Sicherheit

Neue Passgeneration mit Chips für biometrische Merkmale kommt

VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 5. 04 -Die Terroranschläge von Madrid beschleunigen in der EU die Einführung neuer Ausweispapiere mit biometrischen Daten. Der internationale Standard für neue Pässe ist inzwischen in trockenen Tüchern. Datenschützer beklagen jedoch den wenig transparenten Entwicklungsprozess.

Schon bis Ende 2004 wollen die europäischen Regierungschefs eine Gesetzesvorlage für biometrische Ausweispapiere auf den Weg bringen. Dann haben die Mitgliedsländer zwei Jahre Zeit für die Umsetzung. Zuvor hatten allein die USA das Tempo bestimmt, die schon ab Ende September allen Einreisenden den Fingerabdruck abnehmen wollen.
Der internationale Standard für die neuen Pässe ist inzwischen in trockenen Tüchern. In einer letzten Verhandlungsrunde bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO einigten sich Europäer und Amerikaner auf eine gemeinsame Datenstruktur und -verschlüsselung der biometrischen Daten. Die USA hatten zunächst gefordert, dass die Daten unverschlüsselt lesbar sein sollten. Die EU hingegen verwies darauf, dass jeder, auch Unternehmen, die Daten so lesen könnte. Auch hätten Unbefugte die Datenübermittlung bei der Passkontrolle bis auf 30 m Distanz abhören können. Nun werden die Daten verschlüsselt als „Secure Message“ ausgegeben. Die Datenschützer selbst waren in dem Verhandlungsprozess nicht vertreten.
Der Standard schreibt eine Speichergröße für den kontaktlosen Chip von 32 kByte vor. Damit können die Rohdaten des Gesichts sowie die Personenbeschreibung gespeichert werden. Ländern wie Dänemark und Neuseeland, aber auch den US-Nachbarn Kanada und Mexiko genügt die minimale Anforderung eines einzigen biometrischen Merkmals. Länder wie Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die USA setzen jedoch auf zwei biometrische Merkmale, die auf einem 64-kByte-Chip gespeichert werden können.
Für die Datenschützer ist die Speicherung der Rohdaten von Gesicht und Fingern eine harte Nuss. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar etwa fordert, die Informationen nur in Form kodierter „Templates“ zu speichern. Diese Templates sind aber in der Regel herstellergebunden. Auch geht mit ihnen, so zeigte jüngst eine Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, eine geringere Qualität der Identifizierung einher.
Auch eine weitere Forderung der Datenschützer hat wenig Aussicht auf Realisierung: Eine „strenge Zweckbindung“ der Daten sicherzustellen und eine zentrale Speicherung zu vermeiden, wird kaum möglich sein. Denn ob die Fingerabdrücke jahrzehntelang in zentralen Datenbanken gespeichert werden oder auch erst gar nicht ausgelesen werden, darüber haben der Bürger und seine Regierung in anderen Ländern keine Gewalt mehr. In den USA werden seit Januar 2004 die Fingerabdrücke der Reisenden aufgezeichnet und für 50 Jahre gespeichert.
Der Reisepass-Chip muss laut ICAO-Standard eine Lebensdauer von über zehn Jahren besitzen. Außerdem muss der Chip stückgenau rückverfolgbar sein. Ob der Chip nun in dem Plastikkern des Ausweises eingebettet werden soll, wie in Deutschland und den skandinavischen Ländern favorisiert, oder im Deckel, wie in den USA, Frankreich, Italien, Österreich und Spanien bevorzugt, ist noch nicht entschieden. Derzeit laufen bei den Passherstellern Tests mit unterschiedlichen Varianten. Ob nun auch das EU-Visum mit einem Chip ausgestattet werden wird, ist noch unklar. Die Frage ist: Wo liegen die physikalischen Grenzen für die Auslesefähigkeit der im Pass gestapelten Visachips? Derzeit prüft etwa Chiphersteller Infineon gemeinsam mit Passherstellern aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich, wie viele Chip-Visa ein Pass vertragen könnte. Die USA haben sich bereits gegen einen Chip im Visum entschieden.
Während die Europäische Union sich nun erst nach den Anschlägen für die neue Technologie begeistert und Länder wie Kanada und Mexiko nur auf Drängen ihres gemeinsamen Nachbarn USA in die neue Passgeneration investieren, haben sich asiatische Länder der Thematik der kontaktlosen Ausweise schon seit langem begeistert angenommen. Vor allem im privaten Ausweiswesen konnten asiatische Länder bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Kontaktlos-Technologie sammeln. Die Städte Tokio, Singapur und Seoul führten schon vor Jahren kontaktlose Tickets im öffentlichen Personennahverkehr ein.
In Deutschland führten viele Bedenken und Sonderwünsche dazu, beobachtete Detlef Houdeau, Leiter der Geschäftsentwicklung bei Infineon, dass die Ticketprojekte sang- und klanglos wieder eingestellt wurden. In Asien hingegen gingen Manager „sehr pragmatisch“ an die Kartenprojekte heran, die mitunter ohne Ausschreibung und besondere Auflagen, wie etwa Datenschutzregeln, sehr schnell binnen weniger Monate realisiert werden würden.
C. SCHUZKI-HADDOUTI

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