Sicherheit

Notfallplanung hat sich in London bewährt  

VDI nachrichten, London, 15. 7. 05 – Von mehreren Unternehmen in der Londoner City war nach dem Bombenanschlag zu hören, dass man noch vor wenigen Jahren gar nicht auf den Gedanken gekommen wäre, für Hotels und Transportgelegenheiten der Mitarbeiter zu sorgen. Erst im Zuge der „Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen von Terroranschlägen“ sei man sich schließlich bewusst geworden, dass auch dies zur Verantwortlichkeit eines Arbeitgebers zähle.

London verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Umgang mit Terror. Bei den Anschlägen vom 7. Juli kam dieser Erfahrungsschatz sowie das seit drei Jahren eingeführte zusätzliche Notfall-Training Opfern und Betroffenen in ganz bemerkenswertem Maße zugute.

Das nach dem 11. September 2001 drastisch verschärfte einschlägige Trainingsprogramm führte dazu, dass Polizei, medizinische Versorgung und vieles andere mehr fast „wie im Bilderbuch“ funktionierten. Und genau das gilt auch für die Vorkehrungen, die die Finanzmarktunternehmen für einen solchen Fall getroffen hatten.

Etwa 80 % dieser Unternehmen in der Londoner City verfügen über einen ausgefeilten Notfall-Plan. Die größeren Banken, Versicherungen und Wertpapierhäuser hatten allein 2004 im Mittel jeweils mehr als eine Million Pfund (1,45 Mio. €) für Maßnahmen zum Schutz vor Terror ausgegeben. Und genau all das hat sich gelohnt.

Von den mehr als 3000 Großunternehmen in London, die Verträge mit Spezialfirmen eingegangen waren, um den Computerbetrieb im Notfall auslagern und fortführen zu können, sahen sich am 7. Juli nur rund 100 veranlasst, die Spezialisten vorzuwarnen. Und am Schluss waren es weniger als zehn, die tatsächlich deren Hilfe in Anspruch nehmen mussten. In all diesen Fällen handelte es sich um Finanzmarktfirmen, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Anschlag-Plätzen angesiedelt sind.

Die UBS evakuierte ihr Hochhaus unmittelbar an der Liverpool-Street-Station – der Trading Room arbeitete aber weiter. Clearnet musste wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum U-Bahnhof Aldgate ebenfalls evakuieren. Ähnliches tat auch eine große Versicherung.

Entsprechend der Aufforderung der Polizei bemühten sich die allermeisten Finanzmarktunternehmen darum, ihre Mitarbeiter zunächst einmal am Arbeitsplatz zu halten. Das ging soweit, dass vielerorts kurzerhand die Türen der Bürohäuser zugeschlossen wurden.

Martin Gilbert, der CEO von Aberdeeen Asset Management, das gerade im Begriff ist, das Fund Management-Geschäft der Deutschen Bank zu kaufen, musste sogar handgreiflich werden, um das Gebäude der Deutschen Bank schließlich verlassen zu können.

Die britische Finanzmarktaufsicht, die FSA, stand in entsprechender Telefonkonferenzschaltung lange Zeit mit den Banken in direkter Verbindung, um sich zu vergewissern, dass das Marktgeschehen weiterlief. Genau das war der Fall. Allerdings lief vieles langsamer als normal, wie auch die Londoner Aktienbörse, die LSE, berichtete.

Während normalerweise die Bestätigung der Deals der Londoner Aktienbörse unmittelbar folgt, dauerte es am 7. Juli im Regelfalle wenigstens zehn Sekunden, manches Mal bis zu 45 Sekunden. Einige Makler mussten sogar wie in alten Zeiten zum Telefon greifen, um Deals bestätigt zu bekommen.

Die Londoner Metallbörse, die LME, stellte am 7. Juli temporär ihr Präsenzgeschäft ein und beschränkte sich auf das elektronische Börsengeschäft.

Insgesamt aber waren die Finanzmarktaufsicht, die Bank von England, das Schatzamt und die Unternehmen zufrieden, wie alles funktionierte.

Zu den Ausfällen zählten immer wieder die Mobiltelefone. Das Telefon-Festnetz aber funktionierte. Entsprechend lang waren die Warteschlangen an allen Festnetz-Telefonen.

Da am 7. Juli fast das ganze Londoner Verkehrsnetz, Busse, U-Bahnen und Züge, stillgelegt werden musste, begannen sich die Finanzmarktunternehmen schon früh um ihre Mitarbeiter Gedanken zu machen.

Barclays Bank wich aufs Wasser aus, um mit Schiffen die Mitarbeiter aus der Canary-Wharf-Zentrale über die Themse abzutransportieren. Die meisten Mitarbeiter stiegen dann auf Busse um, die sie zu weiter entfernten Bahnhöfen brachten, von denen weiterhin Züge fuhren.

Soweit Mitarbeiter mit Autos zur Arbeit gekommen waren, wurden sie veranlasst am Abend Kollegen mitzunehmen. Andere wurden gebeten, Kollegen zu Hause unterzubringen.

Viele Banken bemühten sich schon früh darum, Hotelzimmer für Führungskräfte und jene, für die es keine Möglichkeit gab, nach Hause zu kommen, zu beschaffen.

Zugleich entschieden die meisten Institute, ihre Mitarbeiter soweit wie möglich am Folgetag, einem Freitag, von zu Hause aus arbeiten zu lassen.

Von mehreren Unternehmen war zu hören, dass man noch vor wenigen Jahren gar nicht auf den Gedanken gekommen wäre, all diese Entscheidungen im Blick auf die Mitarbeiter zu treffen. Erst im Zuge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Folgen von Terroranschlägen sei man sich schließlich bewusst geworden, dass dies zur Verantwortlichkeit eines Arbeitgebers zähle.

Mit welcher Gemütsruhe die überwältigende Mehrzahl der Mitarbeiter die Ereignisse aufnahm, lässt sich daraus ablesen, dass ein großes Herrenhemdengeschäft im Bankenzentrum Canary Wharf schon kurz nach den Anschlägen ein überaus lebhaftes Geschäft verzeichnete. Viele jener, deren Hemden bei der Evakuierung aus U-Bahn-Stationen verschmutzt worden waren, kauften sich in Seelenruhe ein neues Hemd, ehe sie sich an den Arbeitsplatz begaben. PETER ODRICH

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