Sicherheit

Schlechte Vorbereitung erhöht das Sicherheitsrisiko

gründliche Vorbereitung und entsprechendes Verhalten. Doch gerade mittelständische Unternehmen schicken ihre Angestellten nicht selten völlig unvorbereitet in Krisenregionen.

Da kann einem schon mal mulmig werden: Wer im Flugzeug nach Kolumbien sitzt und liest, dass es dort bis zu 3000 Entführungsfälle pro Jahr gibt, wünscht sich vielleicht, am Flughafen von Bodyguards empfangen zu werden. Doch auch die Geschäftsreise nach Bogota muss nicht im Chaos enden. Was ist aber für die Sicherheit im Ausland wirklich notwendig, und wer sagt einem das?

Kolumbien ist sicherlich ein extremer Fall, bestätigt Bernd Bühner, Geschäftsführer der Berliner Filiale von Control Risks, einer britischen Krisenmanagement-Beratung. „Allerdings können Unternehmen auch in so einem Land geschäftlich agieren, sie müssen dann nur ihre Kosten anders kalkulieren, da der Anteil für Sicherheit im Budget entsprechend höher sein wird“, konstatiert Bühner nüchtern.

Ein Unternehmen wie Siemens, das in 190 Ländern der Erde vertreten ist, gewinnt seine Attraktivität gerade auch für jüngere Ingenieure nicht zuletzt durch den ständigen internationalen Austausch, weiß Firmensprecherin Sabine Metzner zu berichten. Auslandsreisen gehören einfach zum täglichen Geschäft, soll es aber in sogenannte High-Risks-Areas wie Somalia oder Sudan gehen, wird dies nur gestattet, wenn es gilt, wichtige Projekte voranzutreiben und entscheidend zu begleiten. In solchen Fällen verweist das wie ein Reisebüro arbeitende Travel-Management automatisch an die zuständige Sicherheitsabteilung, die dann ausführlich in mündlicher und schriftlicher Form über spezielle Risiken aufklärt. „Wir nutzen zwar Dienstleister zur Abrundung oder zur Verfeinerung des jeweiligen Sicherheitsprofils eines Landes, aber die Verhaltensmaßregeln für die Mitarbeiter legen wir selbst fest, da stützen wir uns auf keinerlei Maßstäbe, die andere Provider haben“, erklärt Hans-Günter Laukat.

Die dafür notwendigen Informationen werden über das Auswärtige Amt eingeholt, nach Möglichkeit direkt von der deutschen Botschaft im betreffenden Land, aber auch über Botschaften anderer Länder und befreundete Unternehmen. „Wir haben eine Vielzahl von Quellen, die wir nutzen können – ein weltweites Netzwerk. So können wir auch in Einzelfällen Personenschutz über uns bekannte Dienstleister im jeweiligen Zielland organisieren, die über wichtige Kontakte vor Ort verfügen, die gesetzlichen Bestimmungen kennen und wissen, wie im Krisenfall zu reagieren ist“, berichtet Laukat.

Das Spektrum der allgemeinen Kriminalität, also Diebstähle, Überfälle und Raub, bildet jedoch wie in Deutschland auch in entfernten Ländern das größte Bedrohungspotenzial. Und der allgemeine Rat des Auswärtigen Amtes, dass man nachts unbeleuchtete Straßen besser meidet, nur soviel Bargeld mitnimmt, wie unbedingt erforderlich ist und bei einem bewaffneten Raubüberfall besser keinen Widerstand leistet, klingt banal und dürfte zumindest theoretisch jedem klar sein. „Aber Deutsche sind wie andere Europäer besonders gefährdet, weil sie grundsätzlich als wohlhabend gelten, als gut versichert und auch als dumm, in dem Sinne, dass sie nicht mit den landestypischen Gepflogenheiten vertraut sind“, erläutert Berthold Schweigler, Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft e.V.“ (ASW) in Bonn.Umso wichtiger ist es, Dienstreisen und vor allem längere Arbeitsaufenthalte intensiv vorzubereiten, um zu lernen, dass bestimmte Stadtviertel zu meiden sind, in manchen Ländern Autotüren und -fenster während der Fahrt verriegelt sein sollten und dass man seinen Reichtum zur Sicherheit besser nicht zur Schau stellt. Eine gute Vorsorge in diesem Sinne lässt unbegründete Ängste und Panik gar nicht zu, denn wer sich an entsprechende Vorsichtsmaßnahmen hält, für den ist das Risiko de facto nicht besonders groß, glaubt Andreas Bittner vom Institut für Interkulturelles Management (IFIM) in Rheinbreitbach, das sich auf Seminare für deutsche Expatriates, kurz Expats, spezialisiert hat.

