Gesundheit 26.06.2009, 19:41 Uhr

Schichtarbeit sollte der biologischen Uhr angepasst werden  

Schichtarbeit kann Körper und Geist Schaden zufügen, so das Ergebnis von Studien. Eine Felduntersuchung in zwei Siemens-Werken erfasste Konzentration und Leistungsfähigkeit von Frühaufstehern und Nachtaktiven im Schichtwechsel. VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 6. 09, ber/Fr

Die chronobiologischen Unterschiede machen sich in Tagesschwankungen des Hormonspiegels, der Körperfunktionen und der Konzentrationsfähigkeit bemerkbar. Kloke vermutet deshalb, dass sich je nach Chronotyp die Herausforderungen einer bestimmten Schicht besser oder schlechter bewältigen lassen würden.

Konkrete Ansätze liefert eine Untersuchung der Berliner Charité: Forscher um Prof. Achim Kramer fanden neben den bekannten rund ein Dutzend Uhr-Genen nun einen Regulator, der das biologische Uhrwerk kontrolliert: die Casein-Kinase 2. Ist sie ausgeschaltet, verlängert sich die Tagesdauer in den Zellen um rund zwei Stunden. Wird sie hingegen aktiviert, beschleunigt sich die innere Uhr, der Tag wird kürzer.

Erst dieser Regulator mache den Menschen zum Frühaufsteher oder zum Nachtschwärmer, so Kramer. Inwieweit diese Erkenntnis für Menschen mit einer Störung der inneren Uhr – etwa durch Jetlag oder Schichtarbeit – relevant ist und in Schichtmodelle einbezogen werden kann, muss noch geklärt werden.

Nicht nur Forscher, auch Firmen, in denen in Schicht gearbeitet wird, befassen sich mit dieser Problematik. Entsprechend liegen medizinische Analysen und Schichtzeitmodelle vor. So hält die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kurze Wechsel für sinnvoll. „Es sollten nicht mehr als zwei, maximal drei Nachtschichten aufeinander folgen“, sagte Frank Brenscheidt, Arbeitszeitexperte bei der BAuA.

Dem menschlichen Biorhythmus sei ein vorwärts rotierender Abfolgemodus der Schichten am wenigsten abträglich – zwei Frühschichten, zwei Spätschichten, zwei Nachtschichten, dann 48 h frei. So ließen sich etwa chronische Magen-Darm-Erkrankungen, verursacht durch nächtliches Essen, vermeiden.

In vielen Firmen gehört Schichtarbeit zum Alltag. Bei ThyssenKrupp Steel entspricht der Schichtplan den Empfehlungen der BAuA. Die Abfolge sieht zwei Früh-, zwei Spät- und zwei Nachtschichten vor. Danach seien vier Tage frei, sagte Dr. Werner Mölders, Leiter des Direktionsbereichs Gesundheit bei der ThyssenKrupp Steel AG. „Gegenüber früher in der Stahlindustrie praktizierten Schichtfolgen hat dieser Plan die Belastung und damit die gesundheitlichen Auswirkungen von Schichtarbeit deutlich reduziert“, so Mölders. LARS WALLERANG

Ein Beitrag von:

  • Lars Wallerang

    Lars Wallerang schreibt als freier Journalist für verschiedene Print- und Onlinemedien wie VDI Nachrichten und ingenieur.de u.a. über Forschung und Lehre, Arbeitsmarktpolitik sowie Technik.

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