Sicherheit

Live vom Panzer auf den Bildschirm

Übertragungen via Videotelefonie prägen das mediale Gesicht des Irak-Kriegs. Journalisten sind näher als je zuvor am Kriegsgeschehen und schicken ihre Bilder per Satellitenverbindung auf TV- und Computer-Bildschirme. Die Anbieter profitieren.

Merry Sanders, „Frontmann“ des US-Senders NBC, berichtet aufgeregt. In voller Montur mit Panzerweste und Helm kündigt der Korrespondent, der in die Truppen der Marines im Südirak integriert („embedded“) ist, exklusive Live-Bilder eines Apache-Angriffs auf irakische Stellungen vor Basra an. „Hören Sie gut zu!“ Da kommt auch schon der Hubschrauber und spuckt seine Feuerkraft aus. Gegenschnitt: eine explodierende Bombe vor einem ummauerten Wüstenhaus. Auf der Website des Senders MSNBC.com, versucht Sanders Kollege bei der 3. US-Infantriedivision, David Bloom, die Surfer über die Unbillen des Guerillakriegs an Bord eines schaukelnden Panzers aufzuklären. Seine das Klirren der Ketten übertönende Stimme klingt mechanisch, die Szenerie wirkt wie eine Einspielung vom Mars. Vergleichbare Bilder gibt es bei CNN.com nur gegen Bezahlung: Wer den mit Panzerhöchstgeschwindigkeiten von 65 km/h durch die Wüste ratternden Reporter Walter Rodgers im TV verpasst hat, zahlt für ein Monatsabonnement 10 $.
Die patriotischen Berichte der für die Truppenbegleitung akkreditierten „embedded“ Reporter, die im TV live ausgestrahlt werden und auf den Homepages der großen Sender über mehrere Tage hinweg archiviert werden, sind zum Erkennungszeichen des Irak-Kriegs in den Medien geworden. Zu den nicht unumstrittenen Pionieren gehört auch der Deutsche Ulrich Klose, der bei RTL Anfang der Woche etwa live aus der Wüste vom Zweifrontenkrieg berichtete. Möglich machen die neue Form der Frontreportage Fortschritte und ein anhaltender Preisverfall bei der satellitengestützten Videotelefonie.
Hergestellt werden die zwischen 8000 ® und 10 000 ® kostenden Systeme von Firmen wie Thrane & Thrane aus Dänemark oder Konkurrenten aus Großbritannien, Kanada, Schweden und den USA. Sie bestehen aus einer gängigen Digitalkamera und einem etwa Laptop-großen Kasten für die Umwandlung der Signale in den sendefertigen MPEG-4-Standard. Dazu kommen ein oder mehrere Satellitentelefone, wobei die großen Sendeanstalten das Global Area Network (GAN) des in England beheimateten Unternehmens Inmarsat nutzen. Agenturen wie Reuters und Zeitungshäuser hatten ihre Korrespondenten am Golf erstmals auch mit den modernen Thuraya-Satellitentelefonen ausgerüstet. Doch deren Nutzung untersagte das US-Militär, da in ihnen GPS (Global Positioning System) integriert ist und das Pentagon eine Ortbarkeit aus dem All fürchtete.
„Bei uns erfolgt die Inmarsat-Übertragung beim Einsatz der Videotelefone mit 128 kbit pro Sekunde, wie bei zwei gebündelten ISDN-Kanälen“, so Klaus Asshauer, Leiter des Ressorts „Teleport Operations“ bei RTL. Das sei eine gute Internet-Qualität, fürs Fernsehen und große Bildschirme aber etwas dünn. Der Sender lässt Klose daher immer rasch in einem kleinen Fenster verschwinden und zeigt Agenturbilder im Vordergrund. Ausfälle der Inmarsat-Trabanten musste Asshauer noch nicht verkraften. Mit Leitungskosten von 10 $ pro Minute ist das Live-„Vergnügen“ dazu vergleichsweise günstig.
Die Betreiber der Telefonsatelliten gehören angesichts des Booms der Live-Berichterstattung zu den Gewinnern des neuen Golf-Kriegs: Alle melden momentan eine erhöhte Nachfrage. Inmarsat hat einen zusätzlichen Satelliten in Richtung Nahost verschoben, um den erhöhten Bedarf abzudecken. Unklar ist, ob sich die Medienfirmen langfristig als gute Kunden herausstellen. Zumindest die Erwartungen einer unabhängigeren Berichterstattung durch die Technik wurden bislang kaum erfüllt. Die öffentlich-rechtlichen Sender begegnen den seit dem Afghanistankrieg eingeführten Videotelefonen deshalb mit Skepsis. So setzt das ZDF nur eines von mehreren verfügbaren Videotelefonen im Nordirak ein. Doch auch damit „gehen wir nicht live auf Sendung“, sagt Elmar Thevesen, ZDF-Chef vom Dienst. Das gelte auch für Aufnahmen der Partnersender Al Jazeera oder NBC. S. KREMPL

Kriegsberichterstattung
Mit Satelliten sieht man mehr
Eine Alternative zur gängigen europäischen und US-amerikanischen TV-Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg haben alle, die digitales Satelliten-TV empfangen können. Weit über 100 frei empfangbare Sender umfasst das Programm-Bouquet von Eutelsat/Hotbird auf Position 13°Ost, darunter die TV-Sender fast aller arabischen und Mittelmeer-Anrainerstaaten sowie einige asiatische Sender. Einige davon senden Teile ihres Programms in englischer oder französischer Sprache, andere sogar komplette internationale Programme.

Speziell die nachfolgend aufgeführten Sender haben sich seit Beginn des Angriffs auf den Irak mit umfangreicher Berichterstattung über Krieg und Antikriegsproteste als sehenswerte Alternativen erwiesen.
CCTV 9 International (China-TV, Beijing), 11 034 GHz:
Englischsprachiges 24 Stunden-Programm, neben vielen Bildberichten sehr gute militärische, politische und ökonomische Analysen mit qualifizierten chinesischen und internationalen Experten.
Nile TV international, Ägypten, 12 540 GHz:
aktuelle News und Reportagen auf Englisch und Französisch
Iraq-TV, Baghdad, Frequenz 12 654 GHz, horizontal:
Aktuelle Bilder aus erster Hand, Kommentar arabisch, aktuelle, offizielle Pressekonferenzen des staatlichen Informationsministeriums teils auch auf Englisch, dazwischen Propagandafilme und Durchhalte-Musik (seit der letzten Märzwoche teilweise kriegsbedingte Sende-Unterbrechungen)
Al Jazeera, Frequenz 12 111 GHz vertikal (auch über Astra digital 19,2° Ost, Frequenz 11 567 GHz zu empfangen):
arabischer Nachrichtenkanal, englischsprachige Website in Vorbereitung)
darüber hinaus z. B.:
Abu Dhabi TV, Al Manar (Libanon),  Syrian TV,  IRINN (Iran),  Khalifa-News:
Wer die Sender noch nicht auf seinem Satellitenreceiver findet, sollte einen aktuellen Sendersuchlauf starten. Unter www.eutelsat.de steht ein PDF-Dokument mit den aktuellen Eutelsat-Sendern zum Download bereit.

 

  • Stefan Krempl

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