Alarm bei Fehlhaltung 08.09.2014, 06:00 Uhr

Sensoranzug soll Arbeiter vor Rückenschäden schützen

Um Menschen im Arbeitsalltag vor Rückenschäden zu bewahren, entwickeln Ingenieure derzeit einen Sensoranzug: Er schlägt bei schädlichen Bewegungen sofort Alarm. Als erstes sollen ihn Sanitäter und Schweißer testen.

Ein Arbeiter bei Schweißarbeiten am International Commerce Centre (ICC), dem höchsten Haus Hong Kongs. Solche Verrenkungen führen im Laufe der Jahr oft zu Rückenproblemen.

Ein Arbeiter bei Schweißarbeiten am International Commerce Centre (ICC), dem höchsten Haus Hong Kongs. Solche Verrenkungen führen im Laufe der Jahr oft zu Rückenproblemen.

Foto: dpa

Schweißer müssen sich manchmal ganz schön verrenken, wenn sie an schwer zugänglichen Stellen arbeiten. Sanitäter haben es zunehmend mit übergewichtigen Patienten zu tun. Und Maurer heben, obwohl viele vorgefertigte Teile eingesetzt werden, oft immer noch Stein um Stein. Lauter Ursachen für eine der häufigsten Krankheiten: Rückenschmerzen. Teure Wärmepflaster gehören zu den Rennern in den Apotheken .Meist lassen sich derartige Beschwerden durch Veränderungen der Bewegungen und Haltungen vermeiden.

Mit einem Sensoranzug, den Ingenieure und Wissenschaftler verschiedener Unternehmen und Institutionen entwickelt haben, sollen reale Belastungen zunächst an Schweißern und Sanitätern ermittelt werden. Basierend auf diesen Daten sollen Orthopäden und Physiotherapeuten Bewegungsmuster entwickeln, die negative Rückwirkungen auf den Körper minimieren.

Sensoranzug schlägt bei Fehlhaltung Alarm

In einem zweiten Schritt hilft der „Sensoranzug zur individuellen Rückmeldung körperlicher Aktivität“ (Sirka), wie er genannt wird, dem Träger, Fehlbewegungen zu vermeiden.

Auch Sanitäter heben oft schwer und kämpfen mit Rückenproblemen: Sie sollen daher zu den ersten Berufsgruppen gehören, die den Sensoranzug testen.

Auch Sanitäter heben oft schwer und kämpfen mit Rückenproblemen: Sie sollen daher zu den ersten Berufsgruppen gehören, die den Sensoranzug testen.

Quelle: dpa

Belastet der Träger seinen Körper zu stark oder falsch, ertönt ein Warnsignal. Dann kann er den Bewegungsablauf ändern oder eine Alternative suchen – etwa einen Helfer hinzu bitten, wenn der Patient zu schwer ist, der auf die Trage gehievt werden soll.

Sensoren messen Beschleunigungen und Drehraten

Der leichte Anzug ist mit 20 Sensoren bestückt, die akribisch jede Bewegung des Trägers aufzeichnen. Daraus entsteht ein reales Bewegungsmuster. Spezialisten können aus den Daten, die kabellos an einen Computer übertragen werden, Fehler erkennen und Vorschläge machen, wie er bestimmte Arbeiten ohne zu große Belastung von Muskeln und Skelett ausführen kann. Die benötigte Zahl an Sensoren ergibt sich aus den ersten Tests. Sie messen an verschiedenen Stellen Beschleunigungen und Drehraten.

Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,1 Millionen Euro im Rahmen seines Förderschwerpunkts „Mensch-Technik-Interaktion im demografischen Wandel“ gesponsert. Das Gesamtvolumen des auf zwei Jahre angelegten Vorhabens liegt bei 1,88 Millionen Euro. Sieben Partner aus der deutschen Industrie- und Wissenschaftslandschaft arbeiten dabei eng zusammen: Neben dem Konsortialführer Budelmann Elektronik aus Münster machen das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen, das Rofa-Bekleidungswerk in Schüttorf, die Meyer Werft in Papenburg, die Johanniter-Unfall-Hilfe, die Universität Oldenburg und die Hochschule Osnabrück mit.

 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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