Gesundheit

Neues Bündnis will Gesundheitskarte verhindern  

Stoppt die E-Card“ zusammengeschlossen. Es möchte die Einführung der neuen Gesundheitskarte verhindern. Zum Auftakt wurde kräftig Stimmung gemacht.

Zu den Mitgliedern des neu gegründeten Bündnisses zählen einerseits Ärzteverbände wie die „Freie Ärzteschaft“ oder der NAV-Virchow-Bund, der rund 20 000 niedergelassene Ärzte repräsentiert. Andererseits haben sich die deutsche Sektion der „Internationalen Ärzte gegen die Atomkraft“ (IPPNW), die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP) sowie einige weitere Patientenvertreter dem Protest angeschlossen. Ebenfalls mit dabei sind der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und der Chaos Computer Club.

„Wir fordern einen sofortigen Stopp des Projekts“, erklärte Dr. Martin Grauduszus von der Freien Ärzteschaft, einer der Sprecher des Bündnisses. „Wir sind es leid, für Prestigeprojekte von Politikern die Industrie mit Geld zu füttern.“

Grauduszus kündigte an, dass Ärzte aus den im Bündnis vertretenen Verbänden ihre Patienten über Boykottmöglichkeiten aufklären werden. So bestehe die Möglichkeit, die Einsendung des Passbilds zu verweigern, das die Krankenkassen für die Erstellung der neuen Karte brauchen. Aber: „Wir wollen nicht zum Boykott aufrufen, sondern lediglich informieren“, so Grauduszus.

Im Detail sehen die Kartenkritiker Sicherheitsprobleme bei der elektronischen Gesundheitskarte: „Die Karte ebnet den Weg zu zentralen Mega-Servern mit Patientendaten“, betonte Dr. Klaus Bittmann vom NAV-Virchow-Bund. Dadurch werde dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Ein zweiter Einwand gegen die neue Karte bezieht sich auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis: „Wir brauchen keine zentrale Kommunikationsinfrastruktur im Gesundheitswesen“, sagte die Hamburger Allgemeinärztin Dr. Silke Lüder vom IPPNW. Sie sieht Entwicklungskosten von insgesamt bis zu 10 Mrd. €. Die angestrebte Verbesserung der Kommunikation zwischen den medizinischen Leistungserbringern sei auf anderem Wege sehr viel billiger zu haben, etwa mit Hilfe von USB-Sticks, auf denen auch digitale Röntgenbilder problemlos Platz hätten.

Der Protest gegen die Gesundheitskarte kommt zu einem für die Befürworter des Projekts kritischen Zeitpunkt: Auf Druck des Bundesgesundheitsministeriums hatte die Betreiberorganisation von Ärzten und Krankenkassen (Gematik) im vergangenen Jahres angekündigt, dass im zweiten Quartal 2008 der nationale Rollout der neuen Chipkarten beginnen soll.

Der Termin wird nicht zu halten sein, in jedem Fall aber halten mehrere große deutsche Krankenkassen daran fest, zumindest in einer der derzeit sieben Testregionen bis Jahresende über 1 Mio. elektronische Gesundheitskarten auszugeben.

Bisher sind pro Region rund 10 000 Karten im Einsatz. Diese dienen derzeit überwiegend der Identifizierung der Versicherten. Außerdem werden elektronische Rezepte auf der Karte gespeichert und elektronische Notfalldaten angelegt.

Eine zentrale Infrastruktur, die es möglich machen würde, beispielsweise Rezepte an Versandapotheken zu versenden oder die Versichertendaten bei jedem Arztbesuch zu aktualisieren, soll im Sommer 2008 erstmals getestet werden.

Die offiziellen politischen Standesorganisationen von Ärzten, Apothekern und Kliniken unterstützen das Projekt weiterhin. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte und mehrere unabhängige Datenschützer stehen hinter der Karte. Die Zustimmung der Ärzteschaft gilt allerdings als wacklig. Mitentscheidend dürfte der kommende Ärztetag Mitte Mai 2008 in Ulm werden, wo das Thema Medizintelematik prominent auf der Agenda steht.

Tatsächlich bleibt die Kritik an der elektronischen Vernetzung des Gesundheitswesens in vielen Punkten diffus. So sind die immer wieder an die Wand gemalten Mega-Server mit persönlichen Daten bisher weder umgesetzt noch auch nur geplant. Tatsächlich arbeiten in Deutschland bisher lediglich einige Ärztenetze mit zentralen Rechenzentren – oft mit wenig Transparenz für die Patienten.

Im Zusammenhang mit der im Aufbau befindlichen Telematikinfrastruktur dürften wesentliche Teile der elektronischen Kommunikation zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten in Zukunft über die sogenannten elektronischen Fallakten der Kliniken abgewickelt werden. Diese Form der Patientenakten wird derzeit von diversen Krankenhäusern getestet.

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist dabei, das System kompatibel mit der elektronischen Gesundheitskarte zu machen. Bei den Fallakten werden die Daten explizit dezentral gespeichert: Sie verbleiben in den Einrichtungen, die sie erzeugt haben. „Auch wenn die Daten an verschiedenen Orten liegen, werden sie durch ein Netzwerk de facto zentralisiert“, kritisierte allerdings Ricardo Cristof Remmert-Fontes vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.

Zusätzlich wollen Krankenkassen wie die Barmer Ersatzkasse oder die Deutsche Angestellten-Krankenkasse DAK ihren Versicherten die Möglichkeit geben, mit Hilfe der neuen Karte zusätzliche eigene Gesundheitsakten im Internet anzulegen. Hier könnten dann wichtige Daten lebenslang gespeichert werden. Diese Projekte sind den Kritikern der Gesundheitskarte ein besonderer Dorn im Auge. Sie sind allerdings komplett freiwillig und existieren zum Teil heute schon – ganz ohne Karte. PHILIPP GRÄTZEL VON GRÄTZ

Bundesbeauftragter für Datenschutz befürwortet E-Card

Stellenangebote im Bereich Arbeitssicherheit

ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH-Firmenlogo
ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH Sicherheitsingenieur im Bereich Gefährdungsbeurteilung und Umweltverträglichkeitsanalyse (m/w/d) Fürstenfeldbruck
CURRENTA über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
CURRENTA über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik Betriebsleitung Kraftwerke (m/w/d) Leverkusen
Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft m.b.H.-Firmenlogo
Rhein-Main-Rohrleitungstransportgesellschaft m.b.H. Ingenieur Maschinenbau / Elektrotechnik (m/w/d) Köln-Godorf
NKT GmbH-Firmenlogo
NKT GmbH Leiter (m/w/d) Instandhaltung Köln
SILTRONIC AG-Firmenlogo
SILTRONIC AG Ingenieur (m/w/d) als Leiter Facility Burghausen, Freiberg am Neckar
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Pflegewissenschaftler / Gesundheitswissenschaftler / Mediziner (m/w) für den Arbeits- und Gesundheitsschutz Köln
B. Braun Melsungen AG-Firmenlogo
B. Braun Melsungen AG Fachkraft für Arbeitssicherheit (m/w/d) Bad Arolsen
Solvay-Firmenlogo
Solvay Sicherheitsingenieur (m/w/d) Östringen
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Ingenieur / Natur- oder Gesundheitswissenschaftler / Mediziner (m/w) Dresden
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Ingenieur / Natur- oder Gesundheitswissenschaftler / Mediziner (m/w) Berlin

Alle Arbeitssicherheit Jobs

Top 5 Arbeitssicher…