Arzneimittel

Pflanzenheilmittel bestehen tausendjährigen „Kliniktest“  

VDI nachrichten, Oxford, 21. 9. 07, ber – Drei Jahre ist es her, da öffnete die amerikanische Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration FDA) pflanzlichen Medikamenten die Pforten. Nun kommt mit den pflanzlichen Arzneien allmählich Bewegung in den Markt mit diesen neuen Heilmitteln.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basiert derzeit ein Viertel der gehandelten Pharmaka auf Heilpflanzen. Der Rest wird synthetisch zusammengemixt.

Seit vier Jahren arbeitet Millers Team in Oxford mit amerikanischen und chinesischen Partnern auf einem Terrain, auf dem einst Bayer mit dem aus Weiden gewonnenen Aspirin einen Meilenstein setzte. Seit die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA vor drei Jahren grünes Licht gab für die neue Pharmaklasse der „Botanical Drugs“, der pflanzlichen Medikamente, punkten dort erste Produkte.

Aus Blättern des grünen Tees gewonnenes Flavonoid gegen die Lippenbläschen Herpes ist darunter, dann Lanoxin, ein Herzmedikament, das aus Fingerhut (Digitalis) hergestellt wird, oder Taxol, ein Mittel gegen Krebs aus Rindenextrakten der Eibe.

Phynova will bald nachziehen – gegenwärtig laufen die klinischen Tests von PYN17, einem Medikament gegen Hepatitis B. „Ende des Jahres liegen die Ergebnisse vor, 2008 sollten wir das Patent und das O.K. der FDA für den Marktzutritt in den USA erhalten“, so Geschäftsführer Miller.

Die Wogen schlagen nicht selten hoch, wenn Anhänger westlicher und fernöstlicher Heilmethoden nach Gemeinsamkeiten suchen. Der Westen sei versessen darauf, eine einzigen Krankheitsursache zu finden. „Im fernen Osten hingegen interessiert die ganze Person. Das passt nicht zusammen wie Yin und Yang“, meinte Prof. Kathy Luo vom Department of Chemical Engineering der Hongkong University of Science and Technology (HKUST).

Luo hat allein fünf Botanical-Patente in den USA abgelegt. Wie Miller umgeht sie philosophische Debatten. „Wir setzen auf die vorliegenden jahrhundertealten Kenntnisse und bringen sie mit modernen westlichen Entwicklungstechniken zusammen allein das Ergebnis zählt“, winkt Pragmatiker Miller ab.

Rund 20 Firmen suchten weltweit derzeit effiziente Medikamente gegen Krebs, Osteoporose oder Hepatitis C und erforschten neue Antibiotika sowie Mittel, die das Auftreten altersbedingter Probleme verzögern und das Immunsystem stärken, erklärte Luo.

Bereits in zehn Jahren könnten Pflanzen die Hälfte der im Pharmabereich verwendeten Substanzen liefern, schätzen Luo und Miller. Empfindlich treffen würde dies traditionelle Pharmagruppen wie Novartis, Pfizer, Bayer oder GlaxoSmithKline, die gewohnt sind, nach einem langwierigen Forschungs- und Entwicklungsprozess sowie nach massivem kostenintensieven Werbeaufwand den immensen Investitionsaufwand über hochpreisige Arzneien wieder hereinzuschaufeln.

Unterm Strich bringt das allein in den USA 300 Mrd. $ Umsatz jährlich weltweit betrug er im letzten Jahr 643 Mrd. $. Zum Vergleich: Pflanzliche Heilmittel wurden 2006 mit einem Verkaufswert von nur 4,5 Mrd. $ über Amerikas Ladentisch gereicht.

„Mit dem richtigen Management bleiben die Entwicklungskosten der Botanicals deutlich unter denen der chemischen Produkte“, behauptete Miller: „Das lässt auch jene hoffen, die vor den steigenden Kosten im Gesundheitsbereich warnen.“

Vorausgesetzt, die neuen pflanzlichen Mittel sind ebenso effizient. „Die richtige Dosis ist auch hier entscheidend“, bestätigte Luo. Drei Ziele stünden im Vordergrund: den Krankheitserreger zu attackieren, die Toxizität zu vermindern sowie das Immunsystem allgemein zu stärken.

Dass die FDA die Entwicklung von Botanicals nun forciert, lobte Miller ausdrücklich. Die Zahl der an pflanzlichen Wirkstoffen forschenden Labors wachse weltweit ständig, kommentierte Luo – etwa in Indien mit Zentren wie die Dabur Research Foundation in Uttar Pradesh, Zandu Pharmaceuticals in Mumbai oder die Jadavpur University in Kalkutta. JAN HÖHN/ber

  • Bettina Reckter

    Bettina-Reckter

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Forschung, Biotechnologie, Chemie/Verfahrenstechnik, Lebensmitteltechnologie, Medizintechnik, Umwelt, Reportagen

  • Jan Höhn

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