Sicherheit

Raster mit noch großen Maschen

In ganz Deutschland ist die Rasterfahndung nach mutmaßlichen weiteren Schläfern angelaufen. Doch von einer bundesweit einheitlichen Fahndung kann keine Rede. So differieren schon – je nach Bundesland – Altersgruppen und ausgewählte Länder.

Die Ermittler hoffen, mit der Rasterfahndung weiteren „Schläfern“ auf die Spur zu kommen. Mit dem computergestützten Abgleich von Massendaten suchen sie nicht nach einzelnen, bekannten Personen, sondern nach möglichen Täter-Profilen. Ein solches wurde vom Bundeskriminalamt (BKA) erarbeitet. Einzelheiten dazu wollen die Behörden nicht mitteilen.

Eine mögliche Grundgesamtheit könnte alle jungen arabischen Männer islamischen Glaubens im Alter zwischen 20 und 35 Jahren umfassen, die in der Bundesrepublik naturwissenschaftliche oder technische Fächer studieren. Damit rücken die Datenbanken der Universitäten ins Zentrum des Interesses. Diese werden mit Beständen öffentlicher und privater Stellen maschinell abgeglichen, etwa aus Einwohnermeldeämtern, Ausländerbehörden oder Krankenkassen.

„Der Grunddatenbestand wird abgeglichen mit dem ersten Abgleichdatenbestand, also sozusagen dem ersten Sieb“, erläuterte Andreas Lohmeier vom Hamburger Landeskriminalamt (LKA), der die Rasterfahndung in Hamburg organisiert, kürzlich vor der Wissenschaftspressekonferenz. „Wer durch das erste Sieb durchfällt, fällt in das zweite, also einen Datenbestand von einer anderen Institution, der sich auf ein anderes Merkmal bezieht. Wer da durchfällt, fällt in das dritte Sieb.“ So geht es weiter, bis von einer anfangs „möglicherweise fünfstelligen Zahl von Datensätzen am Ende vielleicht noch eine niedrige dreistellige Zahl“ verbleibt. Der Kreis verdächtiger Personen wird also immer enger gezogen.

Wer übrig bleibt, wird polizeilich überprüft. Dazu gehören nicht nur Befragungen der Betroffenen, sondern auch ihres Umfeldes. Hier sehen Datenschützer eine Schwachstelle: „Ins Raster geratene Unschuldige dürfen dadurch keine Schwierigkeiten in ihrem Lebensumfeld bekommen“, betont Werner Schmidt, Referatsleiter beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz in Bonn.

Dass es die Richtigen trifft, ist eher unwahrscheinlich: Während die Terroristenjäger in den Siebzigern immerhin gezielt nach einzelnen RAF-Mitgliedern suchen konnten, geht es jetzt darum, unbekannte und betont unauffällig lebende Fanatiker aus Millionen Normalbürgern herauszufiltern. Ein klares Täterprofil gibt es offenbar auch nicht: So mag es zwar zutreffen, dass alle Attentäter mehrsprachig, finanziell unabhängig und reisefreudig waren. Doch das trifft auf fast alle arabischen Studenten in Deutschland zu.

Ohne ein Täterprofil, anhand dessen potenzielle Schläfer von Normalbürgern unterschieden werden können, stellen Kritiker die Frage nach dem Sinn der Rasterfahndung. Auch ohne Rasterfahndung könne man feststellen, ob Männer arabischer Herkunft einen Gefahrgutführerschein erworben oder Atomkraftwerke besucht haben. Daten aus den USA fließen ohnehin nur spärlich, klagen Ermittler hinter vorgehaltener Hand.

Die Rasterfahndung bindet zudem Ressourcen: So wurden allein bei der personalschwachen Hamburger Polizei 30 Mitarbeiter in die Sonderkommission beordert. Sie stammen vor allem aus den Dienststellen „Junge Gewalttäter“ und „Schleusung“. Einige Wochen dauerte die inhaltliche Vorbereitung auf die neue Aufgabe: die Bedienung der Datensysteme und die Einführung in den Islamismus. Für die Rasterfahndung wurde ein 400 000 DM teueres Computersystem angeschafft. Hamburg hat dabei den Vorteil, dass die Ermittler nur auf wenige zentrale Stellen zurückgreifen müssen. Dagegen gibt es in manchen Bundesländern über 400 Meldebehörden.

Von einer bundesweit einheitlichen Fahndung kann keine Rede sein: Während in Brandenburg die Daten männlicher Personen im Alter von 18 bis 50 in den Computer wandern, wählten Berlin und Hessen eine Altersgrenze von 40 Jahren und Nordrhein-Westfalen von 31 Jahren. Nicht mal beim Herkunftsland ist eine Systematik erkennbar. In Berlin interessiert man sich für Männer aus 15 arabischen Ländern, die Brandenburger Ermittler rastern Daten von Männern aus 30 Ländern, darunter auch die von Türken und Indern, und in Nordrhein-Westfalen werden alle gerastert, auch Deutsche.

Lohmeier bemüht sich um eine bessere Koordinierung: „Mir ist sehr an einer bundesweiten Abstimmung des Rasters gelegen. Ansonsten können wir mit den Ergebnissen aus den einzelnen Ländern nämlich nicht viel anfangen.“ Was die Erfolgsaussichten der Computersuche angeht, macht sich der Soko-Chef aber keine Illusionen: „Die Rasterfahndung ist kein Wundermittel, um den einen Täter ausfindig zu machen. Die Informationen, die wir bräuchten, sind sowieso nicht abgespeichert.“ So lasse sich die religiöse Motivation nicht in einer Datenbank abfragen.

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