Sicherheit

Mühsame Suche nach Sprengstoffen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 8. 06, moc – Sprengstoffe in flüssiger Form gelten in sicherheitsrelevanten Situationen wie auf dem Flughafen als schwer detektierbar. Aber die Entwicklung zuverlässiger Technologien macht große Fortschritte. Auch in Deutschland wird daran gearbeitet.

Das Chemikaliengemisch TATP, von dem man annimmt, dass es die in Großbritannien verhafteten Terroristen für ihre Anschläge auf die amerikanischen Flugzeuge verwenden wollten, gilt als schwer nachweisbar, verlässt man sich auf die klassischen Sicherheitschecks an Flughäfen.

Tatsächlich lässt sich mit herkömmlichen Systemen wie Metalldetektoren und Röntgen-Scannern, die zur Untersuchung von Gepäck und Reisenden an den meisten Flughäfen eingesetzt werden, flüssiger Sprengstoff nicht finden, weil Röntgenscanner vorwiegend die unterschiedliche Dichte von Substanzen messen.

Es gibt jedoch bereits heute Systeme, die auch flüssige Sprengstoffe „erschnüffeln“ können.

Alle Geräte machen sich dabei zunutze, dass feste und flüssige Sprengstoffe – wie auch TATP – abdampfen. Die abdampfenden Moleküle werden eingefangen und spektroskopisch untersucht.

Das am weitesten in der Entwicklung und Prüfung fortgeschrittene Verfahren, um sowohl feste wie flüssige Sprengstoffe entdecken zu können, so Michael Krausa vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT), sei die Ionenmobilitätsspektrometrie (IMS). Bei der IMS wird die Geschwindigkeit von Gasionen über einem elektrischen Feld gemessen. Auf diesem Weg lassen sich bestimmte Sprengstoffe identifizieren.

Amerikanische und europäische Hersteller wie Smith Heimann, Sagem und Siemens arbeiten an der Entwicklung von Personenscannern, die sich dieses „Abdampfen“ von Gasen aus Sprengstoffen zunutze machen. Der Reisende geht dabei durch einen Bogenscanner, wird von einem leichten Luftstoß („puff“) angeblasen, der die abgedampften Partikel aufwirbelt. Diese abgedampften Partikel werden in einen Filter gesaugt und spektroskopisch untersucht.

Nicht immer lassen sich die Unternehmen in die Karten schauen, wie sie diese Partikel untersuchen: Mittels IMS oder anderer Verfahren – etwa einem Fluoreszenzdetektor.

Die amerikanische Transportation Security Administration hat über 90 solcher so genannten „Puff-Maschinen“ an amerikanischen Flughäfen installiert, einige sind auch auf dem Londoner Flughafen Heathrow im Einsatz.

Auf dem Markt sind heute noch zwei weitere Systeme, die sich das „Abdampfen“ zunutze machen: die vom US-Unternehmen Electronic Sensor Technology hergestellte zNose und das ebenfalls aus den USA kommende System Fido. Beide sind Handgeräte und damit flexibler als Bogenscanner.

Fido und zNose werden von US-Behörden bereits im Bereich der Homeland-Security eingesetzt.

Bei beiden Geräten werden verdächtige Personen oder Gepäckstücke von Hand abgetastet. Die zNose basiert auf ultraschneller Gaschromatografie und einer Quarzmikrowaage, die mit hoher Geschwindigkeit schwingt und Massenänderungen nachweist.

Ein in Europa bisher selten gesehenes Gerät ist das amerikanische Fido-System der Firma Nomadics. Nach Herstellerangaben ist es eines der schnellsten und zuverlässigsten Geräte auf dem Markt und kann sowohl flüssige wie feste Sprengstoffe aufspüren. Es soll auf einem extrem schnellen Fluoreszenzdetektor basieren.

Denkbar sind zukünftig auch einander ergänzende Detektoren: So hat die FH Düsseldorf mit dem ICT ein Verfahren entwickelt, Luftverunreinigungen – wie das Ausgasen von Sprengstoffen – sogar über einer größeren Fläche, etwa dem Eincheck-Bereich am Flughafen, mit optischen Verfahren zu analysieren. Noch ist das in der Laborphase.

Immer, so Michael Krausa, sei es jedoch entscheidend, dass die Geräte “wissen“ müssen, wonach sie suchen sollen: „Das System muss auf die jeweiligen Sprengstoffe und die Umweltbedingungen hin „getunt“ werden, genauso wie ein Hund trainiert werden muss.“ Heute sind die Geräte aber bereits in der Lage, ein sehr großes Spektrum der bekannten flüssigen und festen Sprengstoffe zu entdecken. moc

Von Wolfgang Mock

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