Sicherheit

Leiser Kompromiss in Sicht

In Berlins historischer Mitte, am Pariser Platz, ist der Bau der US-Botschaft geplant. Aus Sicherheitsgründen möchten die Amerikaner jedoch zwei Straßen verlegt wissen, was Auswirkungen auf die gesamte Struktur des Platzes und auf alle Anrainer hätte. Daher ist der Senat dagegen. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab.

In der „guten Stube“ Berlins hängt der Haussegen schief. Gemeint ist der Pariser Platz im Herzen der deutschen Hauptstadt. Vom Westen her gelangt man direkt durch das Brandenburger Tor auf den berühmten Platz, zu dessen Anrainern das wieder aufgebaute Haus des Malers Max Beckmann ebenso gehört wie das Hotel Adlon und das Haus Sommer.
Die Stimmung in der historischen Mitte Berlins ist seit einiger Zeit gereizt. Streitpunkt ist die geplante US-Botschaft im Süden des Platzes. Mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen wollen die Vereinigten Staaten ihre Repräsentanz am Brandenburger Tor vor Terror-Anschlägen schützen. Ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept sieht vor, den Südbereich des Pariser Platzes vollständig mit Blumenkübeln aus Beton und Sperrpfosten abzuriegeln. Besonderer Stein des Anstoßes: Der Verlauf zweier angrenzender Straßen, der Ebertstraße im Westen und der Behrenstraße im Süden, soll aus Sicherheitsgründen um rund 30 m versetzt, also weiter vom Gebäude entfernt als bislang, angeordnet werden. Folge: Die Behrenstraße würde künftig über das Gelände des geplanten Holocaust-Mahnmals verlaufen.

Urteile von „stadtunverträglich“ bis „absurde Idee“

Schlicht „stadtunverträglich“ nennt Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) die Pläne und weist darauf hin, dass dadurch die gesamte historische Anlage am Brandenburger Tor verändert würde. Und auch die Nachbarn der künftigen Botschaft sind alles andere als amüsiert. „Was für eine absurde Idee“, meint etwa Lea Rosh, Sprecherin des Fördervereins für das Holocaust-Mahnmal. „Es muss eine andere Lösung geben“, erklärt entsprechend Hans-Gerhard Hannesen, Sprecher der benachbarten Akademie der Künste. Absperrungen dürften nur die Ausnahme sein.
Eine andere Lösung ist jetzt möglicherweise in Sicht. So hat vor einigen Tagen das Berliner Architektenbüro Steinebach & Weber einen Kompromissvorschlag für das Botschaftsgebäude vorgelegt. Demnach würde am Pariser Platz ein wahres Bollwerk mit eigener Sicherheitszone, meterdicken Wänden und kugelsicherem Glas entstehen. „Grundgedanke ist es, Sicherheitsmaßnahmen auf dem Grundstück der Botschaft selbst zu erfüllen“, sagt Karl-Heinz Steinebach. So greift das neue Konzept die Forderung der Amerikaner nach einer rund 30 m breiten Sicherheitszone um das neue Gebäude auf.
Zugleich kommt es aber auch den Wünschen des Berliner Senats entgegen und lässt die angrenzenden Straßen unangetastet. Steinebach und Weber greifen dabei zu einem Trick: Ein 20 m breiter Sicherheitsstreifen wird einfach vom Straßenrand der Ebertstraße weg auf das Grundstück der Botschaft verlegt und in den Gebäudekomplex als „Loggia“ integriert. Zusammen mit dem angrenzenden Bürgersteig ließe sich auf diese Weise die geforderte Sicherheitszone von 25 m bis 30 m relativ leicht herstellen.
Detaillierte Äußerungen aus den Fachverwaltungen des Landes und von den Amerikanern zu dieser Idee gibt es zwar noch nicht, wohl aber zeichnet sich eine positive Grundstimmung ab. „Das ist ein sehr interessanter Plan, der zeigt, dass auch auf dem Gelände selbst noch Varianten möglich sind“, meint zum Beispiel Hans Stimmann, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. „Auch der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen findet das Objekt interessant“, meint Steinebach und fügt hinzu, dass Diepgen mit dem US-Botschafter John Kornblum über den Vorschlag sprechen wolle.
Ein großer Vorteil des Konzeptes von Steinebach & Weber ist, dass die Struktur des vorliegenden amerikanischen Entwurfes im Grundsatz erhalten werden kann. Lediglich die Masse des Gebäudes wird in dem Entwurf anders verteilt. So wird die Gebäudefront an der Ebertstraße auf Kosten des Innenhofes um 20 m nach Osten verschoben. An die Stelle der Fassade tritt eine Wand aus gepanzertem Glas, die wiederum auf einem 4 m hohen Sicherheitssockel ruht. „Er ist so konstruiert, dass er allen Angriffen standhält“, versichert Steinebach.
Da die US-Botschaft an ihrer Ostseite an das Gebäude der DG-Bank grenzt, würde der Sockel lediglich über drei Seiten des Bauwerks, nämlich die Nord-, West- und Südseite verlaufen. Steinebach weist darauf hin, dass eine derartige Sockelkonstruktion in der Berliner Innenstadt keineswegs etwas Neues ist. Ähnliche Konstruktionen weisen auch die britische und die französische Botschaft in der Hauptstadt auf. Historisch gesehen ist dieses architektonische Element den italienischen Palazzi entlehnt

