Gesundheit

Schlaf . . .macht schlau

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 6. 05 – Wer wenig schläft, hat mehr Zeit für große Taten, behaupten einige Leistungsbesessene. Viel Zeit schon, aber nicht mehr die Kraft, erwidert der Wissenschaftler Jürgen Zulley. Leider sei die Einstellung, Schlaf als Arbeitsverweigerungshaltung zu betrachten, weit verbreitet.

Thorsten Breuer ist ein vielbeschäftigter Ingenieur, der, obwohl erst 34 Jahre zählend, als Vertriebsleiter bei einem Mittelständler große Verantwortung trägt. Breuer ist beliebt bei den Kollegen, weil er immer ein offenes Ohr für Probleme und Problemchen hat. Auch sein Chef preist ihn wegen seines nimmermüden Einsatzes für das Unternehmen. Neulich erst klopfte er Breuer auf die Schulter und adelte seinen Untergebenen mit einem „Mensch, Breuer, Sie sind ein echtes Arbeitstier!“. Das ging runter wie Butter und spornt zu neuen Höhenflügen an.
Thorsten Breuer kommen aber trotz der Motivationsspritze Zweifel: „Schaffe ich das? Werde ich den Anforderungen und Hoffnungen, die man in mich setzt, gerecht?“ Breuer plagt nämlich ein Problem, das ihm immer mehr zu schaffen macht: Er fühlt sich morgens wie gerädert. Die Müdigkeit kommt zwar spätestens gegen 23 Uhr, lässt ihn aber nicht in erholsamen Schlaf sinken, zu sehr belasten ihn die Ereignisse der Woche. Manchmal helfen ein bis zwei „Gläschen“ Rotwein, um dem Schlaf auf die Sprünge zu helfen, aber fitter fühlt sich Breuer am nächsten Tag deshalb noch lange nicht.
Wie machen das die anderen nur? Ein Kollege aus der Geschäftsführung meinte kürzlich, drei bis vier Stunden Schlaf in der Nacht würden ihm reichen, um topfit an den Start zu gehen – und das ohne Aufputschmittel. Mehr Schlaf sei vertane Zeit, das könne er sich in seinem Zeit raubenden Job auch gar nicht leisten.

Der „Fall“ Breuer ist zwar fiktiv, aber dennoch hoch aktuell. „Es gibt viele Leute, die damit prahlen, dass sie mit wenig Schlaf auskämen“, weiß Prof. Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums Regensburg und ehemals als Elektro-Ingenieur tätig. Die Erholungsqualität sei weniger von der Länge des Schlafes als vielmehr von der Tiefe abhängig, er sollte dennoch mindestens vier bis fünf und nicht länger als neun Stunden dauern.
Leider sei die Einstellung, Schlaf als Arbeitsverweigerungshaltung zu betrachten, weit verbreitet – bis weit hinein in prominente Kreise. „Sabine Christiansen hat in einer ihrer Talkshows behauptet, die Deutschen schliefen zu lange. Eine Kuh etwa käme mit drei bis vier Stunden aus, sie selbst auch. Eine Aussage, für die ich nur eine Erklärung habe: Schlafmangel“, meint Zulley mit einem Lächeln.

Ausreichend tiefer Schlaf sei nicht allein für den Energiehaushalt und das Immunsystem von lebenswichtiger Bedeutung, er wirke sich auch auf das Lernverhalten aus. „Es ist nachgewiesen, dass Menschen nach nächtlichem Schlaf mehr wissen als zuvor entscheidend ist die Tiefschlafphase zwischen 3 Uhr und 4 Uhr, die auch unser Leistungstief markiert.“
Wer sich die Zeit zum Kraft- und Wissentanken über einen längeren Zeitraum raubt, bricht in der Leistung ein. Dabei schätzen die meisten Schlafverweigerer ihren Zustand völlig falsch ein. Zulley: „Es herrscht oftmals große Diskrepanz zwischen dem Gefühl und dem tatsächlichen Befinden.“ Negative Auswirkungen habe Schlafmangel auch auf die sozialen Kompetenzen, erklärte Zolleys Kollege Till Roenneberg jüngst in der Frankfurter Rundschau. Die Toleranzgrenze werde gesenkt, man käme „schlecht drauf“ und werde „rüpelig“.

