Sicherheit auch mehr Geld kostet, war die Angelegenheit dann doch nicht mehr so eilig.
Selbst hochkarätig besetzte Seminare zu Themen wie „Security im Unternehmen“ kamen mangels ausreichender Anmeldezahlen nicht zustande. Die breite wirtschaftliche Flaute verstärkte die Zurückhaltung zusätzlich.
Diese Ignoranz einer breiten Mehrheit deutscher Unternehmensleiter ist aus meiner Sicht ein höchst gefährliches Resultat rein kaufmännischer, auf kurzfristige Ergebnisse fixierter Betrachtungsweisen, wie sie im Zuge der Globalisierung auch immer stärker bei uns um sich greifen.
Alle öffentlich diskutierten Vorstellungen zur „Corporate Governance“, d.h. der Art und Weise, wie ein Unternehmen geführt und die Unternehmensleitung kontrolliert wird, beschränken sich auf kaufmännische bzw. finanz-„technische“ Aspekte.
Dabei wird souverän ignoriert, dass der – überspitzt ausgedrückt – ingenieur-„technische“ Weg viel schneller und nachhaltiger zur Vernichtung eines Unternehmens und seines Shareholder Values führen kann.
Beispiel 1: Die Explosion druckführender Kessel und Rohrleitungen in einer Chemieanlage (aktuelles Beispiel: Toulouse) mit nachfolgendem Brand und Umweltkatastrophe kann durch Safety- und/oder Security-Versäumnisse verursacht werden , z.B.
– Auslassen oder Verschieben vorgeschriebener Inspektionen,
– unterlassene oder nicht fachgerechte Instandhaltung,
– körperliches Eindringen von Saboteuren infolge ungenügender Zugangskontrollen ,
– elektronisches Eindringen von Hackern in die Prozesssteuerungssoftware.
Beispiel 2: Die Daten über neue Produkte, Produktionsverfahren und strategisch wichtige Angestellte einschließlich deren persönliche Know-how-Profile landen beim Wettbewerb das Unternehmen wird binnen kurzer Zeit Not leidend, obwohl es die besten Kaufleute der Branche beschäftigt und die gängigen Corporate-Governance-Vorstellungen auf Punkt und Komma erfüllt. In einer solchen Situation kann sich schnell wiederfinden, wer seine Security-Hausaufgaben nicht macht, z. B.
– Betriebsfremde unkontrolliert auf dem Firmengelände herumlaufen lässt,
– keine ausreichende IT-Security betreibt,
– nachlässig mit Passwörtern umgeht, was vor allem bei Chefs beinahe normal ist.
Was in den meisten deutschen Unternehmen fehlt, ist ein „Responsibility Management“ als integraler Bestandteil des Risiko-Managements.
Es muss zur Selbstverständlichkeit werden, dass die Beurteilung eines Unternehmens durch Banken und Versicherungen immer auch die Beurteilung sämtlicher Vorkehrungen einschließt, die zur Vermeidung von Sicherheitsrisiken institutionalisiert und dokumentiert sind.
Die Anforderungen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, KonTraG, sollten im vollen in vollem Umfang umgesetzt sein. Das bedeutet: Die Unternehmensleitung ist verpflichtet, Vorsorgeregelungen gegen alle Entwicklungen zu treffen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden.
Spätestens die beschriebenen Beispiele müssten auch hart gesottene Banker und Analysten überzeugen, dass zur Beurteilung des Risiko-Managements unbedingt auch speziell ausgebildete Ingenieure und IT-Fachleute hinzu zu ziehen sind, bevor eine Gesamtbeurteilung des Unternehmens gewagt wird.
Die heute noch weitgehend unwilligen Unternehmer sollten darüber hinaus aus ganz persönlichem Eigeninteresse zu Fans eines intelligenten Responsibility Management werden.
Wenn nämlich im Unternehmen gegen geltendes Recht verstoßen wird, ist der Unternehmensleiter nur dann vor dem Vorwurf eines „Organisationsverschuldens“ sicher, wenn er ein innerbetriebliches Kontrollsystem installiert hat, das er persönlich oder extern überwachen lässt. Hat er dies nicht getan, so kann es ihm passieren, dass er aus seinem Chefbüro in eine Gefängniszelle umziehen muss.
Wer aber ein geeignetes Kontrollsystem, ein Responsibility Management, in seinem Unternehmen einführt, hat wenigstens eine wichtige Lehre aus dem 11. September 2001 gezogen. Er kann ruhiger schlafen und sich über Kosteneinsparungen infolge optimierter Abläufe freuen.
Jürgen Althoff:
„Mangelnde Sicherheit ist oft ein höchst gefährliches Resultat rein kaufmännischer, auf kurzfristige Ergebnisse fixierter Betrachtungsweisen, wie sie im Zuge der Globalisierung auch immer stärker bei uns um sich greifen.“

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