Sicherheit

Ingenieure lassen bei Bayer nichts anbrennen

Verfahrenstechnische Prozesse in der chemisch-pharmazeutischen Industrie verlangen durchdachtes Sicherheitsmanagement. Bei der Bayer AG sorgen Prof. Dr.-Ing. Volker Pilz und sein Team dafür, das Unfall-und Störfallrisiko auf ein Minimum zu reduzieren.

Als zu Beginn der 70er Jahre die Atomkraft breite Kreise der Bevölkerung zu polarisieren begann, machten die Forderungen nach größtmöglicher Sicherheit an den Toren der Kernkraftanlagen nicht Halt. Insbesondere die Störfälle in Flixborough (1974) und Seveso (1976) schürten die Ängste vor Unfällen ähnlichen Ausmaßes in deutschen Chemieunternehmen. Sicherheit sollte festen Strukturen unterliegen, sie sollte zu „managen“ sein. „Es war mein Anliegen, Verfahren zu gestalten, dass Gefährdungsmöglichkeiten von vornherein auf ein Mindestmaß reduziert wurden, um Sicherheitsprobleme von vorn herein auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Dahinter stand der Gedanke, dass Gefahren nie zu 100 % auszuschließen sind“, erinnert sich Prof. Dr.-Ing. Volker Pilz an die Anfänge der Abteilung für Verfahrens- und Anlagensicherheit im Zentralbereich Ingenieurwesen der Bayer AG, die Ende der 70er Jahre in Leverkusen ins Leben gerufen wurde.
Nicht der Stoff an sich stellt primär die Gefahrenquelle dar, sondern seine Handhabung und Beanspruchung in chemischen Prozessen, lautete der Ansatz, mit dem sich das Pilz-Team an die Arbeit machte. „Partieweise betriebene Verfahrensprozesse in großen Volumina stellen naturgemäß ein größeres Gefährdungspotential dar als kontinuierliche Prozesse in möglichst kleinen Volumina“, beschreibt Pilz eine wesentliche sicherheitstechnische Neuorientierung. Dabei ist es wichtig, über das Regelwerk hinaus zu denken und zu planen. Stand früher die Erfüllung der Vorschriften im Mittelpunkt, lautet heute die Zielsetzung, Gefährdungspotentiale so klein wie möglich zu halten und die Problemfelder rechtzeitig zu erkennen und auszumerzen. Dabei bleibt die Fehlersuche nicht allein hoch qualifizierten Fachleuten überlassen. Die Sicherheitsvorkehrungen und -hinweise sind so transparent, dass auch der einfache Sachbearbeiter in der Lage ist, die Fehlerquelle zu finden.
Inzwischen sind 20 kluge Köpfe – Ingenieure, Chemiker und Physiker – allein damit beschäftigt, sich kontinuierlich Gedanken über sichere Verfahren und Abläufe zu machen. Inklusive der Werksfeuerwehr, der technischen Überwachung und der Kollegen der Arbeitssicherheit gehören insgesamt 700 Bayer-Mitarbeiter dem Zentralen Fachbereich Sicherheit an, für den Prof. Pilz fachlich verantwortlich ist. Allein dieser Bereich verschlingt im Jahr etwa 150 Mio. DM. In dieser Summe sind die Sicherheitsstellen der einzelnen Geschäftsbereiche noch nicht enthalten.
Trotz des großen Aufwandes konnten gesellschaftliche Bedenken nicht ausgeräumt werden. Pilz: „Viele Ereignisse sind in den Medien übetrieben dargestellt worden, was wesentlich zur allgemeinen Verunsicherung in der Bevölkerung beigetragen hat. Allerdings war die Diskussion um die Chemie niemals so totalitär wie gegen die Atomkraft. Chemie ist eben allgegenwärtig. Ohne sie ist das Leben heute nicht mehr denkbar.“ Deshalb müssen die Chemieunternehmen durch eine offene und glaubwürdige Informationspolitik dazu beitragen, dass die Diskussion versachlicht wird.“
Eine typisch deutsche Mentalität erschwert dem 59-jährigen Ingenieur das Arbeitsleben weitaus mehr. „Der Hang, alles zu reglementieren, gipfelt gerade bei Sicherheitsfragen in einem wahren Wust an Vorschriften, die zudem selten aufeinander abgestimmt sind. Da kommen mitunter drei oder vier Termine zusammen, die auch mit einer Prüfung zu erledigen wären.“
Aber so habe eben jedes Land mit seinen Mentalitäten und seiner Historie zu kämpfen. In England folge auf ein Gutachten in schöner Regelmäßigkeit ein Gegengutachten, da manchmal die gesetzliche Fixierung fehle. Ein Vorgehen, das hierzulande dank großer Rechtssicherheit im konventionellen Technikbereich eher die Ausnahme sei. Werde erst Brüssel europaweite Mindeststandards vorgeben, werde Deutschland sich kaum mit den neuen Gesetzen begnügen, sondern wahrscheinlich „noch einen draufsatteln“. Grundsätzlich begrüßt Pilz aber klare Sicherheitsregelungen.
1978 hat sich Bayer mit seinen „Leitlinien für Verantwortliches Handeln bei Umweltschutz und Sicherheit“ eine eigene betriebsinterne „Verfassung“ gegeben. Alle Verfahren sind demnach vor ihrer Realisierung einer sicherheitstechnischen Überprüfung zu unterziehen. Pilz schließt nicht aus, dass einige Entwicklungen durch hohe Sicherheitsauflagen zu Fall gekommen sind. „Unser Vorstand entscheidet über die Ausführung neuer Investitionsprojekte. Dabei sind neben der Wirtschaftlichkeit auch Ökologie und Sicherheit wichtige Parameter, die zur Entscheidung herangezogen werden.“
Die Leitlinien gelten für alle Bayer-Niederlassungen weltweit. „Wir sind bemüht, überall das gleiche Sicherheitsniveau zu gewährleisten, was angesichts der verschiedenen gesetzlichen Vorgaben, Arbeitsbedingungen und Mentalitäten nicht immer ganz leicht ist.“ Wo auch immer – der Mensch gilt häufig als Unsicherheitsfaktor Nummer eins. Ein Kanon, in den Pilz nicht einstimmen will. „Der Mensch hat den wesentlichen Vorteil, kreativ zu sein. Er kann im Störungsfall intelligent ereignisbegrenzend eingreifen. Die Mechanik dagegen agiert oder reagiert nach Stereotypen.“ Menschen werden auch künftig nicht zu ersetzen sein. Skeptisch beurteilt Pilz allerdings den Einsatz von Ingenieuren der ausschließlichen Fachrichtung Sicherheitstechnik. „Das Fachwissen von Maschinenbau- oder Chemie-Ingenieuren ist bei Sicherheitsfragen sicherlich mindestens so nützlich wie das der nur in Sicherheitstechnik ausgebildeten Ingenieure. Oft werden die besten sicherheitstechnischen Lösungen durch geänderte Prozesstechnik erzielt.“
Die Neigung zur Schwarzmalerei ist für Pilz kein berufliches Hemmnis. „Ich bin eher ein Pessimist. Im Gegensatz zu meiner Frau meide ich alle Unwägbarkeiten und ziehe die akkurate Planung vor. Vielleicht bin ich eben das Opfer meines Berufes.“ WOLFGANG SCHMITZ
Die ständige Überprüfung der Anlagen ist Standard an allen Standorten der Bayer AG – wie hier bei der Luftmessung im Werk Brunsbüttel.
Prof. Dr. Volker Pilz: „Die Gefährdung auf ein Mindestmaß reduzieren.“

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