Sicherheit

Nach Inpol-neu kommt Inpol-neu-neu?

Anfang 2002 hatte das 60-Mio-€-Projekt zunächst einen fulminanten Fehlstart hingelegt.

Reaktionszeiten von einer halben Minute ließen die Polizeibeamten verzweifeln. Der Grund: Bund und Länder hatten das polizeiliche Informationssystem Inpol-neu mit ihren Anforderungen zu einer nicht mehr handhabbaren, extremen Komplexität aufgebläht. „Das beste Informationssystem ist nutzlos, wenn es nicht akzeptiert oder nicht beherrscht wird, und die besten Informationen sind wertlos, wenn sie nicht genutzt werden“, meint der neue Projektleiter Holger Gadorosi
„Fehleinschätzungen hinsichtlich Zeitbedarf und Machbarkeit“ waren laut Harald Lemke, IT-Direktor des Bundeskriminalamts, die Hauptursache für das Scheitern. Dies war jedoch keinesfalls eine neue Erfahrung: Schon zur Einführung des alten Inpol im Jahre 1972 hatte der Bundesrechnungshof moniert, dass die Maßnahmen auf dem Gebiet der automatisierten Datenerfassung nicht den Grundregeln einer ordentlichen DV-Planung entsprächen. Bereits Ende der 80er Jahre waren die technischen Grenzen von Inpol erreicht, ein neues System wurde entworfen und seit 1998 programmiert.
Das Bundeskriminalamt wechselte nun die Projektleitung aus. Gadorosi reduzierte die fachlichen Anforderungen auf das technisch Mach- und Überschaubare. Von der geplanten „Revolution“ verabschiedete er sich zu Gunsten einer „Evolution“. Anstatt wie zuvor auf eine Neuentwicklung, setzte er bei dem neuen Inpol-neu auf die Version, die auf dem von Hessen und Hamburg entwickelten und betriebenen Computersystem Polas basiert.
Wichtig für die Realisierung war die Entzerrung des zuvor sehr engen Zeitrahmens: Die Ländersysteme werden nicht mehr gleichzeitig, sondern nurmehr stufenweise eingebunden. Deshalb entschied sich Gadorosi für ein Zwei-Stufen-Modell: Zunächst sorgt eine Weiterentwicklung namens „Version 4“ dafür, dass das zentrale IT-System moderner, aber auch zu den alten Systemen abwärtskompatibel ist. Sobald das letzte Landessystem diese Weiterentwicklung übernommen hat, wird „Version 5“ eingeführt, die zu „Version 4“ kompatibel ist, aber bereits alle neuen fachlichen und technischen Wünsche erfüllt.
Die neue Benutzeroberfläche ist in moderner Internettechnologie gestaltet, einfache Auskunftsmasken und eine intuitive Bedienung sorgen für eine gute Akzeptanz. Das System kann Beziehungsgeflechte bilden und analysieren: An Fallgrunddaten wie den Tatort und das Aktenzeichen werden Personen und Sachen geknüpft. Schnittstellen sorgen dafür, dass etwa das Kraftfahrtbundesamt angebunden werden kann. Eine automatisierte Abfrage des europäischen Schengen-Informationssystems ist bereits möglich.
Bund und Länder sind aufgrund einer zweistufigen Entwicklung nicht länger aufeinander angewiesen. Vier Bundesländer sind bereits an „Version 4“ angebunden, alle anderen sollen bis Anfang August ihre Zugangssysteme umstellen.
Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), begrüßte die Änderung der Projektstrategie: „Nach dem heillosen Chaos ist das ein Gewinn für den Polizeivollzugsdienst.“
Der Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten, Peter Büttgen, erinnerte daran: „Unsere grundsätzlichen Bedenken wurden bis heute noch nicht ausgeräumt.“ Am kritischsten sei, dass Inpol-neu die gesamte kriminelle Karriere einer Person abbildet und auch Fälle zeigt, die nicht von länderübergreifendem Interesse sind.
CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

 

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