Gesundheit

Risiko auf kleinem Nenner?

Ist BSE auf den Menschen übertragbar? Wann gibt es erste Tests für eine Diagnose am lebenden Tier? Klar ist bisher: Der Rinderwahn hat die deutsche Volkswirtschaft bis heute schon Milliarden gekostet.

Eigentlich gibt es keinen Grund zur Panik: Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Bundesverbraucherministeriums 2 856 330 Rinder auf BSE getestet, davon waren lediglich 125 positiv. Bis heute wurden exakt 158 in Deutschland geborene Rinder nachweislich mit dem Erreger der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) infiziert. Auch bei der ähnlich wie BSE verlaufenden Traberkrankheit bei Schafen (Scrapie) geht es nicht um große Zahlen: Seit 1945 erkrankten in Deutschland 16 Tiere. „Es ist falsch, bei BSE oder Scrapie von einer Seuche zu sprechen“, stellt Prof. Martin Ganter, Mediziner an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover, klar.

Und was ist mit den Menschen? In Großbritannien sind bisher 117 Patienten registriert, die mit der BSE-verwandten Creutzfeld-Jakob-Krankheit (vCJD) infiziert sind, in Frankreich sind fünf, in Irland einer, in Deutschland ist noch kein Fall bekannt. „Es geht also auch beim Menschen um kleine Zahlen“, konstatierte Dr. Martin Groschup von der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere vergangene Woche auf einer Tagung der TiHo.

Und doch hat der Rinderwahn Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit in eine Art Ausnahmezustand versetzt: Es entstand ein Bundesverbraucherministerium, in Windeseile wurden an mehreren Universitäten und medizinischen Einrichtungen BSE-Forschungsprogramme ins Leben gerufen, bundesweit begannen private und staatliche Labors mit der systematischen Untersuchung von Schlachtvieh. Seit Mitte der 90er Jahre, so Schätzungen, hat BSE die deutsche Volkswirtschaft 1,5 Mrd. Euro gekostet: für die Vernichtung von Rindern, für die gesetzlich vorgeschriebenen Tests aller Schlachtrinder älter als zwei Jahre, für die Beihilfen für die Landwirtschaft.

Zumindest der Verbraucher hat sich schnell wieder beruhigt. Umfragen des Fleischwarenverbandes zeigen: Rindfleisch wird heute wieder genauso viel gegessen wie zu Zeiten, als Deutschland noch als BSE-frei galt.

Die Wissenschaft dagegen steht immer noch vor denselben Rätseln wie vor zwei Jahren. Die drei Hauptfragen: Wie entwickelt sich BSE beim Rind? Sind die Erreger unter natürlichen Bedingungen auf andere Tierarten und auf den Menschen übertragbar? Und wie sicher sind Fleisch und Milch?

Die Aufklärung der Pathenogenese von BSE ist von entscheidender Bedeutung. Nur wenn klar ist, wo und wie sich der Erreger im Körper vermehrt, wo er sich möglicherweise „versteckt“ hält, bis es zum ersten Schub und den ersten Symptomen kommt, können bessere und empfindlichere Testmethoden entstehen. Solche Erkenntnisse sind auch Voraussetzung für die Entwicklung von Verfahren, die den Erreger frühzeitig in Blut oder Urin und nicht erst nach dem Tod des Tieres detektieren können. Die Entwicklung von Lebendtests aber steckt entgegen mancher Ankündigung von Pharmafirmen in den Kinderschuhen. „Das wird noch Jahre dauern“, ist Groschup überzeugt.

Auch ist immer noch ungeklärt, ob BSE auf den Menschen übertragbar ist und vCJK auslöst. In Tierversuchen ist es zwar gelungen, Artbarrieren zu überspringen und den Erreger beispielsweise vom Hamster auf die Maus zu übertragen. „Wir wissen aber nicht, ob eine solche Ansteckung auch unter natürlichen Bedingungen stattfindet“, betont Prof. Walter Bodemer vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Neuere Forschungen erhärten den Verdacht, dass beim Menschen auch seine genetische Veranlagung mit entscheidet, ob er sich leicht oder schwer infiziert: Bei allen vCJK-Patienten fand sich im Erreger-Protein eine bestimmte Aminosäurenkombination.

Recht sicher sind dagegen die Aussagen darüber, ob von Fleisch und Milch für den Verbraucher ein Risiko ausgeht. Bei Schwein, Geflügel und Fisch gibt es keine Hinweise, dass sich die Tiere unter natürlichen Bedingungen infizieren. Eine neue Studie bestätigt nach Angaben der Bundesanstalt für Fleischforschung die bisherige Einschätzung, dass Skelettmuskulatur – also das, was der Mensch normalerweise als Fleisch verzehrt – keine Erreger enthält. Ähnliches gilt für Milch und Milchprodukte. „Die BSE-Expositon des Verbrauchers durch Milch ist nahe Null“, urteilt Prof. Walter Heeschen von der Kieler Bundesanstalt für Milchforschung.

Ab 2003, so will es eine veränderte Richtlinie der EU, müssen Etiketten die eventuelle Verwendung von Separatorenfleisch und Innereien und auch die Tierart, von der das Fleisch stammt, angeben.

Eine neue Dachorganisation, die Qualität und Sicherheits GmbH mit Sitz in Bonn, will noch mehr: Sie vereinigt Bauern, Handel, Futtermittelhersteller, Verarbeiter und Schlachtbetriebe unter einem Dach, „um Transparenz vom Stall bis zur Ladentheke zu schaffen“. Wer gegen die Vorgaben verstößt, soll mit Geldstrafen sanktioniert werden, auch Lieferanten aus EU-Nachbarländern sind mit einbezogen.

BSE bleibt trotzdem für Schlagzeilen gut. Private Labors haben den Rinderwahn in den vergangenen Wochen wieder in Erinnerung gerufen – auch wenn niemand weiß, welcher Schaden durch schlampig ausgeführte Tests konkret entstanden ist. „Ich glaube nicht, dass dadurch ein BSE-Fall übersehen wurde“, so Groschup, einer von Deutschlands führenden BSE-Analytikern.

Wissen allerdings kann man das – wie fast alles bei BSE – nicht.

CHRISTA FRIEDL

Vorgestern ging das „TSE-Forum“ des Bundesforschungsministeriums online. Die Web-Seite informiert aktuell und allgemein verständlich über TSE-Erkrankungen, zu denen Scrapie, BSE und die Creutzfeld-Jakob-Krankheit gehören. Sie umfasst auch Kontaktadressen und eine Jobbörse.

 

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