Gesundheit

„Over-Engineering ist für uns ein Vorteil“  

VDI nachrichten, Bad Homburg, 17. 2. 06, ps – Fresenius Medical Care (FMC) ist der führende Anbieter auf dem weltweiten Dialyse-Markt. Wie will sich das Dax-Unternehmen im internationalen Wettbewerb behaupten? Fragen an Vorstandsmitglied Emanuele Gatti.

Gatti: Nein, der Dialyse-Markt hat ein enormes Wachstumspotenzial. Jährlich steigt die Zahl der Patienten mit Nierenversagen weltweit um 6 %. Denn die Menschen werden immer älter, und die Hauptursachen für Nierenversagen, wie Diabetes und Bluthochdruck, treten immer häufiger auf. Derzeit leiden etwa 1,9 Mio. Menschen weltweit unter chronischem Nierenversagen. Mehr als 75 % von ihnen sind auf eine lebensrettende Dialyse-Behandlung angewiesen. Wir sind Marktführer im Dialyse-Geschäft und wollen diese Position halten.

VDI nachrichten: Für das Therapiesystem 5008 zur Behandlung chronisch nierenkranker Patienten wurde FMC mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet. Was sind die Vorteile des Systems?

Gatti: Das neue Therapiesystem bringt Vorteile für Ärzte, Patienten und Krankenkassen. Die Online-Hämodiafiltrations-Behandlung (HDF) lässt sich damit erstmals auf breiter Basis anwenden. Die Blutreinigung wird verbessert, unerwünschte Nebenwirkungen treten weitaus seltener auf als mit herkömmlichen Dialyse-Geräten. Mehrere klinische Studien haben gezeigt, dass die Lebenserwartung der Dialyse-Patienten durch die HDF-Behandlung steigt.

VDI nachrichten: Dialyse-Geräte verbrauchen oft sehr viel Wasser und Strom. Wie haben Sie das Problem beim 5008-System in den Griff bekommen?

Gatti: Das neue Gerät verbraucht etwa 30 % weniger Strom und Wasser. Außerdem sind die Verbrauchsmaterialen, wie z. B. das Dialysatkonzentrat oder der Dialysator, leichter und kleiner als herkömmliche Produkte und sorgen so für weniger Transport-, Lager-, und Abfallkosten. Dadurch spart das Dialyse-Gerät Betriebskosten und trägt zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen bei.

VDI nachrichten: Welchen Marktanteil visieren Sie mit dem neuen Gerät an?

Gatti: Mit dem bisherigen System 4008 haben wir einen Marktanteil von 40 % bis 45 % in Europa erreicht. Diesen Anteil wollen wir dank des neuen Systems 5008 in den nächsten drei bis vier Jahren auf 50 % steigern.

VDI nachrichten: Wo wurde das System entwickelt, und wo wird es produziert?

Gatti: In Deutschland – an den Standorten Schweinfurt, Bad Homburg und St. Wendel. Die dort angesiedelten verschiedenen Abteilungen aus den Bereichen künstliche Niere, Geräte und Systementwicklung arbeiteten bei der Planung des neuen Geräts Hand in Hand. Deutschland war für uns der beste und günstigste Standort, um ein solches System zu entwickeln und herzustellen.

VDI nachrichten: Sie reden in der Vergangenheit. Ist Deutschland nicht mehr der ideale Standort?

Gatti: Deutschland ist nach wie vor ein bevorzugter Standort, um Innovationen zu entwickeln. Allerdings wird es für uns zunehmend schwieriger, junge und gut ausgebildete Ingenieure auf dem Markt zu finden.

VDI nachrichten: Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich als Standort für Hightech-Innovationen?

Gatti: In der Medizintechnik steht Deutschland sehr gut da, denn hier gibt es Over-Engineering. Was in anderen Branchen ein Nachteil ist, ist für uns ein Vorteil. Perfektion und Sicherheit haben für uns Priorität. Mit über zehn Jahren haben die Dialyse-Geräte einen sehr langen Produktlebenszyklus. Da muss man sehr konservativ planen können.

VDI nachrichten: An welchen Innovationen arbeiten Sie für die Zukunft? Wie sieht die nächste Generation der Dialyse-Geräte aus?

Gatti: Möglicherweise ist die nächste Generation in zehn Jahren eine tragbare künstliche Niere.

VDI nachrichten: Die Behandlung von Nierenkranken lässt man sich in den hoch industrialisierten Ländern einiges kosten. In den Entwicklungsländern fehlt dagegen das Geld für teure Medizingeräte. Was tun Sie, um auch Patienten in ärmeren Ländern zu helfen?

Gatti: Die Qualität zu gewährleisten, von der das Leben des Patienten abhängt, und gleichzeitig Therapiekonzepte so abzustimmen, dass sie in Südamerika und Afrika bezahlbar sind, ist eine der großen Herausforderungen für uns.

VDI nachrichten: Mit der Renal Care Group haben Sie einen großen Zukauf in den USA getätigt. Was bringt der Deal?

Gatti: Der Deal stärkt unsere Position in den USA. Künftig werden wir dort einen Marktanteil von 35 %, gemessen an den behandelten Patienten, haben. Hinzu kommen zahlreiche Synergien. Die Dialyse-Klinik-Netze der Renal Care Group und von FMC ergänzen sich, es gibt relativ wenig Überlappungen. Die Fusion mit der Renal Care Group führt zu jährlichen Kosteneinsparungen von bis zu 45 Mio. $ ab 2007.

VDI nachrichten: In den USA dominiert FMC den Markt, in Europa sind Sie Marktführer. Welche weiteren Absatzmärkte haben Sie im Visier?

Gatti: In den USA ist der Kuchen verteilt. Weitere große Akquisitionen sind dort nicht mehr möglich. Wir schauen daher nach Akquisitionsmöglichkeiten in Osteuropa, China, Lateinamerika und Asien. Russland zum Beispiel hat langfristig noch ein enormes Wachstumspotenzial für die Zukunft.

VDI nachrichten: Wie stark sind Sie von Reformen im deutschen Gesundheitswesen abhängig?

Gatti: Im internationalen Umfeld gibt es viele Länder, die vor ähnlichen Herausforderungen im Gesundheitswesen stehen wie Deutschland. Wir sehen in diesen Reformen die Herausforderung, unseren Kunden Therapiesysteme anzubieten, die die Gesamtkosten der Behandlung optimieren. Mit dem 5008 System sind wir damit einen entscheidenden Schritt weitergekommen.

VDI nachrichten: Als Tochter von Fresenius notieren Sie im Dax. Ihre Konzernmutter rangiert nur im MDax. Ist die Mutter da nicht ein bisschen neidisch?

Gatti: Ach nein, sie freut sich mit uns über unsere guten Ergebnisse.

VDI nachrichten: Die Aktie hat sich in der Vergangenheit glänzend entwickelt. Trotzdem weiß kaum einer, was hinter FMC steckt. Wie wollen Sie die Aktie und das Unternehmen noch bekannter machen?

Gatti: Die Profi-Anleger wissen, was wir machen. Um künftig die Aktienstruktur aber auch für den Privatanleger noch attraktiver zu machen, führen wir die Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien durch. Dadurch wird der Streubesitz in einer Aktiengattung ausgeweitet. Im Gesundheitssystem kann man nur langfristig denken. Deshalb brauchen wir stabile Investoren.

NOTKER BLECHNER

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