Wer Körper und Geist auf einen bestimmten Schlafrhythmus „konditioniert“, etwa regelmäßig um 23 Uhr ins Bett geht und um 6 Uhr aufsteht, legt einen wichtigen Grundstein für hohe Leistungsbereitschaft. Zulley: „Man sollte darauf achten, zwischen Arbeit und Schlaf eine ein- bis dreistündige Pause einzulegen. Wir sind keine Maschinen, die schlagartig umschalten. Wer permanent bis abends arbeitet, dem stellt sich allerdings ein Problem.“ Bei chronischem Schlafmangel in der Nacht kann auch der ansonsten Erholung bringende Mittagsschlaf nicht für die nötige Energiezufuhr sorgen.
Büromenschen sollten dafür sorgen, mindestens zweimal während der Arbeitszeit Pausen einzulegen, möglichst an der frischen Luft. „Helles Licht hat eine anregende und aktivierende Wirkung, allerdings erst ab 2500 Lux am Auge. In Büroräumen werden aber höchstens 500 Lux bis 600 Lux gemessen. Wir sitzen also quasi im biologischen Dunkel.“ Konsequenz: Pausen am Tageslicht verbringen, auch wenn die Sonne von einer Wolkendecke verhangen ist, und die Arbeitsräume so hell wie möglich ausleuchten. Für das zehn- bis 30-minütige Nickerchen, am besten in der Mittagspause, brauchen keine besonderen Vorkehrungen wie Ruhe oder Dunkelheit getroffen zu werden.

Guter Schlaf braucht zudem die körperliche Ermüdung. Sport ist das beste, aber nicht einzige Mittel. Wer statt des Aufzugs die Treppe benutzt, mit dem Rad zum Arbeitsplatz fährt, regelmäßig während der Arbeit kleine Bewegungseinheiten einstreut oder sich der Gartenarbeit hingibt, reißt seinen Körper bereits aus der Lethargie. Alkohol ist zwar ein gutes Einschlafmittel, stört aber den weiteren Schlafverlauf. Ein Glas Rotwein in Ehren will aber auch der Schlafforscher Zulley nicht verwehren.
Kräftezehrend sind häufige Flüge ins Ausland mit Zeitverschiebung. „Der Jetlag reißt den Körper aus dem Alltagsrhythmus, ähnliches gilt für die Umstellung auf Sommerzeit, unter der viele Menschen leiden.“
Kurzfristige Schlafstörungen sind kein Grund zur Besorgnis. Erst wenn Schlafmangel zur spürbaren Last und chronisch wird, sollte ein Profi zu Rate gezogen werden. Wie bei Edmund Breuer, der seine Arbeit vor dem Schlafengehen nicht mehr ablegen kann wie Hose und Schuhe. „Gute Schläfer sind leistungsfähiger und werden deshalb auch schneller befördert“, hat Zulley festgestellt. Schlechte Karrierekarten für Breuer. WOLFGANG SCHMITZ

Literatur: Zulley, Jürgen/Knab, Barbara: Wach und fit Herder Verlag, Freiburg 2004, 8,90 €.
Zulley, Jürgen/Knab, Barbara: Unsere innere Uhr Herder Verlag, Freiburg 2003, 9,90 €.
Riemann, Dieter: Ratgeber Schlafstörungen, Hogrefe-Verlag, Göttingen 2003, 9,95 €.
Füller, Ingrid: Wenn der Schlaf gestört ist, Stiftung Warentest, Berlin 2002, 12,95 €.

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