Gesundheit

In Krankenhäusern schlummert ein Sparpotenzial von 5 Mrd. Euro

Die Kosten deutscher Krankenhauser könnten bis 15 % niedriger sein, wenn zeitgemäße Informationstechnologie genutzt würde. Bei einem Krankenhausanteil von 32 % an den jährlichen 142 Mrd. ¬ Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen ergibt dies ein beträchtliches Einsparungspotenzial. Axel Baur, Detlev Ruland und Mathias Tötzke erläutern nachfolgend die Ergebniss der entsprechenden Studie von McKinsey.

Das deutsche Gesundheitswesen steht vor einer seiner größten Herausforderungen: Steigende Kosten bei den Leistungen stehen immer niedrigeren Beitragseinnahmen der Krankenkassen gegenüber.
Es sind vor allem die Krankenhäuser, die von dieser Entwicklung betroffen sind. Mit rund 32 % Anteil an den 142 Mrd. Euro jährlichen Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung verursachen sie einen der größten Kostenblöcke. Dabei könnten gerade die Krankenhäuser durch intelligenten Einsatz von Informationstechnologie enorme Einsparungen erzielen. Die Mehrzahl der Häuser allerdings hinkt der technischen Entwicklung hinterher.
Informationstechnologie in Krankenhäusern? Das klingt nach Apparatemedizin, nach Computern, hinter denen der Patient in seinem Krankenbett verschwindet. Aber auch nach Verwaltung, die ohne elektronische Datenverarbeitung nicht mehr denkbar wäre.
Informationstechnologie findet heute durchaus im Krankenhauses Verwendung, in der direkten Versorgung der Patienten ebenso wie in Organisation und Verwaltung der anfallenden Daten. Und dennoch: Die meisten der rund 2200 Krankenhäuser in Deutschland lassen große Teile des Potenzials, das in der Informationstechnologie steckt, ungenutzt.
Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zeigt, dass 5 % bis 15 % der gesamten Krankenhauskosten eingespart werden könnten, wenn die Synergiemöglichkeiten von IT konsequenter erkannt würden. Bei mehr als 50 Mrd. € Netto-Gesamtkosten der Krankenhäuser ergäbe dies ein Einsparpotenzial von rund 5 Mrd. €.
Diese Einsparungen sind dringend nötig. Ohne den effizienten Einsatz von Informationstechnologie werden zahlreiche Häuser dem zunehmenden Wettbewerbsdruck nicht mehr standhalten können. Vor allem die aktuellen Veränderungen wie die Einführung der Fallpauschalen (Diagnoses-related Groups DRG) in der Behandlung der Patienten erfordern Umstellungen in Richtung größerer Transparenz von Kosten und Leistungsqualität. Für viele kleine, auf sich gestellte Häuser wird diese Aufgabe nur schwer zu bewältigen sein. Krankenhäuser werden daher in Zukunft mehr und mehr in Ketten organisiert sein, die nach einer übergreifenden Prozess-Steuerung mit Hilfe von IT rufen.
Dass Informationstechnologie in Krankenhäusern bislang unterrepräsentiert ist, belegt ihr Kostenanteil am Gesamtbudget. Er liegt derzeit bei durchschnittlich rund 3 %. Eine kleine Zahl im Vergleich zu 8 % im Banken- und Versicherungssektor und 10 % in der Telekommunikation.
Der Einsatz des Computers in Krankenhäusern konzentriert sich bislang auf das Back Office, beispielsweise die Finanz- und Personalverwaltung, und auf isolierte medizinische Anwendungen, zum Beispiel in Labor- und Radiologiesystemen. In Zukunft muss sich dieser Fokus verlagern, und zwar in Richtung „Kerngeschäft“, was bei Krankenhäusern nichts anderes heißt, als die erfolgreiche Versorgung der Patienten.
Intelligent eingesetzte IT ermöglicht beispielsweise das Vernetzen medizinischer Daten über alle Abteilungen. Das spart Zeit und Kosten und minimiert zugleich mögliche Eingabefehler. Außerdem können überflüssige Doppeluntersuchungen von Patienten vermieden werden. Ein elektronisches Patientenabrechnungssystem sorgt für zeitnahe und verursachergerechte Abrechnung der Behandlungskosten.
Mit Hilfe von IT kann zudem die Verwaltung verschlankt werden. Das Zusammenführen von Beschaffung, Materialwirtschaft und Abrechnungswesen hilft, niedrigere Einkaufspreise zu erzielen. IT ermöglicht es, analog zur Kostenträgerrechnung Transparenz über die Kosten und Leistungen für einen Patienten herzustellen.
Der erfolgreichen Implementierung solcher Programme zur Produktivitätssteigerung stehen allerdings häufig Management-Fehler und mangelnde Kenntnis im Umgang mit IT im Wege.
