Sicherheit

Metallschrott wird für Langfinger immer attraktiver  

VDI nachrichten, Rostock, 24. 11. 06, Si – Das enorme Wirtschaftswachstum in China und anderen Schwellenländern ließ die Rohstoffpreise in die Höhen schnellen. Entsprechend gefragt sind Sekundärrohstoffe. So stieg etwa der Durchschnittspreis für die Stahlschrottsorte 1 zwischen 2003 und heute um 44 %. Diese Preisexplosion ruft auch Langfinger auf den Plan, die sich zunehmend aus den Lagern der Metallindustrie bedienen.

Gullydeckel verschwinden über Nacht und aus Industrie- sowie Gewerbebetrieben werden Maschinenteile, Stahlplatten, Nicht-Eisen-Metalle und Recyclinggut entwendet. Jürgen Schneider kann ein Lied davon singen. „Die Diebe nehmen heute alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist“, bestätigt der Manager der Interseroh AG, Köln. Als Geschäftsführer von zwölf Metallverwertungsfilialen in Mecklenburg-Vorpommern registriere er jährlich etwa 15 Einbrüche. „Besonders beliebt sind Kupfer und Aluminium“, so der Experte. Doch auch normaler Metallschrott werde von den Diebesbanden nicht verschmäht.

Das belegen auch die Daten des Innenministeriums von Mecklenburg-Vorpommern: Zwischen Januar und September wurden in dem Bundesland insgesamt 424 Buntmetalldiebstähle registriert.

Regionale Schwerpunkte der Schrottdiebstähle sind die Bereiche der Polizeidirektionen (PD) Anklam und Neubrandenburg, bei denen die Grenznähe zu Polen eine entscheidende Rolle spielt, sowie die PD Schwerin. Tatorte sind Metall verarbeitende Betriebe, Schrotthandelsunternehmen sowie Bahnanlagen, Gelände von Windkraftanlagenbetreibern und Baustellen. Die Einzeltäter und professionell ausgerüstete Banden von zwei bis sechs Personen kommen nach Aussage der Landesregierung mit Transportern oder Sattelschleppern und demontieren selbst Dinge, die gemeinhin als „niet- und nagelfest“ gelten. Die Polizei geht davon aus, dass insbesondere das Buntmetall hiesigen Schrotthändlern zum Aufkauf angeboten oder nach Polen verbracht wird.

Das gezielte Vorgehen der Landespolizei gegen die Schrottdiebe zeigt erste Erfolge: In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden 82 (rund 25 %) der Diebstähle aufgeklärt und dabei 147 Tatverdächtige ermittelt, davon 41 polnische Staatsbürger.

Die Diebstähle verursachen auch Folgeschäden durch den Ausfall von Anlagen, Beschädigungen von Maschinen und Fahrzeugen sowie Bauverzögerungen, die häufig über den reinen Materialwert weit hinausgehen.

Doch nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern treiben Schrottdiebe ihr Unwesen. Anfang Oktober meldete beispielsweise die Polizei im westfälischen Lippetal, dass das Umspannwerk der RWE erneut von Dieben aufgesucht worden war. Die Täter durchschnitten den Metallzaun des Geländes und erbeuteten nahezu 4 t Kupferkabel, die in einem Muldenbehälter gelagert worden waren. Der Wert des gestohlenen Kupfers: rund 10 000 €. Bereits eine Woche zuvor sowie im März waren mehrere Tonnen Kupferkabel von dem Gelände entwendet worden.

Die Bundespolizeiinspektion Essen warnt Altmetallhändler vor dem ungeprüften Schrottankauf und hat in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn eine Broschüre herausgegeben, die die Händler auf entsprechende Risiken aufmerksam macht. Zweck der Broschüre ist es, den Schrotthändlern aufzuzeigen, „dass alles was bei ihnen als Buntmetall und Eisenschrott abgeliefert wird, nicht immer aus legalen beziehungsweise aus freigegebenen Beständen stammt“ und sie auf die strafrechtlichen Folgen aufmerksam zu machen. Denn der Altmetallhändler macht sich wegen Hehlerei strafbar, sofern er eine Sache ankauft, die ein anderer gestohlen hat.

Die Händler werden unter anderem aufgefordert, sich vor der Abnahme immer den Beseitigungsauftrag sowie den Personalausweis zeigen zu lassen, ferner sich das Datum der Abgabe zu notieren. Bei Bedenken soll der Vorgang der nächsten Landes- oder Polizeidienststelle gemeldet werden. Hintergrund war der an Ausmaß zunehmende Wertstoffdiebstahl bei der Bahn. Dort werden beispielsweise Erdungskabel und Kupferdrähte sowie Weichen und Schienen abmontiert, um diese anschließend beim Schrotthändler gewinnbringend zu verkaufen.

Basis dafür ist laut Christian Rubach das hohe Preisniveau, das heute Schrottfrachten rund um den Globus ermögliche. Der Weltaußenhandel für Stahlschrott, so erklärt der jüngst auf der Herbsttagung des Bureau of International Recycling (BIR) in Brüssel zum neuen Präsidenten der Ferrous Division gewählte Interseroh-Vorstand, habe im vergangenen Jahr bereits 91,1 Mio. t erreicht – im Jahr 2000 seien es gerade einmal 64,8 Mio. t gewesen. Und dieser Wachstumstrend wird nach Ansicht des Experten noch mindestens bis zum Jahr 2020 anhalten.

ROLF MÜLLER-WONDORF/Si

Von Rolf Müller-Wondorf/Jürgen Siebenlist

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