Brandschutz

Rauchfreie Schicht kann Menschenleben retten

VDI nachrichten – Beim Brandschutz geht die Entwicklung sprunghaft voran. Nicht so der entsprechend notwendige Wissenstransfer. Deshalb bot jetzt in Frankfurt-Mörfelden eine VDI-Tagung die neuesten Trends auf diesem Gebiet der Gebäudetechnik. Einige Highlights: Verfahren der Infrarot-Thermographie und die gezielte Entrauchung.

Der Kenntnismangel zu Fragen des baulichen Brandschutzes ist erschreckend,« urteilten unlängst Heinrich Dammers und Hans-Werner Noll, Vorstandsmitglieder der in Neukirchen-Vluyn neugegründeten Vereinigung Verantwortungsvoller Brand- und Rauchschutz (VVBR). Jetzt bestätigte die von der VDI-Gesellschaft Technische Gebäudeausrüstung (VDI-TGA) in Frankfurt veranstaltete Brandschutztagung diese Feststellung. Nicht zuletzt die stiefmütterliche Behandlung der Thematik an Universitäten sei Ursache etlicher Wissenslücken beim Brandschutz. Kein Wunder: Unter den Tagungsteilnehmer waren viele Studenten zu finden. Schließlich wurde eine Fülle von Innovationen vorgestellt. Beispiele: Durchlicht-Lasermelder für »Brandfrühsterkennung«, Entrauchungsmethoden mit Jet-Ventilatoren oder die Infrarot-Termographie.

Als eine der ersten Maßnahmen zur Schließung möglicher Wissenslücken nannte Dipl.-Ing. Michaela Sander vom Hamburger Sachverständigenbüro Sander/Donislawski die »Installation eines Brandschutzbeauftragten«, den neuerlich die Industriebaurichtlinie und einige Landesbaurordnungen vorschreiben. Er solle vom Betreiber eines Verwaltungs- oder Gewerbebaues benannt und ausgebildet werden. In Deutschland könnte diese Aufgabe der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft übernehmen, und zwar nach einem europäischen Modell. Wichtigste Sachbereiche für den Brandschutzbeauftragten seien so Sander der Schweißschein und das Prüfen von elektrischen Anlagen, da aus von diesen Bereichen eines Gebäudes mehr als 50 % aller Sachschäden hervorgingen.

Zur Prüfung von elektrischen Anlagen wird in der Praxis zunehmend die Infrarot-Thermographie eingesetzt. Erhöhte Widerstände in Form von losen Verbindungen oder Klemmen ließen sich als »Hot spots« erkennen, erläuterte Dipl.-Ing. Andrej Kroetz, Brandexperte in Deutschland und den USA. Hieraus sich entwickelnde Betriebsausfälle oder Feuerschäden könnten meist mit geringem Aufwand verhindert werden. Richtlinien zur flächendeckenden Überprüfung elektrischer Licht- und Kraftanlagen in der Industrie würden zur Zeit in einer Kommission der VdS Schadenverhütungs GmbH beraten.

Brandfrüherkennung und »Brandfrühsterkennung« seien aktuelle Themen des 21. Jahrhunderts, urteilte Johann Braeken, von der Notifier Sicherheitssysteme in Hilden. Je eher ein Brand erkannt werde, um so besser stünden die Chancen, mit der Feuerwehr oder einem Löschtrupp den möglichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Neue technische Meldergenerationen aus dem Bereich der Gassensorik ermöglichten eine Früherkennung insbesondere in der EDV und in Reinräumen, aber auch in staubigen Anlagen, z. B. in Kohlekraftwerken und Zentralmülldeponien.

Die Entrauchung von Gebäuden kann für jeden Menschen im Brandfall ein lebenswichtiges Thema werden. Wenn ein Brand entstanden ist, breitet sich der Brandrauch relativ schnell aus. Hierzu habe die Firma Imtech ein modernes Simulationsmodell in Softwareform entwickelt, erläuterte Dipl.-Ing. Holm Klusmann. Es ginge darum, im Brandfall eine für Menschengröße definierte rauchfreie Schicht zu schaffen. Die bestehenden Richtlinien zur Entrauchung (DIN und VdS) seien aber nicht übereinstimmend. Es bestünden rechnerisch hohe Unterschiede für die jeweils notwendige Entrauchungsflächen und die dazu benötigte Zuluftöffnungen, die zum Retten von Menschen erforderlich seien. Gebäude mit moderner Architektur, aber auch Gebäude mit Mischluftzufuhr bzw. Deckenkühlelementen erforderten ganz neue Berechnungsgrundlagen, so Dipl-Ing. Thomas Winkler von Imtech Deutschland. Insbesondere bei Großraumbüros mit Kühldecke bei Neubauten oft Standard könnte bereits ein kleiner Papierkorbbrand eine Rauchfrei-Schicht erschweren bzw. verhindern.

Zur unterirdischen Entrauchung von Straßentunnelanlagen arbeite die Firma Thyssen Krupp Hi Serv an Wirbelhaubensystemen, die so Dipl.-Ing. Frank Lehnhäuser eine nahezu vollständige Absaugung von Brandgasen ermöglichten. Bei Tiefgaragen ginge man einen ähnlichen Weg, erläuterte Dipl.-Ing. Ralf Burkhardt von der Novenco Burkhardt Projekt GmbH. Heute würden bis zu 90 % der unterirdischen Parkhäuser mit Jet-Abluftanlagen im Deckenbereich ausgerüstet. Diese könnten bei einem Fahrzeugbrand die Fluchtwege nahezu rauchfrei halten. »Nach der Installation werden die Jet-Anlagen zunächst getestet und genau einjustiert,« so Burkhardt. Man erzeuge künstlich Rauch, den dann das System probeweise absauge. Eine endgültige Einstellung der einzelnen Ventilatoren müsse deshalb in der fertigen Tiefgarage erfolgen. Einer der Vorteile eines Jet-Ventilationssystems: Auf Sprinkleranalagen und Brandschutztore könne verzichtet werden. Karsten C. Witt von der Witt + Sohn AG, Pinneberg, will jedoch trotz Jet-Ventilatoren auf die Sprinkleranlage nicht verzichten. Bei größeren Tiefgaragen empfahl er entsprechende praktische Tests mit dem automatischen Sprühsystem.

Ein Sicherheitsmanagement beim Bau eines neuen Gebäudekomplexes sei für Planer und Betreiber unerlässlich, betonte Sander. Schon in der Vorplanung eines Gebäude müsse ein Sicherheitsplan entwickelt werden. Optimal sei nach Fertigstellung des Gebäudes der Einsatz von Sicherheitsfachleuten, die schon beim Bau dabei waren. Heißarbeitsscheine während der gesamten Bauzeit und eine Abnahme der elektrischen Licht- und Kraftanlage vor Inbetriebnahme würden vom Gesetzgeber bereits gefordert. Auch brandschutztechnische Einrichtungen seien vor endgültiger Inbetriebnahme des Gebäudes auf Funktion zu prüfen.

Im Jahr 2004 will die VDI-TGA mit einer weiteren Tagung zum Thema Brandschutz Stellung nehmen. Für den Wissenstransfer in der Zwischenzeit verweist die Gesellschaft auf die entsprechenden VDI-Berichte. Auch die VVBR will zu Gunsten eines verbesserten Brandschutzes informieren und aufklären, und zwar im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit.

Von A. K.

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