Sicherheit

Kein Feldversuch mit neuem Biometriepass  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 9. 05 – Ab November sollen die neuen Biometriepässe für mehr Sicherheit im Kampf gegen Terrorismus und Organisierte Kriminalität sorgen – das zumindest hofft Bundesinnenminister Otto Schily. Eine groß angelegte Studie sollte das wissenschaftlich untermauern. Kritiker halten die derzeitigen Systeme allerdings noch nicht für verfassungskonform. Für einen Feldtest allerdings fehlt die Zeit.

Das Biometrie-Forschungsprojekt „Bio PII“ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gilt als wichtigster wissenschaftlicher Test vor der Einführung des Biometriepasses. Demnach können Fingerabdrücke am zuverlässigsten einer Person zugeordnet werden. Gesichtserkennung ist generell leistungsfähiger als die Iriserkennung, doch bei Erhöhung des Sicherheitsniveaus nimmt deren Leistungsfähigkeit stärker ab als bei Fingerabdruck- und Iriserkennungssystemen.

Seit August 2004 hatten am Frankfurter Flughafen 2081 Flughafenmitarbeiter der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport und der Lufthansa biometrische Verfahren für die Merkmale Fingerabdruck, Gesicht und Iris getestet. Die Mitarbeiter mussten ihre biometrischen Merkmale von den vier Systemen erfassen lassen. Im Gegenzug erhielten sie eine Ausweiskarte, die mit der Identifikationsnummer auf einem RFID-Funkchip versehen war. Mit Hilfe der Nummer wurden die Live-Daten mit den passenden Biometriedaten aus einer Datenbank abgeglichen. War der Abgleich erfolgreich, leuchtete ein grünes Lämpchen. Gab es Probleme, leuchtete es rot. Zwei Fingerabdrucksysteme von der Bundesdruckerei/NEC und der Firma Dermalog, ein Gesichtserkennungssystem der Firma Cognitec und ein Iriserkennungssystem von SD Industries wurden unter Laborbedingungen erprobt.

Verlangte eine Person Durchlass, nahmen die Systeme ihre biometrischen Daten auf, um sie mit bereits gespeicherten Daten abzugleichen. Dabei wurden die Live-Daten nicht nur gegenüber den Komplettdaten von Gesicht, Finger und Iris abgeglichen, sondern auch gegenüber herstellerspezifischen Templates, die nur Teildaten des Fingers, des Gesichts und der Iris enthalten. Erwartungsgemäß schnitten die Templates im Testbetrieb etwas besser ab, gleichwohl werden in der internationalen Praxis des Grenzverkehrs die Komplettdaten benutzt werden.

Die Erkennungsleistung der Systeme hängt davon ab, wie hoch das Sicherheitsniveau ist bzw. wie viele Personen fälschlicherweise akzeptiert werden dürfen. Dies wird mit der so genannten Falschakzeptanzrate (FAR) ausgedrückt. Durfte im Test eine Person von Hundert passieren (FAR = 1 %), erkannten die Gesichtserkennungssysteme zwischen 1 % und 7 % der Personen fälschlicherweise nicht (Falschzurückweisungsrate FFR). Durfte nur eine Person von 100 000 passieren (FAR = 0,001 %), wiesen die Systeme immerhin zwischen 15 % und 50 % der Personen fälschlicherweise zurück.

Bei den Erkennungssystemen für den Fingerabdruck bewegte sich die Rate bei einer FAR von 1 % zwischen 0 % und 5 %, bei einer FAR von 0,001 % verschlechterte sich der Wert auf 2 % bis 10 %. Die Iriserkennung veränderte sich hingegen mit einem Wert zwischen 2 % und 23 % kaum.

Die BSI-Studie kommt zu dem Schluss: „Biometrische Verfahren können die Identitätsprüfung anhand von Personaldokumenten wirksam unterstützen.“ Doch während die BSI-Studie die getesteten Systeme grundsätzlich für geeignet hält, kommt die vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Machbarkeitsstudie „Digitaler Personalausweis“, die bereits im Februar 2004 fertig gestellt, aber erst im Juni 2005 als Buch veröffentlicht wurde, zu einem anderen Schluss: Demnach ist der Einsatz biometrischer Erkennungssysteme nur dann verfassungskonform, wenn die FAR „deutlich unter 1 %“ liegt, denn nur dann dürfte sie auch dem visuellen Vergleich zwischen Passbild und Person deutlich überlegen sein. Co-Autor Alexander Roßnagel begründet dies damit, dass ein Verfahren, das die informationelle Selbstbestimmung von Bürgern einschränkt, einen gewissen Mehrwert haben muss, um noch verfassungskonform zu sein.

Auch die Falschzurückweisungsrate spielt bei der grundrechtlichen Bewertung eine Rolle: Sind die Ablehnungsraten zu hoch und intensive Nachkontrollen nötig, könnte dies eine effektive Ausweiskontrolle in Frage stellen. Allein eine FRR von 1 % würde im Frankfurter Flughafen täglich rund 1000 Fehlalarme verursachen. Für Roßnagel ist daher klar: „Somit dürfte auch die FRR nicht wesentlich über 1 % liegen.“ Wie die BSI-Studie jetzt jedoch zeigte, ist dies technisch noch nicht möglich. Wie Roßnagel empfehlen daher auch die Autoren der BSI-Studie einen groß angelegten Feldversuch. Dafür dürfte jetzt die Zeit allerdings bereits zu knapp sein. Der Feldversuch wird die Einführung selbst sein.

C. SCHULZKI-HADDOUTI

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