Sicherheit

Neue Technologien machen Bürger durchsichtig  

VDI nachrichten, Seattle, 29. 4. 05 – Hunderttausende Identitätsdiebstähle in den USA sind nur der Anfang kommender Datenschutzdesaster, so Experten auf der Konferenz Computers, Freedom & Privacy (CFP) in Seattle. Allgegenwärtige Videoüberwachung, DRM, RFID und Biometrie machen das Panoptikum perfekt. Ist die Privatsphäre noch zu retten?

Fast täglich kommen aus den USA Hiobsbotschaften über „verloren gegangene“ persönliche Informationen hunderttausender Bürger. Die US-Firma ChoicePoint brachte den Stein ins Rollen, als sie Ende 2004 das Abhandenkommen von 145 000 Personendossiers bekannt gab. Versicherungs- und Kreditkartennummern waren neben Adressen und detaillierten Informationen, vergleichbar der hiesigen Schufa-Auskunft, in die Hände Krimineller gelangt. 59 Einbrüche in seine Datenbanken seit 2003 musste der US-Datenmakler LexisNexis eingestehen. Die Kette DSW Shoe Warehouse aus Ohio eröffnete jüngst, dass ihr 1,4 Mio. Kreditkartendaten geklaut wurden.

Stellvertretend für die undurchsichtige Branche erhielt ChoicePoint nun auf der Konferenz „Computers, Freedom and Privacy“ in Seattle den „Big Brother Award“ für das „bedrohlichste Lebenswerk“. Simon Davies, Chef der Organisation Privacy International, „ehrte“ damit die wachsende Riege an Datenbrokern, die sich aus Quellen wie Gerichts- oder Polizeiakten Angaben von Menschen verschaffen und damit handeln.

In den USA hat sich ein staatlich-industrieller Komplex für die Jagd auf die Verbraucherdaten gebildet. „Geburtsurkunden oder Autozulassungen gehen sofort an ChoicePoint“, nennt Chris Hoofnagle vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) ein Beispiel. „Wenn Sie ein Postfach eröffnen, erhält die Firma Notiz“. Das Treiben versucht der Konzern, der über 19 Mrd. Einträge von 220 Mio. Verbrauchern vorhält, über rund 15 Tochterfirmen zu verschleiern. „Wir leben in einer Welt, in der man keinen Job, keinen Kredit und kein Apartment mehr bekommt, wenn man nicht ,vollkommen normal“ erscheint“, warnt Hoofnagle.

Der Award für das Unternehmen, das den Datenschutz der US-Bürger am stärksten mit Füßen getreten hat, ging an Accenture. Der IT-Dienstleister mit Sitz auf den Bermudas sicherte sich 2004 den milliardenschweren Auftrag für das umstrittene Projekt „US-Visit“ der US-Regierung. Die will damit dank der biometrischen Zwangserfassung ihrer ausländischen Besucher eine virtuelle Festung errichten. Eingesammelt werden neben einem digitalen Gesichtsbild auch die Fingerabdrücke der Einreisenden, obwohl das US-Außenministerium Letzteres für den neuen Biometriepass eigener Bürger ausdrücklich ablehnt.

Zu den großen Datenkraken darf sich auch die kalifornische Brittan-Grundschule zählen. Sie erhielt den Award für den Plan, ihre Schüler auf Schritt und Tritt mit RFID-Umhängebändern zu verfolgen. Die verstärkte Videoüberwachung sowie die Verbreitung von Computerarchitekturen zum digitalen Rechtemanagement (DRM) sind für die Datenschützer weitere Bausteine im entstehenden Panoptikum.

Zumindest gegen Videokameras will sich Datenschützer Steve Mann zur Wehr setzen: Der Überwachung „von oben“ wird im Konzept des Professors für Computerelektronik in Toronto mit der „Unterwachung“ (Sousveillance) der Beobachter Kontra gegeben. „Es geht um die Schaffung eines Gegen-Panoptikums“, sagt Mann. Die Bürger sollten selbst Kameras in die Hand nehmen und zurückfeuern. So durchstreifen Aktivisten während der CFP auf einer „Sousveillance-Tour“ mit versteckter Kamera Shopping-Malls, um Überwachungsanlagen zu „unterwachen“. David Brin, Autor von „Die transparente Gesellschaft“, fordert, dass „wir mit dem Zeitalter der ermächtigten Amateure beginnen müssen.“ Laut Brin ist die künftige Gesellschaft wieder wie in einem Dorf sozial strukturiert, und jeder kann jeden „scannen“. Letztlich waren sich die Konferenzteilnehmer einig, hängt der Datenschutz von engagierten Bürgern ab, die selbst die Initiative ergreifen. STEFAN KREMPL

www.cfp2005.org

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