Sicherheit

Mächtige Schallwellen töten die Wale

Die mächtigen Unterwasser­Schallwellen stören nicht nur die Kommunikation von Walen und Delphinen, sie verursachen bei ihnen auch innere Blutungen und führen zum Stranden der riesigen Meeressäuger.

Wir drei haben uns zuvor nie in dieser Art aufgestellt“, betonen Musiker James Taylor, Schauspieler und Bond-Darsteller Pierce Brosnan sowie Ozeanforscher Jean-Michel Cousteau, Präsident der Ocean Futures Society aus Santa Barbara, Kalifornien. Doch dafür gibt“s gute Gründe: Die Militärs haben eine Methode zur Ortung feindlicher Unterseeboote so weit verfeinert, dass sie sie rund um den Globus jetzt zum Einsatz bringen wollen. Bis zum Jahr 2004 wollen die USA in der Lage sein, selbst nukleare U-Boote weltweit mittels Sonar zu orten. Gerade die große Reichweite ist es, die das Sonar für die militärische Nutzung so interessant macht.

Low Frequency Active Sonar (LFAS) donnert ein Signal mit einer Schallstärke von über 200 dB in den Ozean. Es reflektiert an Objekten, etwa an einem U-Boot, und kann mit dem SURTASS-System (Surveillance Towed Array Sensor System) analysiert werden. Viele Staaten und die NATO entwickeln solche Systeme – auch Deutschland.

Doch die sonaren Ortungssysteme haben einen gravierenden Nachteil: Sie kommen jenen Meeresbewohnern ins Gehege, die sich nach dem selben Prinzip orientieren – den Walen und Delphinen, also den Meeressäugern oder wissenschaftlich: den Cetaceen. „Wale nutzen Geräusche zur Kommunikation, zur Orientierung, zur Partnersuche und um Beute oder Räuber unter Wasser zu orten“, erläutert Linda Weilgart, Bioakustikerin am Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie Seewiesen.

Der Aufruf der VIPs erscheint angesichts des Zusammentreffens beunruhigender Ereignisse nur allzu berechtigt: Im Frühjahr letzten Jahres strandeten auf den Bahamas insgesamt 17 Wale, darunter der Minkwal, Cuvier-Schnabelwale, Blainville-Schnabelwale und ein Atlantischer Fleckendelphin.

Zur selben Zeit führte die Navy dort ihre LFAS-Tests im Rahmen des LWAD-Programms (Littoral Warfare Advanced Development) durch. Mindestens neun der gestrandeten Tiere starben. Einige Tiere wiesen blutunterlaufene Augen, Blut im Gehirn und Lungenschäden auf, es konnten auch Verletzungen des Gehörorgans festgestellt werden. Viele Meereswissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz solcher Sonarsysteme und bisher unerklärtem Verhalten der Meeressäuger.

„Neben der Debatte um den militärischen Sinn solcher Sonarsysteme werden die Umweltauswirkungen immer klarer“, warnen Taylor, Brosnan und Cousteau. „LFAS ist Milliarden Mal intensiver als die Laute, die Wale und Delphine von sich geben. Und, um es auf den Punkt zu bringen: Ein tauber Wal ist ein toter Wal.“

Um den Einsatz der Systeme zu stoppen, haben der Natural Resources Defense Council (NRDC) und Cousteaus Ocean Futures Society eine Internet-Kampagne gegen den Einsatz von LFAS gestartet. Doch angesichts der terroristischen Bedrohungen weltweit und den daraus resultierenden militärischen Anstrengungen ist es um die Meeressäuger nicht gut bestellt. Systeme wie LFAS werden benötigt, sagt die Navy, um die wachsende Zahl von diesel-elektrischen Unterseebooten aus feindlichen Ländern oder mit feindlicher Absicht zu orten. In den letzten zehn Jahren investierte die Navy 350 Mio. Dollar in die Entwicklung solcher Sonarsysteme.

Doch immer dort, wo Tests liefen, wurden eigenartige Phänomene verzeichnet: „Signifikante Stimmungs- und Aktivitätsbeeinträchtigungen während der Exposition durch LFA-Wellen“ hat das Naval Health Research Center in San Diego, Kalifornien, bei Testpersonen festgestellt. Sie wurden 24 h lang Lautstärken von 77 dB und 89 dB ausgesetzt. Die maximale Lautstärke von LFAS-Systemen zur Detektion von U-Booten beträgt 230 dB.

Für menschliche Ohren klingt das niedrigfrequente Sonar unter Wasser wie ein tiefes, leises Stöhnen. Eric James Evans von der Cornell University in Ithaca im Bundesstaat New York wurde vor einigen Jahren Zeuge der Auswirkungen von LFAS. Evans war damals DV-Programmierer in einer Navy Experimental Diving Unit, die Sonar-Systeme testete, hatte jedoch selbst mit deren Experimenten wenig zu tun. Wohl aber kannte er viele der Taucher. „Einmal zeigte ein Mann deutliche Symptome von Benommenheit und war unfähig, sich zu konzentrieren“, erinnert sich Evans. „Auch andere Taucher beklagten sich immer wieder über unangenehme Effekte durch LFAS.“

Hobbytaucher berichteten bereits im August 1994 von ihren ersten Erfahrungen mit LFAS am Point Lobos State Park in der Nähe von Carmel in Kalifornien. Irgend etwas habe unter Wasser die Lungen zum Vibrieren gebracht, ohne dass eine Schallquelle lokalisierbar gewesen sei.

Prof. Jim Miller von der Naval Postgraduate School in Monterey zeichnete daraufhin Töne mit einer Frequenz von 38 Hz auf. In den später von Ärzten der Navy herausgebrachten „Exposure Guidelines for Navy Divers Exposed to Low Frequency Active Sonar“ werden mögliche negative Effekte mit Gewebeablösung durch den Schalldruck angegeben.

Nachfragen in Carmel ergaben, dass die Klagen der Hobbytaucher einmal mehr aus einer Duplizität von Ereignissen resultieren: Die Küstenwache bestätigte seinerzeit, das die „Chory Chouest“ just zu der gleichen Zeit vor Kalifornien mit ihren „Magellan Sea Trials“ beschäftigt war – das war nichts anderes als das Ausprobieren „des neuen Sounds in den Weltmeeren“, LFA Sonar.

Kaum anzunehmen, dass die Cetaceen sich an diesen Sound gewöhnen werden. Und dass man Töne gezielt benutzen kann, etwa um Tümmler aus Fischernetzen fern zu halten, das beweisen Dave Goodson und Darryl Newborough von der Underwater Acoustics Research Group des Department of Electronic and Electrical Engineering der Loughborough University. Dort wurde eine neue Generation von Geräuschbojen (beacon mode pinger) entwickelt, die in der Lage sind, die Delphine auf eine Distanz von 200 m zum Fangnetz zu halten.

ULRICH SCHMITZ

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