Gesundheit

Kostenstreit um Gesundheitskarte  

VDI nachrichten, Berlin, 20. 10. 06, ber – Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte erwartet eine Kostenexplosion. So soll die elektronische Gesundheitskarte nicht wie geplant 1,4 Mrd. €, sondern mindestens 3,9 Mrd. € kosten. Das Bundesgesundheitsministerium wies die Angaben zurück.

Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte wird möglicherweise erheblich teurer als geplant. Eine Kosten-Nutzen-Analyse, die die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) bei Booz, Allen, Hamilton in Auftrag gegeben hatte, rechnet mit Kosten von 3,9 Mrd. €, im ungünstigsten Fall sogar von 7 Mrd. €. Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Das Bundesgesundheitsministerium geht nach wie vor von 1,4 Mrd. € aus.

Die elektronische Gesundheitskarte soll Rezepte sowie Notfalldaten von Patienten wie Blutgruppe oder Medikamentenallergien speichern.

Ursprünglich sollte sie Anfang 2007 flächendeckend eingeführt werden. Mittlerweile erwarten die Planer im Gesundheitsministerium den Start für 2009.

Die Gesellschafter der Gematik, die die elektronische Gesundheitskarte einführen soll, sind die Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens.

Laut Studie liegen die Kosten sogar noch um 800 Mio. € höher, wenn die Einführungsphase mit dann 5,2 Mrd. € auf fünf Jahre gestreckt wird und noch keine Einnahmen erzielt. Erst nach zehn Jahren sollen sich Kosten und Nutzen mit rund 14 Mrd. € die Waage halten.

Das Bundesgesundheitsministerium wies die Berechnungen der Studie als „fehlerhaft“ zurück. Ministeriumssprecher Klaus Vater erklärte, dass die „Kosten falsch angesetzt und Entlastungswirkungen vergessen“ worden seien.

So ginge die Kosten-Nutzen-Analyse von einem Kartenpreis von 5 € aus. Mittlerweise sei dieser jedoch auf weniger als 2 € pro Karte gesunken. Auch berücksichtige sie etwaige Einsparungen durch verbesserte Missbrauchbekämpfung nicht. Nach Angaben der Krankenkassen entsteht durch eine missbräuchliche Kartenverwendung jedes Jahr ein Schaden von 1 Mrd. €.

In einem ersten großen Pilotprojekt werden nun das elektronische Rezept und die Patientenakte getestet. Nach den Vorgaben der Gematik und des Bundesgesundheitsministeriums wird T-Systems zusammen mit seinen Partnern Oracle, Siemens, Hewlett Packard, Wincor Nixdorf und TietoEnator in Bottrop das Pilot-Gesundheitsnetz „prosper“ der Knappschaft Bahn See aufbauen.

75 Ärzte und Apotheker, das Knappschaftskrankenhaus und 20 000 Versicherte werden an dem bislang größten Gesundheitskartenprojekt teilnehmen. Laut T-Systems soll mit der Einführung der bundesweit gültigen Gesundheitskarte im Jahr 2009 abgeschlossen werden. Über die Kosten schweigen sich die Projektteilnehmer aus. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI/ber

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