Gesundheit

Leistung bis zum Umfallen

Den Radprofis wird auf der diesjährigen Tour de France wegen ständigen Dopings wohl nicht mehr ohne weiteres die Anerkennung ihrer sportlichen Leistung gezollt. Dabei greifen heute selbst Freizeitsportler gerne zu unerlaubten Mitteln.

Am Samstag, dem 3. Juli, fällt der Startschuß zur 86. Tour de France. Drei Wochen lang fiebern dann Millionen von Zuschauern mit bei der Jagd nach dem Gelben Trikot. In 20 Etappen quält sich der Treck quer durchs französische Flachland, über Alpen, das französische Zentralmassiv und die Pyrenäen. Doch die Anerkennung der Fans ist den Sportlern auf dem Treppchen längst nicht mehr gewiß. Seit im letzten Jahr ein Radler nach dem anderen wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen wurde, bekam das schwierigste Radrennen der Welt den wenig schmeichelhaften Beinamen „Rollende Apotheke“.
Nun steht die Tour bereits vor dem Start unter einem ungünstigen Stern: Vorjahressieger Marco Pantani war mit erhöhten Hämatokritwerten aufgefallen, die auf Einnahme des Dopingmittels Erythropoietin (EPO) hinweisen. Jetzt will er erst gar nicht antreten. „Ich habe Angst, die Polizei will mir etwas unterschieben“, so der Italiener.
Erwischt hat es zudem Straßen-Weltmeister Oscar Camenzind vom schweizerischen Lampre-Team, dessen Mitarbeiter während der Tour de Suisse unerlaubte Medikamente hatte „entsorgen“ wollen. Zuvor hatten Zollfahnder in einem Begleitfahrzeug des französischen Radrennstalls Festina das Derivat Neoton und das Corticoid Diprophos gefunden. Beide Substanzen stehen auch auf der französischen Dopingliste. Derweil geht Ex-Radprofi Didi Thurau in die Offensive. „Gebt EPO frei. Unter ärztlicher Aufsicht ist das die beste Lösung.“
Wer selbst ab und zu in die Pedalen tritt, kann ob der irrsinnigen Geschwindigkeit nur staunen, mit der die Sportler durchs Gebirge preschen. Diese Quälerei, so die naheliegende Vermutung, kann ohne fremde Hilfe wohl nicht möglich sein. „10 % aller dänischen Lizenz-Radfahrer geben zu, unerlaubte Mittel eingenommen zu haben“, so das Ergebnis einer anonymen Umfrage in Dänemark. Und nur 18 % der Radler hatten Angst, erwischt zu werden.
Aber es sind ja nicht nur die Radfahrer. Kathrin Krabbe, ehemalige Teamkollegin der heute so erfolgreichen Sprinterin Grit Breuer, machte den Wirkstoff Clenbuterol auch der Öffentlichkeit bekannt. Bei Petr Korda wurde während des letztjährigen Wimbledon-Turniers das anabole, also muskelaufbauende Steroid Nandrolon gefunden. Und auch der Fußball gerät in Verruf. Emmanuel Petit, Weltmeister von 1998, behauptet: „Es wird noch so weit kommen, daß wir alle Doping brauchen, um zu überleben. Einige Fußballer tun es schon jetzt. Namen nenne ich nicht.“
Die Liste der Doping-Mittel ist lang, ihre Kontrolle schwierig. Zuständig für Dopingkontrollen ist hierzulande das Bundesinstitut für Sportwissenschaft. Es arbeitet eng mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) sowie mit nationalen und internationalen Fachverbänden zusammen. Sanktionen gegen Doping-Sünder soll künftig eine neugeschaffene Anti-Doping-Agentur überwachen.
Im Auftrag des Deutschen Sport-Bundes (DSB) hat das Doping-Kontrollabor Köln im letzten Jahr 26 Sportler als Doping-Sünder entlarvt, 20 davon in den Disziplinen Gewichtheben und Kraftsport. Weitere 66 positive Proben wurden bei internationalen Wettkämpfen gefunden. Der Mißbrauch von anabolen Steroidhormonen ist trotzdem deutlich zurückgegangen. Die Kölner Doping-Fahnder führen dies auf die abschreckende Wirkung verbesserter Nachweismethoden zurück. Mit Massenspektroskopie (MS), Gaschromatografie und Kohlenstoffisotopen-MS nehmen sie Blut, Haar und Urin unter die Lupe.
„70 % bis 80 % der sportlichen Leistung eines Menschen hängen von seinen Erbanlagen ab“, erklärt Prof. Dirk Clasing, Mitglied der Anti-Doping-Kommission des DSB. Der Rest käme durch jahrelanges Training hinzu, und zwar am besten vom Vorschulalter an. „Wer den Start in der Kindheit verpaßt, hat schon einen Teil der sportlichen Möglichkeiten verspielt.“ Diesen Mangel wollen auch Freizeitsportler medikamentös ausgleichen, vermutet Clasing. Für Leistungs- wie Breitensportler empfiehlt er neben hartem Training die richtige Ernährung mit Kohlenhydraten aus Müesli, Pasta, Obst und Gemüse sowie reichlich Mineralwasser und isotonische Getränke.
„Es sind schon so viele Sportler an den Folgen des Dopings gestorben“, warnt Clasing auch Gelegenheitstäter im Freizeitsport vor den verbotenen Mitteln. Die Gefahr einer Embolie durch EPO oder von Arteriosklerose und Herzinfarkt durch Anabolika sei hoch. Traurige Beispiele seien nicht nur Kugelstoßer Ralf Reichenbach, Hammerwerfer Uwe Beyer oder Bodybuilder Andreas Münster. „Anfang der 90er Jahre hat es zahlreiche Todesfälle unter jungen Radfahrern wegen EPO gegeben“, klagt Clasing.
Die Lebensgefahr, die von Dopingmitteln ausgeht, läßt sich schon an den Nebenwirkungen der Substanzen ablesen. „Frauen im Stimmbruch, unfruchtbare Männer mit starker Brustentwicklung und Akne, Herz-Kreislauferkrankungen oder Schäden am Zentralen Nervensystem sind nur einige Beispiele“, zitiert der Doping-Experte Clasing aus der langen Liste möglicher Folgen.
BETTINA RECKTER
Die Fans lieben die klassische Tour de France – und nicht die „Rollende Apotheke“. Im Labor wird mit immer feineren Methoden nach verbotenen Substanzen gefahndet.
Gesunde Ernährung ist Basis sportlicher Leistung.

Von Bettina Reckter
Von Bettina Reckter

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