Sicherheit

Seil dich an und geh auf Nummer Sicher

Sicherheitsingenieur – das ist zwar kein abenteuerlicher Beruf, zeichnet sich aber durch Vielseitigkeit aus. Und die Berufsaussichten sind nicht schlecht.

Wenn Friedrich Lahrmann an einer Baustelle vorbeigeht, schaut er meist zweimal hin. Sind die Gerüste stabil aufgebaut? Gibt es ungesicherte Gruben? Das bringt der Beruf mit sich. Denn Lahrmann ist leitender Sicherheitsingenieur bei ThyssenKrupp Stahl. Der Elektroingenieur und sein Team sind dafür zuständig, dass an den sieben deutschen Standorten möglichst wenig Unfälle passieren. Klar, dass ein Mann, der sich rund um die Uhr mit dem worst case beschäftigt, auch privat die Sicherheit im Auge behält. „Als ich meine Satellitenschüssel installiert habe, musste ich mich einfach angurten. Wäre doch peinlich, wenn ein Sicherheitsingenieur vom Dach fällt“, lacht der 55-Jährige.
Arbeitsschutz – das klingt zunächst nicht nach großen Abenteuern. In den Köpfen vieler Menschen spuken Bilder von Bürokraten herum, die durch Werkshallen und Büros schleichen und Nichtraucherschilder anschrauben. Mit dem Arbeitsalltag eines Sicherheits-Ingenieurs hat das allerdings nichts zu tun. Der Job ist vielseitig – und bietet gute Einstiegsmöglichkeiten. „Wir werden bald einen Mangel bekommen der Beruf hat Aussichten“, bestätigt Heinrich Wolf, Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI).
Grundsätzlich führen drei Ausbildungswege zum Beruf des Sicherheitsingenieurs. Als Hauptfach kann Sicherheitstechnik nur an der Uni Wuppertal studiert werden. Daneben bieten viele Unis und Fachhochschulen studienbegleitende Kurse an. Auch Ingenieure, die ihr Studium bereits abgeschlossen haben, können sich nachträglich zur „Fachkraft für Arbeitssicherheit“, wie es offiziell heißt, weiterbilden. Die Berufsgenossenschaft und andere öffentliche Träger bieten dazu einen sechswöchigen Kurs an, der mit einer umfangreichen Prüfung endet: Kandidaten müssen nicht nur nachweisen, dass sie die technischen Grundlagen von der Anlagensicherheit bis zu Brand- und Umweltschutz beherrschen, sondern auch fit sind in Didaktik und Psychologie. Denn: „Der Fokus liegt zunehmend auf dem Menschen“, erklärt VDSI-Vorstand Wolf, der hauptberuflich für die Sicherheit im BMW-Werk Dingolfing zuständig ist.
Hintergrund: Rein technisch haben die Unternehmen im hoch entwickelten Deutschland weit gehende Vorkehrungen zur Gefahrenabwehr getroffen. Was bleibt, ist das Risiko Mensch. Und das bedeutet für die Sicherheitsingenieure: Sie müssen Mitarbeiter schulen, immer wieder für Gefahren sensibilisieren, nachhaken. Das ist keine Aufgabe für autistische Technik-Freaks. „Wir suchen Menschen, die kommunikativ sind — und beharrlich“, so ThyssenKrupp-Manager Lahrmann. Denn Arbeitsschutz-Profis sitzen oft zwischen den Stühlen: Der Betriebsrat fordert mehr Sicherheit, das Management hat vor allem die Kosten im Blick.
Und selbst, wenn alle technischen Maßnahmen getroffen sind, bleibt eine wichtige Aufgabe: Führung. Ein Beispiel: Monteure arbeiten in Schwindel erregender Höhe ohne Sicherung. Die Arbeiter ignorieren die Ermahnungen des Vorgesetzten. Der redet sich raus: „Das habe ich denen schon hundertmal gesagt.“ Genau hier ist der Sicherheitsingenieur gefragt: „Wenn spätestens nach der zweiten Ermahnung nichts passiert, stimmt etwas mit der Führung nicht“, meint Lahrmann.
Sicherheitsingenieure arbeiten sehr eigenverantwortlich. Selten bestimmt ein Vorgesetzter den Arbeitstag; der Sicherheitsprofi sucht sich seine Aufgaben selbst. Bei regelmäßigen Betriebsbegehungen versucht der Arbeitsschützer, potenzielle Gefahrenherde zu erkennen und zu beheben. Daneben werden Sicherheitsingenieure hinzugezogen, wenn neue Anlagen geplant oder in Betrieb genommen werden.
Eine kleine Warnung: Spektakuläre Explosionen oder Großbrände zu verhindern, ist dem Sicherheitsingenieur oft nicht vergönnt. Meist kümmert er sich um ganz alltägliche Gefahren. So passiert fast ein Drittel aller Arbeitsunfälle beim Gehen. Eine ganz pragmatische Gegenmaßnahme wäre z. B., einen zweiten Handlauf in Treppenhäusern anzubringen. „Aber das müssen Sie erstmal durchsetzen“, so Experte Wolf. In einer großen Fabrik etwa können die Kosten für solch eine Maßnahme schnell in den sechsstelligen Eurobereich gehen.
Wichtiger Trend in der Branche: Statt eigene Arbeitsschützer einzustellen, engagieren Unternehmen zunehmend freiberufliche Dienstleister. „Die Tendenz zum Outsourcing hält an“, berichtet Rainer Siebert, Vorsitzender des Bundesverbandes freiberuflicher Sicherheitsingenieure (BFSI). Er betreut mit seiner Firma insgesamt 2300 Betriebe in Berlin und Brandenburg sicherheitstechnisch. Die Erwartungen beschreibt der Unternehmer so: „Die Kunden wollen Komplettangebote.“ Deshalb hat Siebert in seiner Belegschaft auch Betriebsärzte, Entsorgungs- und Strahlenschutz-Spezialisten. Ingenieuren, die sich in diesem Bereich selbstständig machen wollen, empfiehlt er: „Bieten Sie mehrere Fachgebiete aus einer Hand an – reine Einzelkämpfer haben schlechte Karten.“ Etablierte Freiberufler verdienen rund 2500  bis 3000 Euro im Monat.  CONSTANTIN GILLIES
@ www.vdsi.de

Sicherheitsingenieur – die Ausbildung

Weg 1: Studium Sicherheitstechnik, zum Beispiel an der Uni Wuppertal.

@ http://www2.uni-wuppertal.de/FB14/ oder der Studiengang Umwelt-, Hygiene- und Sicherheitstechnik an der FH Gießen, Tel: 0641/309 2500

@ http://kmubserv.tg.fh-giessen.de/pm/uhst/

Weg 2: Eine studienbegleitende Ausbildung zum Sicherheitsingenieur bieten viele Unis und FHs an, zum Beispiel die FH Regensburg, Tel: 0941/943 02,

@ www.fh-regensburg.de

Weg 3: Zusatzausbildung nach dem Hochschulabschluss. Seminare bieten TÜV, Dekra und die Berufsgenossenschaften an. Einen Überblick über die Angebote gibt die GQA Gesellschaft für Qualität im Arbeitsschutz, Telefon 0721/476 7532,

@ www.gqa.de   CG

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