Sicherheit

„Sicher zu reisen ist eine Illusion“

„Sicher ist heute kein Reiseziel mehr.“

Der Verband der amerikanischen Luftfahrtindustrie hat Anfang der Woche davor gewarnt, dass im Falle eines Irak-Krieges zusätzliche Verluste von mindestens 4 Mrd. $ drohten. Es bestehe ein echtes Risiko, dass es zu mehreren Konkursen komme, und auch die Gefahr einer Verstaatlichung sei nicht unrealistisch. In der Folge büßten die Aktien der Fluglinien Delta Air Lines und der American Airlines-Mutter AMR Corp. allein am vergangenen Dienstag 22,4 % bzw. rund 34 % ein.
Die Tourismusbranche insgesamt befürchtet vor allem, dass es nach einem Irak-Krieg zu weiteren Terrorakten kommen könnte. Wie einfach, schnell und effizient eine Hand voll Leute eine ganze Branche kaputt machen und ein Land bis ins Mark erschüttern kann, das bewies der Anschlag auf die jüdische Synagoge auf Djerba im April 2002 eindrücklich. Ein paar muslimische Extremisten sprengten einen Tankwagen in die Luft. 21 Touristen wurden getötet, darunter auch 14 Deutsche.
Die direkten Auswirkungen sind schnell beschrieben: Die Zahl deutscher Touristen nach Tunesien ging im vergangenen Jahr um 65 % auf 350 000 zurück. Tausende Tunesier verloren ihren Job, Händler verkauften keine Töpferwaren mehr, Taxifahrer gingen nach Hause zu ihren Familien. Staat und Unternehmen nahmen einige hundert Millionen Euro weniger ein.
Der Bombenanschlag auf eine Disko auf Bali im Oktober und einen Monat später auf ein Hotel in Kenia machte den Urlaubern weltweit deutlich, wie unsicher verreisen geworden ist. Kein Wunder, dass sich auf der ITB deshalb fast alles um das Thema Sicherheit gedreht hat.
Die unbequeme Antwort auf die Frage, welches Reiseland denn vor dem Hintergrund eines Irak-Kriegs und weiteren Anschlägen von muslimischen Extremisten überhaupt noch sicher ist, gab Professor Karl Born, der an der Fachhochschule Har in Wernigerode Tourismusmanagement unterrichtet. „Sicher ist heute kein Reiseziel mehr. Man kann die Länder auch nicht mehr in sicher und unsicher unterteilen.“
Der Grund dafür ist simpel: Terroristen schlagen da zu, wo sie ihre Feinde mit wenig Mitteln sehr empfindlich treffen können. Bali, Mombasa und Djerba zeigen eindrücklich, wie gut ihnen das gelungen ist, denn in allen betroffenen Ländern ging die Zahl der Gäste und der Einnahmen empfindlich zurück.
Gibt es im Irak Krieg, befürchten Bundesbürger und Reiseveranstalter weitere Anschläge. Je länger die gespannte Situation anhält, desto fataler wird die Lage für TUI, Thomas Cook und Co. Fast wöchentlich schocken sie die Bundesbürger mit neuen Negativmeldungen. Tausende Mitarbeiter werden entlassen, Umsatzprognosen immer weiter zurückgeschraubt.
Potenzielle Urlauber werden dadurch weiter verunsichert und buchen ihren Sommerurlaub nicht mehr wie bislang im Frühjahr. Und wer schon gebucht hat, storniert wieder. Bei Öger-Tours gehen täglich 200 Stornos für Touren in die Türkei ein. Bei Oft-Reisen in Stuttgart entschieden sich bis vergangenen Montag 114 Kunden gegen eine bereits gebuchte Ägypten-Reise.
Martin Schlüter, bei TUI für die 14 Iberotels in Ägypten und in der Türkei verantwortlich, stellt fest, dass die Deutschen derzeit – wenn überhaupt – nur noch kurzfristig buchen. „Zur Zeit sind unsere Hotels in Ägypten und in der Türkei zwar noch sehr gut gebucht, aber sobald der Krieg ausbricht, wird es schlimm werden.“
Wie er hoffen viele in der Tourismusbranche auf eine kurze kriegerische Auseinandersetzung. Danach rechnet Schlüter wieder mit schnell und stark ansteigenden Besucherzahlen, weil die Reiseziele Türkei und Ägypten ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten würden. Nicht so optimistisch ist Tanja Blaha, die für Sunshine Tours in Abu Dhabi seit dreieinhalb Jahren Ausflüge für deutsche Touristen organisiert. Die Zahl der Gäste sei bereits empfindlich zurückgegangen. „Das liegt daran, dass Europäer alle arabischen Länder in einen Topf werfen.“ Irak, Dubai, Ägypten, Türkei, alles werde als ein Land wahrgenommen. Dabei fühlt sie sich in Abu Dhabi nach eigenen Angaben sogar sicherer als in Berlin oder München.
Wie wichtig das Thema Sicherheit ist, zeigt sich auch an den Ständen auf der ITB. Egal, ob bei Veranstaltern oder Fluggesellschaften: Immer wieder fragen die Besucher, wie sicher ist Fliegen und Reisen. „Da viele Touristen in ein Paradies gebracht werden wollen, das es nicht gibt, ergeben sich natürlich große Spannungen“, fasst Günter Knabe, Leiter des Asien-Programms der Deutschen Welle, das Problem auf einem Diskussionsforum zusammen.
Die Spannungen werden Knabe zufolge durch eine zweite Illusion sogar noch verschärft: „Die meisten Gäste wollen sich im Urlaub von der realen Welt ablösen und hoffen, unschöne Themen, wie Terrorismus und Krieg, einfach hinter sich lassen zu können.“
Die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre zeigt aber, dass das nicht geht. Airlines, Hotels und Veranstalter versuchen zwar, mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen, Reisen so sicher wie möglich zu machen.
Aber alle sind sich in zwei Dingen einig: absolute Sicherheit kann es nicht geben – und: Urlaub hinter Stacheldraht und Panzerglasscheiben will auch niemand.
THOMAS RENTSCHLER

Von Thomas Rentschler

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