„IT-Investitionen haben häufig nicht den erwarteten Produktivitätszuwachs gebracht“, beschreibt die McKinsey-Studie die Situation in vielen Krankenhäusern. Dies hat vielfältige, immer wieder anzutreffende Gründe:
– Der Einsatz von IT konzentriert sich häufig noch zu stark auf die reine Verwaltung des Krankenhauses. Statt dessen sollte versucht werden, direkt die Leistungen für die Patienten zu verbessern, zum Beispiel über eine krankenhausübergreifend vernetzte elektronische Patientenakte.
– Zudem ist IT für Krankenhäuser bisher keine Kernkompetenz und das Know-how im Krankenhaus verstreut. Viele IT-Entscheidungen werden von interessierten Ärzten oder Verwaltungsangestellten getroffen, meist eher als Bauchentscheidung denn als Nutzen/Kosten-Abwägungen.
– Außerdem kann man auf dem Software-Markt für Krankenhäuser – verglichen mit anderen Branchen wie Telekommunikation oder Banken – zu wenige ausgereifte Lösungen finden. Die wenigen übergreifenden Systeme (mit Abdeckung der kompletten Krankenhaus-Prozesse) wie GWI oder Boss sind nur unter großem Aufwand mit Spezialanwendungen integrierbar, und die Anbieter haben bisher zu integrierten und umfassenden Lösungen kaum standardisierte Konzepte vorgelegt.
Insofern spiegelt die Anbieterseite mit vielen kleinen Software-Unternehmen den unausgereiften IT-Einsatz in Krankenhäusern wider. Bislang existieren zwei grundsätzlich verschiedene Arten von IT-Systemen: Die so genannten monolithischen Systeme decken zwar einen Großteil der Funktionen und Prozesse in einem Krankenhaus ab, sind aber unflexibel, was die Erweiterung für neue Aufgaben betrifft. Spezialmodule anderer Hersteller können nur schwer in das vorhandene System eingebaut werden. Jede Anpassung, beispielsweise an veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen wie die Einführung der Fallpauschalen, ist mit einem enormen Aufwand an Know-how verbunden.
Flexibler sind hier die so genannten modularen Systeme. In ihnen ist eine Erweiterung um zusätzliche Module und Speziallösungen jederzeit möglich, vorausgesetzt, das System wird gepflegt und regelmäßig aktualisiert. Aus diesem Grund werden derartige Systeme eher von größeren Krankenhäusern und Krankenhausketten eingesetzt, die sich eine eigene IT-Abteilung leisten können.
Als oberster Grundsatz für die gesamte IT in den Krankenhäusern gilt, dass klare Managementprozesse erarbeitet werden müssen. Eine Road-Map beispielsweise dient dazu, den genauen Ablauf des Implementierens festzulegen. Der Rückgriff auf bewährte Technologien kann helfen, das Risiko eines Fehlschlags zu reduzieren.
Wichtig ist auch, dass Ärzte, Pfleger und Verwaltung in die Prozesse eingebunden werden. Krankenhäuser ersparen sich dadurch Motivationsprobleme, die sich später im Umgang mit der IT ergeben würden.
Damit die Informationstechnologie auch auf Dauer erfolgreich bleibt, ist Wartung, ständiges Aktualisieren und Pflegen von Software und Hardware, unumgänglich. Aufgabe der so genannten IT-Governance ist es zu klären, wie viel Personal zu diesem Zweck im Krankenhaus selbst benötigt wird, und welche Aufgaben von externen Unternehmen in Anspruch genommen werden sollten.
Die vielfältigen Schritte zeigen, welche Mammutaufgabe hinter dem Ausbau von IT in Krankenhäusern steckt. Dennoch bieten sich vielfältige Perspektiven. Sie zu nutzen zählt zu den großen Herausforderungen der nahen Zukunft. Nur diejenigen, die den technologischen Zug jetzt nicht verpassen, werden in der Lage sein, in einer sich verändernden Krankenhauslandschaft konkurrenzfähig zu bleiben.
AXEL BAUR, DETLEV RULAND,
MATHIAS TÖTZKE
Eine kräftigende Finanzspritze könnte dem deutschen Gesundheitssystem nur gut tun. Die Experten der Unternehmensberatung McKinsey haben herausgefunden, dass allein durch die Implementierung – und damit Verbesserung der Effizienz – von Informationatechnologien in die 2200 Krankenhäuser rund
5 Mrd. € jährlich eingespart werden könnten. Foto: Zürich Gruppe

Konsequenter Einsatz von It senkt Kosten und nützt dem Patienten

Ein Beitrag von:

  • Mathias Tötzke

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