„In Ländern mit allgemein hohen Kriminalitätsraten ist jedoch auf jeden Fall die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, also letztendlich die Lebensqualität“, konstatiert Bittner. Empfehlenswert sei das Wohnen in sogenannten Gated communities mit Wachpersonal und einer speziellen, auf die Bedürfnisse von Europäern ausgerichteten Infrastruktur, auch wenn es verlockend ist, sich selbst eine Bleibe zu suchen.

Die unausweichliche Ghettosituation ist dann für Ehefrauen – mitgereiste Ehemänner sind immer noch die ganz große Ausnahme –, die in der Regel keine Arbeitserlaubnis im Gastland erhalten, eine besondere Belastung, weiß Brigitte Hild zu berichten, die als ehemalige Betroffene ihre Erfahrungen inzwischen über ihren Internet-Service „Going Global“ weiter gibt. Auch Jugendliche mit ihrem besonderen Freiheitsdrang haben es in so einem Umfeld nicht leicht.

Während international agierende Großkonzerne ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systematisch auf Auslandsaufenthalte vorbereiten, hapert es in klein- und mittelständischen Unternehmen häufig am nötigen Bewusstsein. „Wir gehen davon aus, dass höchstens 20 % aller Auslandsmitarbeiter speziell geschult werden. Die große Mehrzahl wird einfach entsandt. Und je kleiner das Unternehmen, desto weniger wird in der Regel darüber nachgedacht“, erklärt Andreas Bittner. Eine Einschätzung, die Bernd Bühner nur bestätigen kann. Nach seiner Erfahrung gibt es durchaus Personalchefs, die glauben, dass ein höheres Gehalt als Risikoprämie vollkommen ausreicht und die Verantwortung somit einfach auf ihre Mitarbeiter übertragen.

Die Unternehmen haben jedoch auf jeden Fall eine Fürsorgepflicht, unterstreicht Berthold Schweigler: „Wer Mitarbeiter in sicherheitsgefährdete Regionen schickt, hat auch die Pflicht, sie entsprechend anzuleiten, ihnen Hinweise zu geben und Hilfestellung zu leisten.“. MANFRED BURAZEROVIC

Nützliche Adressen

Sicher im Ausland

Wer in Krisenregionen reisen muss, sollte unbedingt das Info-Angebot mit ständig aktualisierten Warnhinweisen des Auswärtigen Amtes nutzen:

www.auswaertiges-amt.de

Fester Bestandteil der Dienstleistung von Control Risks ist ebenfalls ein Online-Service:

www.crg.com

Andere Anbieter sind Kroll Associates und Trauboth Risk Management:

www.krollworldwide.com www.trauboth-risk-manage
ment.de.

Beratungsservice für Expatriates bieten das IFIM u.a.

www.germanexpats.com www.goingglobal.de

 

Von Burazerovic

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

Stadtwerke Augsburg Holding GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH Leiter Arbeitssicherheit und Umweltmanagement (m/w/d) Augsburg
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Feuerwehrmann/-frau (m/w/d) im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst (Laufbahnausbildung) Köln
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr Duales Studium: Sicherheitstechnik im gehobenen Feuerwehrtechnischen Dienst (m/w/d) Wuppertal
bluesign technologies ag-Firmenlogo
bluesign technologies ag Chemical Company Assessor (f/m) Sankt Gallen (Schweiz), Augsburg
Advanced Nuclear Fuels GmbH-Firmenlogo
Advanced Nuclear Fuels GmbH Ingenieur (m/w/d) für Kerntechnik oder Sicherheitstechnik Lingen
Stadtwerke Leipzig GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Leipzig GmbH Krisenmanager / Brandschutzbeauftragter (m/w/d) Leipzig
Bezirksregierung Arnsberg-Firmenlogo
Bezirksregierung Arnsberg Gewerbeoberinspektoranwärter*innen – Arbeitsschutzverwaltung NRW Arnsberg, Dortmund, Siegen

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssic…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.