Sicherheit

Krisenmanagement in Zeiten des Terrors  

Die brennenden Türme des World Trade Centers am 11. 9. 01 nach den Terrorattentaten. Es gab davor und danach noch andere Terrorattentate, und es ist zu befürchten, dass es noch mehr werden. Wie gehen Manager und Unternehmen mit der Gefahr um? Gibt es ein funktionierendes Krisenmanagement?

Früher zum Flughafen fahren die Präsentation im Büro und nicht erst im Flieger ausarbeiten.“ So beschreibt Werner Glockner, wie sich sein Alltag seit dem verhinderten Attentat in London am 10. August verändert hat. Der Vertriebsleiter des Medizintechnikherstellers Arthrocare betreut Osteuropa, den mittleren Osten und Afrika. Da sein Schreibtisch im englischen Harrogate steht, verbringt der Manager viel Zeit in Flugzeugen. Trotzdem sieht Glockner die angespannte Sicherheitslage gelassen. „Ein Kollege hat sich sofort einen kleineren Laptop gekauft, um ihn weiter im Handgepäck mitnehmen zu können“, lacht der 36-Jährige. Diese Maßnahme stellte sich rasch als überflüssig heraus – schließlich erlauben die meisten Airlines wieder ganz normal dimensionierte Laptops an Bord.

Business as usual – so lautet die Devise bei vielen Unternehmen nach „8/10“, wie die britische Presse die Beinahe-Anschläge schon tituliert. Die meisten Konzerne haben lediglich kleine Änderungen in ihren Travel Policies (Reisevorschriften) vorgenommen. So wurden in den vergangenen Wochen vielerorts neue, stahlverstärkte Laptoptaschen angeschafft ¿ für den Fall, dass der Rechner überraschend doch eingecheckt werden muss. Außerdem sind Backups vor Reiseantritt Pflicht. Daneben haben einige Unternehmen die Mitnahme von Originaldokumenten eingeschränkt, da auch hier durch Einchecken das Verlustrisiko steigen würde (seit dem 11. September 2001 dürfen aufgegebene Gepäckstücke auf Flügen in die USA nicht abgeschlossen werden). Die professionelle Reaktion der Wirtschaft zeigt, dass die Lektionen aus dem 11. September 2001 gelernt wurden. „Es ist ein anderes Bewusstsein für potenzielle Risiken eingetreten“, bestätigt Michael Sorge, Head of Corporate Security bei Bayer.

Wie alle großen Dax-Unternehmen ist auch der Konzern gut auf Störungen im Reiseverkehr vorbereitet. Bayer steht im ständigen Kontakt mit Airlines wie mit Flughäfen und stellt seinen Mitarbeitern ständig aktuelle Sicherheitsempfehlungen per Intranet zur Verfügung. „Während der Ereignisse in London haben wir diese Hinweise mehrmals am Tag aktualisiert“, berichtet Sorge. Zusätzlich dazu ist auf den Reiseunterlagen eines Geschäftsreisenden die Telefonnummer der jeweiligen Bayer-Vertretung im Zielland vermerkt – für den Fall, dass keine Internet/Mobilfunk-Verbindung besteht.

Ein Problem indes bleibt in den meisten Unternehmen ungelöst: „Unternehmen wissen oft nicht, wo sich ihre Mitarbeiter überhaupt aufhalten“, sagt Robin Kroha von Control Risks, einem auf Sicherheitsfragen spezialisierten Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in London. Im Krisenfall sei es nach wie vor schwierig, Manager zu kontaktieren. Als Gegenmaßnahme bietet Control Risks einen so genannten Traveltracker an: Auf diesem Internetserver werden sämtliche Reisebuchungen des Unternehmens erfasst. So können Personalabteilungen oder Landesmanager im Falle von Terroranschlägen alle vergangenen und anstehenden Reisebewegungen – einschließlich Hotels, Mietwagen und Flügen – sofort kontrollieren und die betroffenen Mitarbeiter kontaktieren.

Aufholbedarf besteht vielerorts auch beim Info-Management. „Im Notfall müssen sofort per SMS, Fax, Voice- oder E-Mail Handlungsanweisungen geschickt werden können – und zwar automatisch“, beschreibt Kroha den Idealfall. Bei Managern, die in Krisenregionen unterwegs sind, solle man dagegen ein aktives Monitoring einsetzen, so der Experte: Wer nicht alle paar Stunden eine Kontroll-SMS schickt, wird von der Sicherheitszentrale kontaktiert.

Eine Folge von London zeichnet sich indes bereits ab: Manager meiden zunehmend die großen Fluglinien und steigen auf Nischenairlines um. Anbieter wie Eos und Maxjet melden eine wahre Nachfrageexplosion. Diese Firmen bieten Flüge ausschließlich mit Erste-Klasse-Plätzen an. Statt 300 Sitzen gibt es in einer Boeing 757 von Eos etwa nur 48 Liegen. Das ist bequem – und vier Dutzend Mitreisende sind schnell eingecheckt: Während die Flieger der großen Airlines am 8. August – wenn überhaupt – nur mit mehreren Stunden Verspätung starteten, hoben die Luxusmaschinen selbst an diesem Tag im Schnitt nur mit 30 Minuten Verzögerung ab.

Daneben gewinnt die Nutzung eines Privatflugzeugs in Zeiten des Terrors an Attraktivität. Denn wer mit der firmeneigenen Maschine fliegt, checkt an einem gesonderten General Aviation Terminal ein. Hier gelten zwar die gleichen Sicherheitsbestimmungen, doch anders als etwa bei Linienflügen in der ersten Klasse, muss der Reisende nicht warten, bis alle Economy-Class-Passagiere eingestiegen sind.

Fest steht allerdings auch: Anders als nach dem 11. September oft propagiert, führt die neue Unsicherheit nicht dazu, dass Geschäftsreisen nach und nach durch Videokonferenzen abgelöst werden, Bayer-Sicherheitschef Sorge: „Die Reisetätigkeit im Kundengeschäft hat nicht abgenommen.“

CONSTANTIN GILLIES

Stählerne Laptop-Taschen wurden angeschafft, Back-ups vor der Reise sind Pflicht

Von Constantin Gillies

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