Arzneimittel

Online aus dem Irrgarten

Mit einem neuen Portal bilden sich Ärzte vom Wohnzimmer aus fort.

Der Großmutter ging es schlecht. Immer wenn ihr Enkel sie besuchte, klagte sie über Herzstolpern, Unwohlsein und Schwächeanfälle. Und das, obwohl sie jeden Tag viele bunte Pillen schluckte. Eines Tages schaute der Enkel wieder vorbei und staunte: Die Großmutter war putzmunter, von Beschwerden keine Spur. „Hat dein Arzt dir neue Tabletten verschrieben?“, fragte der Enkel? „Nein, ich gehe nicht mehr zu ihm“, antwortete sie. „Er ist gestorben!“
Kann man seinem Arzt vertrauen? Warum kommen immer mehr Medikamente in Verruf? Um Aus- und Fortbildung deutscher Ärzte ist es schlecht bestellt. Die häufigste Ursache der durch Nebenwirkungen verursachten Todesfälle ist, da sind sich Experten einig, eine falsche Dosierung. „Über die Hälfte der Nebenwirkungen könnten vermieden und die Todesfälle um mehr als 50 % gesenkt werden, wenn das vorhandene Wissen richtig angewandt würde“, sagt Prof. Jürgen C. Fröhlich, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Einen Weg aus dem Verschreibungs-Irrgarten könnte das Internet weisen. Mit dem Fortbildungsportal www.
medical-web.tv ging das Unternehmen Eumecom der Glaxo-SmithKline-Gruppe jetzt offiziell an den Start. Das Portal für medizinische Berufe verknüpft die klassische ärztliche Fortbildung mit den neuen technischen Möglichkeiten des Internets. Christian Kahnes, Leiter des Projekts, nennt die Vorteile: „Die Ärzte können Fortbildungsmodule am eigenen PC und nach Ende des täglichen Praxisbetriebes abrufen.“
Medical-web.tv offeriert 30-minütige Online-Module zu verschiedenen Indikationsgebieten sowie Berichte von Kongressen auf der ganzen Welt.
Wie miserabel die Ausbildung deutscher Ärzte ist, zeigte eine Erhebung am Institut für Klinische Pharmakologie der Hochschule Hannover vom vergangenen Jahr. An 160 Ärzte, die im Schnitt seit drei Jahren in der Inneren Medizin tätig waren, wurden Fragebogen verteilt. Gefragt wurde nach der Anfangsdosierung der 17 am häufigsten im Krankenhaus eingesetzten Medikamente. Als Musterpatient diente ein 46-Jähriger, 65 Kilo schwer, mit normaler Nieren- und Leberfunktion. „Eigentlich ein Kinderspiel, die jeweilige Dosierung richtig zu benennen“, sagt Institutsdirektor Frölich, „das A vom ABC“. Doch nur die Hälfte aller Antworten war richtig. „15 % der Ärzte hatten grotesk zu niedrig dosiert, 5 % viel zu hoch. 32 % der Fragen wurden nicht beantwortet.
Neben Wirkungsweise und Verträglichkeit von Medikamenten können Ärzte auf dem neuen Portal auch Diagnostik und Therapie verschiedener Krankheitsbilder wie etwa Asthma oder Epilepsie abrufen. Namhafte Referenten bereiten die aktuellen medizinischen Informationen mit Filmeinspielungen, Charts und Computeranimationen auf. Gegenseitiger Informationstransfer soll möglich sein. Außerdem stehen Chart-Präsentationen und Texte zum Download zur Verfügung. Bei Live-Streamings können die Ärzte per Mail Fragen stellen. Literaturhinweise und Links verweisen auf entsprechende Forschungsprojekte.
Das E-Learning-Portal basiert auf der Streaming-Media-Technologie, mit der der Telekommunikations-Dienstleister T-Systems die Ton- und Bildsignale zunächst digitalisiert, um sie dann auf eigene hochleistungsfähige Audio- und Video-Server zu übertragen. Von dort können die Daten mittels entsprechender Software übers Internet abgerufen werden.
„Die Infrastruktur zur Verteilung der Inhalte liefert das Telekom Broadcast Network (TBN). Dahinter verbirgt sich die größte Streaming-Media-Infrastruktur in Europa“, erklärt Hartmut Bruns, verantwortlich für die Streaming Media Services bei T-Systems. Den Kern der Plattform bildet ein Verbund von Hochleistungsrechnern.
Ob und wie umfassend sich Ärzte auf freiwilliger Basis fortbilden, belegt ein Punktesystem, anhand dessen die Landesärztekammern Fortbildungszertifikate und -diplome vergeben. Die Teilnehmer können ihren Lernerfolg mit Hilfe eines Multiple-Choice-Online-Fragebogens kontrollieren. Für jeden ausgefüllten Fragebogen mit mehr als 70 % korrekten Antworten bekommen die Ärzte Fortbildungspunkte von den Ärztekammern.
Das Punktesystem ähnelt dem so genannten „Ärzte-Tüv“, den beispielsweise Hessen im letzten Jahr eingeführt hat. Hier sammeln Ärzte Punkte in Kursen der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Landesärztekammer. Wie beim Auto-Tüv gibt es eine Plakette, vorausgesetzt, der Arzt hat 150 Punkte gesammelt. Nachteil: Um die Punkte zusammenzubringen, muss er Freizeit und Geld investieren.
Die Fortbildung übers Internet kostet den Arzt nichts. Das Portal finanziert Glaxo-SmithKline aus dem Budget für Arzneimittelvertrieb. „Die Hälfte der jährlichen Fortbildung können die Ärzte über das Internet einholen“, sagt Dr. Thomas Lichte, niedergelassener Arzt und Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen. Er fordert: „Budgetsteigerungen nur für die Ärzte, die sich nachweislich fortgebildet haben.“
Lichte macht sich für die inhaltliche Unabhängigkeit des E-Learning-Portals www.medical-web.tv von der Konzernmutter Glaxo-SmithKline stark. Wichtig sei, dass das Portal weiterhin neutral und ausgewogen informiere. WERNER BRUCKNER/
ELKE BODDERAS

 

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