Sicherheit

Noch lauert die Gefahr terroristischer Anschläge  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 3. 6. 05, moc – Nach den Attentaten in New York und Madrid hat sich auch für Europa die Sicherheitslage geändert. Über die Herausforderungen an die europäische Industrie und Politik sprachen die VDI nachrichten mit Markus Hellenthal, Senior Vice President – Homeland Security der European Aeronautics Defence and Space Company.

Hellenthal: Die Zahl der Anschläge in den letzten Jahren hat sich nicht signifikant erhöht, aber die Zahl der Opfer und die Höhe der Schäden. Spätestens seit dem 11. 9. und 11. 3. sind der Fantasie kaum noch Grenzen gesetzt. In der Realität bleibt es dennoch schwierig für die Täter, ihre abstrusen terroristischen Ideen umzusetzen

VDI nachrichten: Wo liegen in Europa die Defizite im Kampf gegen den Terror? Stimmen die Konzepte und reichen die bereitgestellten Mittel?

Hellenthal: Wenn man von den grauenvollen Anschlägen in Madrid absieht, ist die Sicherheitslage in der Europäischen Union nicht alarmierend. Allerdings deuten Informationen der Sicherheitsbehörden darauf hin, dass die Gefahr terroristischer Anschläge gerade auch in Europa keineswegs gebannt ist. Umso kritischer ist es, dass wir bei den Themen Ausrüstung und gesamteuropäische Konzepte weiterhin einige Defizite feststellen müssen.

VDI nachrichten: Wo liegen diese Defizite?

Hellenthal: Sie reichen von nicht vorhandenen, interoperablen digitalen Kommunikationsnetzen über Auswertungssoftware bis hin zu unterschiedlichen Rechtsprinzipien, die sich Täter weiterhin zu Nutze machen können. Die Aktivitäten der Europäischen Union auf den Feldern European Border Agency und European Security Advisory Board zeigen zwar in die richtige Richtung, noch sind aber wesentliche Budgetfragen und Umsetzungsfragen ungeklärt.

VDI nachrichten: Wo muss ein leistungsfähiges europäisches Programm ansetzen?

Hellenthal: Ein europäisches Homeland-Security (HLS)-Rahmenprogramm baut zunächst auf der Erkenntnis auf, dass es einen einheitlichen kriminalgeographischen Raum Europa gibt, der darüber hinaus das Ziel globaler Angriffe sein kann, seien es Terroranschläge oder Organisierte Kriminalität. Diese Erkenntnis sollte zu einer einheitlichen, ständig aktualisierten Beurteilung von Gefährdungslagen führen, auf das hin ein abgestimmtes, und ebenso ständig aktualisiertes Präventions- und Interventionsprogramm geplant und umgesetzt werden kann.

VDI nachrichten: Wo muss so ein Präventions- und Interventionsprogramm ansetzen?

Hellenthal: Es muss an den für unsere europäischen Gesellschaften besonders neuralgischen Punkten ansetzen: An den Land-, See- und Luftgrenzen, an kritischen Infrastrukturen – insbesondere den stark gefährdeten Verkehrs- und Versorgungsnetzen. Dazu kommen große Massenveranstaltungen wie Olympiaden und Fußballweltmeisterschaften, um nur die wichtigsten zu nennen.

VDI nachrichten: Bisher läuft das alles doch eher in nationaler Regie.

Hellenthal: Vieles davon ist im Rahmen nationaler und europäischer Aktivitäten seit dem 11. September bzw. 11. März schon angedacht oder auf den Weg gebracht. Allerdings müssen wir uns in Europa noch deutlich stärker organisieren und auch die enormen Chancen durch neue Technologien wesentlich mehr nutzen, um trotz zunehmender globaler Bedrohungen objektive wie subjektive Sicherheit in Europa ebenso zu gewährleisten wie Freiheit und Menschenwürde. Gerade im Bereich der Nutzung industrieller Erfahrungen und des Einsatzes neuer Technologien liegen wir im Vergleich z. B. zu den USA weit zurück.

VDI nachrichten: Bedingt ein europäisches Homeland-Security-Programm vergleichbare nationale Programme?