Sockelkonstruktion hält Bomben-Detonation stand

Das Berliner Architektenduo hat alle Eventualitäten einkalkuliert. Käme es tatsächlich zu einer Bombenexplosion am Sockel, so würde die Richtung der Detonation nach oben abgelenkt werden. Auf diese Weise würde die 20 m entfernte Fassade nicht mit direkter Wucht getroffen werden. Nach Steinebachs Worten ist die auch von oben glasgeschützte Loggia in der Lage, eventuelle Schockwellen abzufedern, die eine Explosion begleiten würden.
Ebenfalls als Pufferzone dient der repräsentative Eingangsbereich an der Nordseite der US-Botschaft zum Pariser Platz hin. Er ist von 3 m tiefen Pfeilern geschützt und mündet in einen kleinen Vorhof mit kegelförmiger Eingangshalle.
Das Konzept von Steinebach & Weber würde zwar ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten, hätte aber zur Folge, dass der Innenhof, das „Atrium“, deutlich kleiner wäre als ursprünglich geplant. Mit 15 m hätte er aber immer noch eine Breite, die ausreichen würde, um den östlichen Gebäuderiegel mit Licht zu versorgen.

Im Süden bleibt die Fassade fensterlos – zur Sicherheit

Der Vorschlag der beiden Architekten müsste übrigens nicht zwangsläufig zu einem realen Verlust der Nutzfläche führen. Der Platz, den die Sicherheits-Loggia in Anspruch nehmen würde, könnte in Gestalt von drei zusätzlich aufgesattelten Geschossen im südlichen Bereich an der Behrenstraße wieder gewonnen werden. Dies wäre durchaus möglich, denn die Höhe des Nachbarn, der DG-Bank, würde auch durch drei zusätzliche Geschosse nicht überschritten.
Größere optische Einschränkungen würde das Gebäude allerdings an seiner Südseite erfahren. Hier müsste die Fassade aus Sicherheitsgründen fensterlos bleiben. Eine interessante Gestaltung hält Steinebach aber dennoch für möglich. So sollte nach seinen Vorstellungen die drei Meter dicke Sicherheitswand wie eine Skulptur ausgebildet werden. Vom Gesamtbild her würde diese Skulptur-Wand wie eine Art Rücken zum geplanten Holocaust-Mahnmal auf dem südlich gelegenen Nachbargrundstück jenseits der Behrenstraße erscheinen.
Steinebach und Weber verstehen ihren Entwurf als Kompromiss und Versuch, die in puncto Botschaftsgebäude verhärteten Fronten zwischen den Amerikanern und dem Berliner Senat aufzubrechen. Und hier scheinen die Nerven allerdings tatsächlich in den letzten Wochen blank zu liegen. Teilweise wurde sogar spekuliert, die Amerikaner würden sich ganz von ihrem repräsentativen Standort am Pariser Platz zurückziehen. Entsprechende Zeitungsberichte wies US-Botschafter John Kornblum allerdings postwendend energisch zurück.
T. SCHULZE/wip
Am Pariser Platz, an den das Grundstück für die amerikanische Botschaft angrenzt, möchte der Senat auffällige Sicherheitszonen vermeiden. Das Modellbild zeigt sehr anschaulich, wie die Architekten Steinebach & Weber diese Zone hinter den Säulen anordnet – die Struktur des Platzes bleibt damit erhalten.

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