Sicherheit 22.09.2006, 19:23 Uhr

Präventiver Arbeitsschutz spart Milliarden ein  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 9. 06, jul – Betriebliche Sicherheit wird in vielen Unternehmen stiefmütterlich behandelt. Allein durch Arbeitsunfähigkeit wurden die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle hierzulande auf 40 Mrd. € im Jahr 2004 beziffert, Handeln tut also Not. Deswegen kümmern sich in Konzernen wie der Telekom und der BASF inzwischen ganze Abteilungen um den Arbeitsschutz – und das sehr erfolgreich.

Wer Auto fahren kann, kann auch einen Gabelstapler fahren, oder? Ein weit verbreiteter Irrtum. „Gerade in kleineren Firmen“, sagt Ludger Becker von der B.A.D Gesundheitsvorsorge und Sicherheitstechnik GmbH, „fährt schon mal jemand mit dem Gabelstapler durch die Gegend, ohne eine Ausbildung dafür zu haben. Dabei hat ein Gabelstapler einige Besonderheiten, die oft unterschätzt werden.“ Dann können die Folgen gravierend sein: Regalstützen werden umgefahren, Ware wird beschädigt, nicht zu vergessen: Personenschäden.

Deshalb sollen Gabelstaplerfahrer – Routiniers ebenso wie Neulinge – ihre theoretischen und praktischen Fähigkeiten einmal im Jahr auf den neuesten Stand bringen. Der „Berufsgenossenschaftliche Arbeitsmedizinische und Sicherheitstechnische Dienst“ (B.A.D) bietet entsprechende Lehrgänge an.

Den Gabelstaplerführerschein kann man aber auch auf der Messe „Arbeitsschutz aktuell“ machen, die vom 27. bis 29. September 2006 in Karlsruhe stattfindet. Die B.A.D GmbH vermittelt in Kooperation mit dem Gabelstaplerproduzenten Jungheinrich Theorie und Praxis in einem zweieinhalbtägigen Workshop (Kosten pro Person: 150 €).

Es sind mitunter kleine Schritte, die die Arbeit sicherer machen. Für große Visionen und praktische Dienstleistungen für die Wirtschaft ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund zuständig.

In ihrem über 20 Seiten starken, 2005 erschienenen Papier „Strategien für die Arbeitswelt von morgen“ beschreibt die Bundesanstalt Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter als wesentliche Wettbewerbsfaktoren. Schließlich dient eine betriebliche Präventionspolitik nicht nur der Zufriedenheit und Effizienz der Mitarbeiter, sondern entlastet auch die Sozialversicherungssysteme. Für 2004 schätzt die Bundesanstalt die volkswirtschaftlichen Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit auf insgesamt 40 Mrd. €.

Grund genug, sich in Unternehmen mit dem Arbeitsschutzmanagement zu beschäftigen. Ein „nationaler Leitfaden“ für den Aufbau eines entsprechenden Systems existiert seit 2002. „Arbeitsschutzmanagement steht für ein systematisches Organisieren von Sicherheit und Gesundheitsschutz“, ist in einer Broschüre der Bundesanstalt zu lesen, die den Aufbau eines Arbeitsschutzmanagementsystems (AMS) im Aus- und Fortbildungszentrum (AFZ) der E.ON Kraftwerke GmbH in Gelsenkirchen beschreibt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Seit Jahren gibt es laut dem Bericht im AFZ keine meldepflichtigen Arbeitsunfälle mehr.

Im Gesundheits- und Beratungszentrum der Deutschen Telekom agieren Arbeitsschutz-Service, Ärztlicher Dienst und die Sozialberatung unter einem Dach. „Als interne Dienstleister“, sagt Jochen Roos, leitender Sicherheitsingenieur der Telekom AG, „bieten wir unserem Kunden Telekom mit all seinen Konzerneinheiten verzahnte Produkte in den Bereichen Beratung, Prävention und Gefährdungsbeurteilung an. Damit sind wir in der Lage, einer ganzheitlichen Beratung des Menschen an seinem Arbeitsplatz gerecht zu werden.“

Im Bereich Arbeitsschutz sind 30 Sicherheitsingenieure und 100 Fachkräfte für Arbeitssicherheit bundesweit an 74 Standorten organisiert. Arbeitsplätze prüfen, Menschen beraten, Lösungen finden, das sind ihre Aufgaben. „Denn der ergonomisch gestaltete Arbeitsplatz ist die Grundlage für leistungsorientiertes und kreatives Arbeiten,“ betont Roos. „Das gilt für Arbeiten im Kabelschacht genauso wie für moderne Bürokonzepte.“

Um die rund 170 000 Beschäftigten zu erreichen, kommt neben dem „Vor-Ort-Service“ dem Intranet eine wichtige Funktion zu: „Check deinen Arbeitsplatz“ hieß ein Projekt in diesem Jahr, bei dem mittels interaktiver Checkliste u. a. die Positionen von Stuhl und Bildschirm aber auch Werkzeuge überprüft werden konnten.

Auch bei der Unfallquote erreicht die Telekom einen sehr guten Wert: 2005 wurden nur 4,3 Betriebsunfälle pro 1000 Mitarbeiter verzeichnet.

Gerd Rehmer leitet die Arbeitssicherheit der BASF in Ludwigshafen, die eingebunden ist in das „globale Kompetenzzentrum Umwelt, Sicherheit und Energie“. Wie steht es um den Arbeitsschutz im internationalen Vergleich? „In Sachen Arbeitssicherheit“, so Rehmer, „haben wir in Deutschland einen sehr guten Standard, aber wir können durchaus auch von anderen Ländern lernen.“ Die Abteilung für Arbeitssicherheit hat laut Rehmer eine Schnittstellenfunktion: „Arbeiten in einer Produktionsanlage mehrere Werke gemeinsam an einem Projekt, muss sichergestellt sein, dass sich diese nicht gegenseitig gefährden.“

Rund 33 000 BASF-Mitarbeiter sind am Standort Ludwigshafen beschäftigt, hinzu kommen täglich über 5000 Mitarbeiter von Fremdfirmen.

Auch bei der BASF steht die Prävention im Mittelpunkt. Rehmer: „Wir verfolgen ein ehrgeiziges Ziel. Bis 2010 wollen wir die Zahl der Arbeitsunfälle mit Ausfalltagen auf Null senken.“ Die aktuellen Zahlen für die Deutsche Wirtschaft des Hauptverbandes der Berufsgenossenschaften für 2005 verzeichnen durchschnittlich 17,3 meldepflichtige Arbeitsunfälle (Unfälle mit mehr als drei Ausfalltagen) pro 1 Mio. geleisteter Arbeitsstunden. In der Chemieindustrie liegt die Quote bei 9,4, bei BASF bei 1,6.

Die Zahlen zeigen: In Deutschland gibt es durchaus noch Spielraum für effizienteren Arbeitsschutz. Bisher fehlt jedoch eine gemeinsame Strategie. Das soll sich ändern.

Auf dem ersten Deutschen Arbeitsschutzforum in Hamburg wurde Anfang September ein Arbeitspapier vorgestellt, das die Vernetzung der Arbeitsschutzakteure und die Einrichtung einer Nationalen Arbeitsschutzkonferenz vorsieht. KLAUS HEID

Infos: „Arbeitsschutz aktuell“, Fachmesse und Kongress für Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz, Karlsruhe

www.arbeitsschutz-aktuell.info

www.baua.de

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