Hellenthal: Es ist evident, dass ein Land alleine im globalen Kampf gegen Terrorismus und Organisierte Kriminalität wenig bewirken kann. Die Idee, ein europäisches HLS-Programm als Master Programm top-down zu entwickeln und einzuführen, ist folglich notwendig, wenn auch noch nicht hinreichend. Wir müssen darüber hinaus die nationalen Aspekte und die unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigen. Daher sollte ein Europäisches Rahmenprogramm erstellt werden, in dem die verschiedenen europaweiten wie globalen Anforderungen zur Bewältigung dieser globalen Herausforderungen durch Terror und Organisierte Kriminalität definiert werden. Darauf aufbauend kann dann jedes Land seine etwaigen zusätzlichen Anforderungen definieren und entsprechend seinen nationalen Erfordernissen umsetzen.

VDI nachrichten: Welche Technologien stehen bereit?

Hellenthal: Wir bei EADS können auf eine große Auswahl spezifischer HLS-Technolgien als auch aus dem militärischen Bereich stammende Lösungen zurückgreifen. Dies ist ein deutliches Plus der EADS mit ihrer langen Erfahrung, mit Kompetenzen in beiden Bereichen. Hier spreche ich von Überwachungstechnik und -elektronik wie Sensorik bis hin zu hoch komplexer Datenauswertungssoftware und intelligenten Entscheidungsunterstützungssystemen. Nicht zu vergessen die zwingend notwendige Kompetenz als Systemintegrator zur Verknüpfung der einzelnen Plattformen und Systeme zu einem aufgaben- und zielorientierten, integrierten Systemverbund mit einem Industriepartner, der über hohe Erfahrungen in der weltweiten Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden verfügt.

VDI nachrichten: Europa, aber auch den europäischen Ländern, fehlt das Geld. Deshalb wird es weder national noch europäisch möglich sein, sämtliche Technologien parallel zu entwickeln, um das breite Spektrum aller sicherheitsrelevanten Bereiche – vom Schutz der Grenzen bis hin zur Sicherheit im Netz – abzudecken. Welche Technologien sollten vorrangig entwickelt werden?

Hellenthal: In erster Linie sind hier Maßnahmen zur nahtlosen Kommunikation und Zusammenarbeit in Echtzeit zu nennen, die eine effektive Sicherheitsleistung erst ermöglichen. Dies sind Systeme für digitale Mobilfunksysteme, die den besonderen Anforderungen der Sicherheitsbehörden genügen, sowie intelligente Daten- und Informationsverarbeitungs- bzw. Analysefähigkeiten, die unterschiedlichste Sensoren sowie Führungsfähigkeiten für Sicherheitskräfte nahtlos miteinander verbinden. Besondere Relevanz haben dabei moderne, biometriegestützte Identitätsmanagementsysteme sowie Detektoren für nukleare, chemische und biologische Stoffe.

VDI nachrichten: Steigt die EADS auch in andere Märkte als den europäischen Homeland-Security-Markt ein?

Hellenthal: Wir haben unser Angebot für den globalen Markt entwickelt, konzentrieren uns jedoch selbstverständlich auf die spezifischen Anforderungen unserer Kunden, um jeweils ein maßgeschneidertes Angebot abgeben bzw. Leistungspaket liefern zu können. Damit ist die EADS grundsätzlich weltweit tätig.

VDI nachrichten: Wie hoch sind die Forschungsaufwendungen innerhalb der EADS für die Entwicklung neuer Technologien im Homeland-Security-Bereich?

Hellenthal: EADS verfügt über ein signifikantes Forschungsbudget das sowohl zentral als auch in den verschiedenen Divisionen verantwortet wird. Es reicht von Untersuchungen zur Verbesserung der Sicherheit in Flugzeugkabinen bis hin zu neuen Bildverarbeitungssystemen, um die Sicherheit von Zugangskontrollen zu sensiblen Gebäuden zu steigern und Missbrauchversuche abzuwehren. Zusätzlich engagiert sich EADS führend und mit großem Engagement in externen Forschungsprogrammen zum Thema Sicherheit, u. a. im Security Advisory Board der Europäischen Kommission, dem ich auf Empfehlung der Bundesregierung angehöre. Hier setzen wir auf eine europaweite Zusammenarbeit über Industrie- und Staatsgrenzen hinweg, um neue Sicherheitstechnologien und Sicherheitsprozesse zu entwickeln, die sowohl unsere objektive und subjektive Sicherheit in Europa als auch unsere Exportchancen gegenüber den USA deutlich verbessern helfen.

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