Sicherheit

Schmieren und schweigen

Hinweise werden anonym an einen Internet-Briefkasten geschickt.

Eine Sekretärin muss jeden Freitag für das Privatauto ihres Chefs 200 l Benzin von der Firmentankstelle abzapfen. Über Jahre hinweg. Sie wagt es nicht, jemandem davon zu erzählen. Im Jahr 2000 verursachten rund 90 000 Fälle aufgedeckter Wirtschaftskriminalität einen Schaden von über 5,25 Mrd. @, so das aktuelle Lagebild der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e.V. (ASW). Noch schlimmer sind die Wettbewerbsverzerrungen, die kaputten Geschäftsbeziehungen und der Vertrauensverlust in die geltenden Wirtschafts- und Gesellschaftsnormen. Wirtschaftskriminalität bedeutet: Unterschlagung, Untreue, Bilanzfälschung, Korruption, Geldwäsche, Erpressung und Cybercrime.
Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft KPMG hat 1999 die 1000 größten deutschen Unternehmen befragt. Über die Hälfte gab an, in den fünf Jahren davor Schäden von 10 000 DM bis 500 Mio. DM erlitten zu haben. Entdeckt wurden die Fälle durch das Interne Kontrollsystem, durch Hinweise von Kunden und Lieferanten und – zu 16 % – durch Zufall. Die KPMG hat eine Checkliste für die gefährdeten Bereiche entwickelt: klare Richtlinien für die Ausschreibungen, ein Soll/Ist-Vergleich zwischen Vorkalkulation und tatsächlicher Investition sowie ein Verhaltenskodex für Einkäufer. Wichtig sei zudem, dass die Chefs über Warnzeichen aufgeklärt und selbst sauber sind.
Dieter John, Leiter von KPMG Integrity Services und Vorstandsmitglied des Deutschen Forums Kriminalprävention (DFK), sieht ein gutes Betriebsklima als die beste Vorbeugung. Zwei Arbeitskreise des DFK beschäftigten sich gegenwärtig mit den Bereichen „Wertemanagement“ und gesellschaftliches Engagement („Corporate Citizenship“).
An dem Punkt will auch Transparency International (TI) ansetzen. Die gemeinnützige Organisation ist unter anderem für ihren Korruptionsindex bekannt und bekämpft diese Plage weltweit. „Der erste Schritt überhaupt ist, dass die Leitung die kompromisslose Entscheidung trifft, Korruption weder zu fördern noch zu dulden“, sagt Peter von Blomberg, bei TI Deutschland für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zuständig.
Ob als Bekenntnis zu Fairness und Transparenz oder einfach aus der Verpflichtung heraus, Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Dem ersten Schritt sollen weitere folgen: Analyse der Schwachstellen, Schulung des Personals, Kontrolle und Sanktionen.
Untersuchungen darüber gebe es nicht, sagt von Blomberg, allerdings Indizien für eine, wenn auch langsame, Zunahme der präventiven Maßnahmen, vor allem bei großen Unternehmen. Doch bisher werde nur ein Bruchteil der Korruptionsaffären und anderer Weiße-Kragen-Verbrechen aufgedeckt. Zwar wird den Mitarbeitern oft die Pflicht auferlegt, Verstöße dem Vorgesetzten, der internen Revision oder den Wirtschaftsprüfern zu melden. Das trauen sich aber wie die besagte Sekretärin nur die wenigsten. Nestbeschmutzer werden gemieden: Mobbing, der Karriereknick, sogar die Kündigung könnten die Folgen sein.
Hotlines haben sich eine Zeit lang bewährt. Aber eben nur eine Zeit lang. Man versuchte den namenlosen Anrufer durch Spracherkennung zu identifizieren, um mehr zu erfahren. Das hat sich herumgesprochen. Neuerdings setzen die Unternehmen Vertrauenspersonen, sogenannte Ombudsleute, meist externe Rechtsanwälte, ein. So ist auch die Deutsche Bahn verfahren, um einen Schmiergeldskandal bei dem Aufbau der ostdeutschen Strecken aufzuklären. Aber die Hemmschwelle, sich an eine Person zu wenden, ist hoch.
Diese Lücke will das Business Keeper Monitoring System schließen. Kenan Tur, Gründer der Business Keeper AG und Wirtschaftsinformatiker, hatte seine Diplomarbeit über ethische Fragen geschrieben. Später als Manager bei General Motors konnte er die Auswirkungen der Lopez-Affäre miterleben. Zur Erinnerung: Der führende Opel-Manager Jose Ignacio Lopez soll beim Wechsel zu VW tausende Disketten mit Konstruktionsunterlagen und Lieferantenpreislisten mitgenommen haben. Turs Idee: Für Hinweisgeber einen Internet-Briefkasten zu schaffen. Die anonymen Hinweise werden geprüft und an die Geschäftsführung, den Aufsichtsrat oder den Ombudsmann des Unternehmens weitergeleitet. Das Verfahren ist nach Turs Angaben das weltweit erste.
Warum aber sollte jemand den Kollegen oder Vorgesetzten verpfeifen? Rache und Neid sind denkbar, aber auch edlere Motive: hohe moralische Vorstellungen, Firmentreue und Schutz des eigenen Arbeitsplatzes. Der Informant muss mit seinem Hinweis möglichst detailliert darlegen, welche Abteilungen, Organisationen und Projekte verwickelt sind. „Diesen Aufwand muss er schon auf sich nehmen“, sagt Tur. Das verhindere auch, dass sich Leute aus einer Laune heraus melden. An Namen ist der Business Keeper nicht interessiert. EDV-Filter sowie Psychologen, Kriminologen und Juristen prüfen die Glaubwürdigkeit und die Relevanz der Information. Wünscht der Hinweisgeber ein Feedback, kann er einen stillen elektronischen Briefkasten anlegen, zu dem nur er Zugang hat. So ist er auch für zusätzliche Fragen erreichbar, ohne seine Identität preiszugeben.
Mit diesen Fakten will der Business Keeper die Firmen nicht an den Pranger stellen. Sie werden ihnen zur internen Aufdeckung überlassen. Das Monitoring System ist eine Art Pannenhilfe. Für regelmäßige Berichte sollen die angeschlossenen Unternehmen einen monatlichen Beitrag leisten. Tur nimmt aber nicht jeden: Die Mitglieder müssen sich bestimmten ethischen Grundsätzen verpflichten. M. JORDANOVA-DUDA

Von M. Jordanova-Duda

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