Seniorentechnik

Mit Technik zu Hause oder ohne Technik ins Heim  

Die Entwicklung altersgerechter Assistenzsysteme hat das Bundesforschungsministerium auf seiner Agenda ganz nach oben gesetzt. Im Mittelpunkt des 3. AAL-Kongresses in Berlin stand am Dienstag barrierefreie Mobilitt – und die Frage, wie die Akzeptanz technischer Alltagshilfen gesteigert werden kann. VDI nachrichten, Berlin, 29. 1. 10, ber

In der Regel sind Ambient-Assisted-Living-Systeme wenig spektakulär, wie schon die deutsche Übersetzung des Begriffes verrät: AAL steht für unauffällige Technik, die sich nahezu unsichtbar ins Lebensumfeld einfügt und vor allem älteren Menschen ermöglichen soll, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben. Dazu gehören moderne Notrufanlagen, die von selbst Hilfe holen, oder auch RFID-Technologien, die dabei helfen, verlegte Gegenstände wiederzufinden.

An ihrer Unauffälligkeit liegt es nicht, dass AAL-Systeme noch nicht alltäglich sind. Auch nicht daran, dass sie nicht gebraucht würden. Ganz im Gegenteil: „Ohne technische Unterstützung werden wir den demografischen Wandel nicht meistern können“, sagte BMBF-Staatssekretär Thomas Rachel beim 3. AAL-Kongress in Berlin.

Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung in diesem Jahr die Fördergelder für „Assistenzsysteme im Dienst des älteren Menschen“ von 21 Mio. € auf 30 Mio. € aufgestockt.

In der Innovationspartnerschaft, die das BMBF im vergangenen Jahr mit dem Branchenverband VDE gegründet hat, sollen die Hürden für Assistenzsysteme abgebaut und die Begleitforschung angekurbelt werden, um die Akzeptanz der Nutzer zu erhöhen. Diese Hürden sind zunächst einmal technisch bedingt.

„Ohne einheitliche Standards und Interoperabilität werden sich AAL-Systeme nicht durchsetzen können“, glaubt Marco Eichelberg vom OFFIS-Institut für Informatik und Leiter der BMBF/VDE-Arbeitsgruppe „Schnittstellenintegration und Interoperabilität“, die gerade ein Buch zum „Stand der Technik“ von AAL-Systemkomponenten veröffentlicht hat.

Mit einer Harmonisierung der Technologien allein ist es jedoch nicht getan. Oft behindern bürokratische Zwänge die Einführung von Innovationen, beklagte VDE-Vorstandsvorsitzender Hans Heinz Zimmer und verwies auf die Medizintechnikbranche, wo sich Genehmigungsverfahren ewig hinschleppen und den Bedarf am neuen Produkt gut und gerne überdauern können. Zudem müssten sich die Menschen den neuen Technologien auch anvertrauen wollen.

Eine Studie des Brüsseler Kreises, eines Zusammenschlusses elf großer Sozialunternehmen, zeigt, dass Menschen dann keine Vorbehalte gegen Technik haben, wenn sie ihnen ein autonomes Leben gewährleistet. So lehnen sie zwar eine Videoüberwachung ab – gegen Sensoren im Fußboden oder in den Wänden, die beim Sturz oder sich ändernden Bewegungsabläufen den Pflegedienst und die Angehörigen alarmieren, haben sie jedoch nichts einzuwenden.

„Die Frage, ob sie sich lieber von Technik oder von Menschen helfen lassen möchten, ist unfair“, findet Dieter Rombach vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software-Engineering IESE, Kaiserslautern. „Die Frage muss vielmehr lauten: Wollen sie lieber mithilfe von Technik in ihrer Wohnung oder ohne Technik im Heim leben?“

Allerdings müssen AAL-Systeme ihr Alte-Leute-Image abschütteln, so Sibylle Meyer vom SIBIS Institut für Sozialforschung und Projektberatung. Dass etwa Hausnotrufsysteme nicht wohlgelitten sind, liege an dem klobigen Signalgeber, der meist am Hals baumelt. „Er könnte doch stattdessen in einen Ohrring oder eine schicke Uhr eingebaut werden.“

Die Menschen müssen sich allmählich an den Umgang mit Technik gewöhnen können. So sollte eine Wohnung schrittweise an die jeweiligen Bedürfnisse ihrer Bewohner angepasst werden. Da wäre es vorteilhaft, wenn sie vorausschauend geplant worden ist, die Türen von Anfang so angelegt sind, dass ein Rollstuhl hindurch passt oder eine Schiebetür eingebaut werden kann, die sich automatisch öffnet. Die Innovationspartnerschaft erprobt nun Geschäftsmodelle, die solche Lösungen bezahlbar machen, etwa eine Abrechnung dieser Leistungen über die Wohnungsnebenkosten.

Die Einführung von AAL-Systemen ist vielschichtiges Thema – „das Zukunftsthema der Gesellschaft schlechthin“, glaubt Wolfgang Langguth von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. In der AAL-Arbeitsgruppe „Aus- und Weiterbildung“ werden deshalb Konzepte für berufliche Zusatzqualifikationen entworfen, etwa für den „European Master of Assisted Living.“

An der FH Oldenburg gibt es bereits einen Bachelorstudiengang „Assistierende Technologien“, an der FH Frankfurt/Main wird ein Masterstudiengang „Barrierefreie Systeme“ angeboten, und an der FH Mannheim können sich ab dem Wintersemester 2010 Absolventen in einem Weiterbildungsstudiengang „Alter und angewandte Technik“ zum Geronto-Ingenieur qualifizieren.

„AAL ist nicht nur Technik, wie sie der Pflegeroboter verkörpert“, erläuterte Langguth die Notwendigkeit dieser neuen Berufsfelder. „Im Vordergrund steht immer die menschliche Interaktion.“ JANA EHRHARDT

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