Sicherheit

Katastrophenschützer fordern mehr Raum für Wasser  

VDI nachrichten, Darmstadt, 16. 5. 08 – Statt allein auf Dämme, Schleusen und Mauern zu vertrauen, setzen Experten beim Hochwasserschutz zunehmend auf ganzheitliche Prävention. Auch das deutsch-niederländische Projekt „Nature Oriented Flood Damage Prevention“ (NOFDP) hat sich diesem Ziel verschrieben.

Nach NOFDP-Angaben gab es 120 Hochwasserereignisse in den vergangenen zehn Jahren in Europa. Mehr als 1,7 Mio. Menschen waren betroffen. Die Schäden beliefen sich auf rund 30 Mrd. €. „Integrierte Wasserbewirtschaftung ist das entscheidende Paradigma“, betont Manfred Ostrowski, Geschäftsführer des Instituts für Wasserbewirtschaftung und Ingenieurhydrologie an der Technischen Universität in Darmstadt (TUD), angesichts dieser Zahlen. Auf einer NOFDP-Fachtagung in Darmstadt Ende April ging es um Maßnahmen und Instrumente, die Hochwasserschutz mit den Interessen der Raumplanung und ökologischen Belangen in Einklang bringen können. Die TUD gehört neben vier deutschen und niederländischen Gewässerverbänden, dem Land Hessen, der Provinz Nord Brabant und der Bundesanstalt für Gewässerschutz zu den NOFDP-Projektpartnern. Man könne die Natur nicht wieder herstellen, so Ostrowski, aber möglichst viel von ihr erhalten.

Ein stärkeres öffentliches Bewusstsein und die Sensibilisierung der Raumplaner für natürliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz fordert Evalyne de Swart vom niederländischen Beratungsunternehmen Grontmij. Niedrige, lockere Uferbefestigungen, Wiederanpflanzungen, die Wiederherstellung des ursprünglichen Flusslaufs und ein gezieltes Management der Auen sind nach Meinung der Fachfrau Methoden, um das Wasser sicher und umweltverträglich zurückzuhalten.

Nur 2 % der europäischen Flüsse sind nach Swarts Angaben noch naturbelassen. Gerade Flussauen jedoch beheimaten nicht nur biologisch wertvolle Ökosysteme. Die Grünflächen am Wasser senken nach Beobachtung der Fachleute auch das Hochwasserrisiko deutlich.

Auen sorgen mit ihren Reliefstrukturen dafür, dass das Wasser mehr Raum bekommt und der Wasserspiegel langsamer und unregelmäßiger steigt. Verstärkt werden kann dieser Effekt durch Auenwälder, die die Flutgeschwindigkeit senken und verhindern, dass die Wasserhöhe sich schnell ausgleicht.

„Das Wasser wird in den Auenwäldern magaziniert“, erklärt Emil Diester, Professor am WWF-Aueninstitut. Am Rhein könnten Auenwälder die Wassermenge von Pegel zu Pegel um rund 500 m3 senken.

Die Renaturierung von Auenlandschaften bringt noch weitere Vorteile. Bessere Freizeitmöglichkeiten, eine schönere Landschaft, eine kostengünstigere Wasserreinigung und ein erhöhtes Schilfaufkommen für die Produktion von Biokraftstoffen gehören für Evalyne de Swart mit in die Kosten-Nutzen-Analyse beim umweltverträglichen Hochwasserschutz. Die Wiederherstellung von stehenden Gewässern, wie im niederländischen Willingerwaard werde auch von der Bevölkerung honoriert und als Erhöhung der Lebensqualität empfunden.

„Ein Hochwassersystem muss sich auch als wirtschaftlich erweisen“, sagt Karen Potter von der Universität in Liverpool. Damit aus einem „uninteressanten Stück Gras“ zugleich ein Rückhalteraum für Hochwasser und ein neuer Erholungsraum für die Menschen werden kann, ist nach ihrer Meinung vor allem auch die Einbeziehung der Raumplanung zu einem frühen Zeitpunkt notwendig.

„Raumplaner haben unheimlich viele Möglichkeiten, an der Hochwasserprävention mitzuwirken.“ Egal, ob es um das Auffüllen von alten Bergwerken und Steinbrüchen mit Wasser oder um die Wiederherstellung von Flussauen gehe: Wichtig sei das Zusammenwirken von Planern, Politikern und Betroffenen. Der rein technische Ansatz, sagt Potter, sei zu eindimensional.

Innovative Wege im Hochwasserschutz ist zum Beispiel die „Quaggy Waterways Action Group“ im Südosten Londons gegangen. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass Teile des Flusses Quaggy, ursprünglich zu 37 % bedeckt und zu 25 % bedeckt und bebaut, in ihren ursprünglichen Lauf zurückgeführt und seine Auen ausgehoben, abgesenkt und renaturiert wurden.

Entlang des Quaggy stehen damit nach Potters Angaben nun in Flutzeiten Stauräume zur Verfügung, die binnen 22 Stunden 85 000 m3 Wasser binden können. Einer von ihnen ist Sutcliffe Park, der mittlerweile zu einer urbanen Oase geworden ist. „Wir brauchen Modellprojekte, die als Vorreiter dienen können“, betont Potter. Klare politische Vorgaben für eine grüne Infrastruktur, Umdenken bei den Verantwortlichen und die Einbeziehung der Raumplaner vor Ort waren bei der Realisierung von Sutcliffe Park Schlüssel zum Erfolg.

Über positive Einzelbeispiele hinaus sind im Hochwasserschutz übergeordnete Strategien und Ziele erforderlich. In Deutschland schreibt der Gesetzgeber deswegen die Schaffung von Überschwemmungsbereichen als verbindliche Ziele der Raumplanung fest. Entscheidend ist es für Michael Bongartz, Baudirektor bei der Bezirksregierung in Münster, großräumig zu denken. Denn: „Gewässer kennen keine Verwaltungsgrenzen.“ JUTTA WITTE

 

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