Gesundheit

„Nur gesunde Mitarbeiter fühlen sich in ihrem Job wohl“

Zumindest in Irland ist seit Ende März das Rauchen am Arbeitsplatz verboten. Ein zaghaftes Pflänzchen im betrieblichen Gesundheitsschutz beginnt zu wachsen. Auf europäischer Ebene will nun David Byrne, der Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, den Druck auf die europäischen Unternehmen verstärken.

Eigentlich müssten die Ergebnisse der Volkswagen AG Mut machen: Dank ihres Programms zum Gesundheitsmanagement konnte die Zahl der Arbeitsunfälle binnen zehn Jahren um fast ein Viertel gesenkt werden. Die Ausfallzeiten allein bei 25 alkoholkranken Mitarbeitern fielen dank spezieller Therapiemaßnahmen in einem Jahr von 1420 auf 351 Tage. Eine Halbierung der Fehlzeiten erreichte das Unternehmen bei Mitarbeitern, die aus medizinischen Gründen von der Schichtarbeit befreit wurden, während ein spezielles Rehabilitationsprogramm die Gesundheitsrate der beteiligten Mitarbeiter von 68,1 % auf 91,8 % verbesserte.

Fakt ist: Wo immer Firmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, stoßen sie auf rege Anteilnahme ihrer Mitarbeiter. Egal ob Fitnessraum, Massageangebote, Stressseminare oder Ernährungsberatung, das Interesse der Belegschaft ist groß. Allein die Motivation der Firmen scheint diesem Bedarf weiter hinterherzuhinken. So sehen Experten den aktuellen Krankenstand auf Rekordtief auch eher in der Angst vieler Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz begründet. „Die Versprechen rund um betriebsinternes Gesundheitsmanagement sind oft größer als das, was dann vor Ort wirklich eingelöst wird“, bedauerte Willi Buschak während der Konferenz des „European Network for Workplace Health Promotion“ (ENWHP) Anfang der Woche in Dublin. Dieses Netzwerk, zu dem auch Buschaks irische Organisation zählt, will die Zurückhaltung der Firmen vor allem mit Erfolgsmeldungen aus europäischen Vorreiterfirmen überwinden.

Dabei geht es wie so oft um die Frage der Kosten. Unbestritten ist, dass jeder Krankenschein die Arbeitgeber teuer zu stehen kommt. „Rund 600 Mio. Arbeitsstunden gehen den EU-Staaten jährlich allein durch arbeitsbedingte Krankmeldungen verloren“, so David Byrne. Die Unternehmen müssten endlich Verantwortung übernehmen und einsehen, dass Arbeit die Leute zu oft krank mache, betonte der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz in Dublin. Dabei lasse sich durch ein aktives Gesundheitsmanagement im Betrieb genau das Gegenteil erreichen: „Gesunde Mitarbeiter, die sich in ihrem Job wohlfühlen.“

Unbestritten herrscht an Ideen für einen gesünderen Arbeitsplatz kein Mangel. Das bekam vor einiger Zeit auch das österreichische Bildungsinstitut Pro Mente in Linz zu spüren. Dort wurde in Anlehnung an Qualitätszirkel ein Gesundheitszirkel eingeführt. Hier hatten Mitarbeiter in mehreren Meetings zusammen mit Beratern, Managern und Betriebsrat die Möglichkeit, gesundheitsfördernde Ideen mitzuentwickeln. Innerhalb kurzer Zeit lagen über 1000 Vorschläge auf dem Tisch. Mit soviel Engagement hatte niemand gerechnet. Auch die Siemens AG Power Generation (KWU) in Mülheim hat mit den neuartigen Gesundheitszirkeln bereits gute Erfahrungen gemacht. Denn die Arbeitszufriedenheit bedingt durch solche Zirkel steigt nach Angaben des soeben veröffentlichten ENWHP-Reports um bis zu 80 %.

Angesichts solcher Erfolge wird schnell klar, dass Maßnahmen zur Gesundheitsförderung im Betrieb nicht teuer sein müssen. Zwar füllt der Maßnahmenkatalog des schweizerischen Versicherungskonzerns Swiss Re stolze 24 Seiten und reicht von drei eigenen Fitnessstudios über gemeinsame Skiwochenenden bis hin zu einer privaten Krankenversicherung für alle Mitarbeiter. Doch kann auch ein kleinerer Betrieb Stress und Konflikten vorbeugen, indem er etwa seine Mitarbeiter bei der Organisation von Arbeitsabläufen und -zeiten selbst bestimmen lässt. Bei der Eisengießerei M. Busch GmbH im sauerländischen Bestwig sorgt allein ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung der Mitarbeiter über altersbedingte Probleme für wertvolle Ansatzpunkte zugunsten gesünderer Arbeitsabläufe. Der jüngste ENWHP-Report unternimmt sogar den Versuch, den Nachweis der Produktivität von Gesundheitsausgaben im Unternehmen zu erbringen.

Die Sache hat nur einen Haken: Die Unternehmen brauchen einen langen Atem, um die Erfolge ihres neu installierten Gesundheitsmanagements auch in ihren Bilanzen ablesen zu können. Zeit, die angesichts der vorherrschenden Kostensparprogramme nicht vorhanden ist. „Es ist heutzutage schwer, mit langfristigen Erfolgspotenzialen zu argumentieren“, sagt Wolf Kirsten, Berater für internationales Health Management aus Berlin. Trotz aller Bemühungen fehlten seiner Ansicht nach noch genügend Vorbilder, die andere zum Nachmachen animieren. „Es gibt einfach zu wenige Firmen in Deutschland, die mit einem umfassenden Gesundheitsmanagement andere mitreißen“, so Kirsten. Außerdem vermisst er hierzulande entsprechendes Datenmaterial, das in den USA zuhauf Argumente für rasches Handeln liefert. Viele seiner Kunden sind vorsichtig und bestellen beim ihm zunächst Vergleichsdaten der Konkurrenz, bevor sie sich dann nur für einzelne Maßnahmen wie Rückenschule oder Fitnessraum entscheiden.

Beim Thema rauchfreies Arbeiten haben inzwischen Europas Politiker die Initiative übernommen. Seit März ist in Irlands Büros Rauchen verboten. Norwegen und Schweden haben bereits nachgezogen. Eins haben deutsche Gesundheitspolitiker mit vielen hiesigen Managern gemein: Beide Gruppen warten beim Thema „gesundes Arbeitsklima“ lieber noch ab.

Mitarbeiter verbessern ihre Arbeitsplätze
Beim Gas-Transport-Unternehmen Fluxys aus Brüssel haben die Mitarbeiter selbstständig Risikoprofile ihrer Arbeitsplätze erstellt und Schutzmaßnahmen entwickelt. Dadurch sank die Zahl der Arbeitsunfälle innerhalb von fünf Jahren um 50 %. Solche Unternehmens-Beispiele im Bereich Gesundheits-Management finden sich in der soeben veröffentlichten ENWHP-Toolbox, die Firmen zum Nachmachen animieren soll und als Broschüre/CD-ROM erhältlich ist.

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