Arzneimittel

„Jetzt muss der Markt entscheiden“

Bis vor wenigen Wochen war Sanofi-Synthélabo nur unter Pharma-Experten und Börsen-Insidern bekannt. Mit der Attacke auf Konkurrent Aventis hat sich das schlagartig geändert. Seit Dienstag können Aventis-Aktionäre ihre Papiere an das Pariser Unternehmen verkaufen. Gelingt die feindliche Übernahme?

Der Milliardenpoker um Aventis geht in die entscheidende Runde. Das Pariser Pharmaunternehmen Sanofi verzichtet zunächst auf ein höheres Übernahmeangebot und will die Aktionäre stattdessen mit besseren Zukunftsperspektiven überzeugen.
Der französische Pharmakonzern habe so viele neue Medikamente in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase, dass man gar nicht genug Geld für die Markteinführung habe, erklärte Forschungsvorstand Gérard Le Fur am Montag vor der Presse in Paris. „Das ist einer der Hauptgründe, warum wir das Angebot gemacht haben.“
Nach Angaben des Forschungschefs hat allein das Mittel Rimonabant gegen Übergewicht und Nikotinsucht ein „Multimilliarden-Dollar-Potenzial“. Sanofi habe insgesamt 56 neue Substanzen in der Forschungspipeline. Zwei neue Blockbuster könnten in schon zwei Jahren den Umsatz weiter ankurbeln. Diese „sehr produktive“ Entwicklungsarbeit sei der Garant eines nachhaltigen Wachstums, erklärte Konzernchef Jean-Francois Dehecq.
Der Top-Manager bemühte sich erneut, Befürchtungen über einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland im Falle einer Übernahme zu zerstreuen (siehe auch Kasten). Man werde die unterschiedlichen Kulturen respektieren. Er begrüße die Aussicht auf einen starken deutschen Standort für F&E.
Nach Vorlage der 48-Milliarden-Euro-Offerte für den deutsch-französischen Konzern vor drei Wochen ist der Aktienkurs von Sanofi eingeknickt, Aventis legte dagegen kräftig zu. Am Freitag war das feindliche Übernahmeangebot deshalb nur noch 46,2 Mrd.  € wert. Dehecq sagte, diese Entwicklung sei angesichts der Spekulationen über einen Weißen Ritter normal.
Doch nachdem jetzt die Bilanzen und die Aussichten auf neue Medikamente für beide Unternehmen vorlägen, „wird der Finanzmarkt entscheiden“. Aventis-Aktionäre können ihre Papiere ab sofort an den Pariser Konkurrenten verkaufen, der fünf eigene Aktien und 69  € in bar für sechs Aventis-Aktien bietet.
Zahlreiche Analysten erwarten aber, dass Sanofi vor allem beim Baranteil seiner Offerte noch draufsatteln wird. Edmund Shing von Kepler sagte der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones: „Was der Markt wirklich will, ist ein verbessertes Angebot.“            ap/ps

 

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