Arzneimittel

Impfstoff gegen Virus X gesucht

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 2. 04 -Forscher untersuchen die Erreger der verheerenden „Spanischen Grippe“ von 1918. Sie erhoffen sich daraus Hinweise zur Entwicklung von Arzneien gegen die Vogelpest.

Wie der Feind aussehen wird, weiß niemand. Dass er kommt, wird aber wahrscheinlicher. Bereits 14 Menschen sind in Vietnam dem Erreger der Vogelgrippe zum Opfer gefallen. In Thailand sind fünf gestorben, weil sie sich mit dem Virus H5N1 angesteckt hatten.
Nun befürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Vogelgrippe den Menschen befällt: Mit jedem kranken Menschen steigt das Risiko. Derzeit bewege sich das menschliche Grippevirus H3N2 von Europa und den USA aus in Richtung asiatischer Kontinent, wo es auf die Geflügelpest treffen könne, sagte WHO-Vertreter Sigeru Omi vergangene Woche. So könne eine Grippe entstehen, „die das Potenzial hat, Millionen zu töten“.
Weltweit suchen Virologen nach einem Impfstoff. Doch wie entwickelt man ein Serum gegen einen unbekannten Virus-Mischling? „Wir haben keine andere Wahl, als die Spuren, die H5N1 hinterlässt, so genau wie möglich zu studieren“, sagt Michael Pfleiderer, Leiter des Fachgebiets Virale Impfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt. Im Ernstfall werde es entscheidend sein, viele Schwachstellen des neuen Virus zu kennen.
Hinweise auf den Erreger suchen Forscher auch im Jahr 1918. Mit 20 bis 40 Mio. Toten weltweit forderte damals die „Spanische Grippe“ mehr Opfer als der Erste Weltkrieg. Allein in Deutschland wurden 225 000 Grippetote registriert.
Später identifizierten Forscher ein Grippevirus als Erreger, das von Vögeln auf Schweine übergesprungen und zum Menschen gewechselt war und dort eine Epidemie verursachte – ähnlich wie die Forscher es jetzt befürchten. Virologen wüssten nun allzu gern, welche Änderungen im Erbgut die „spanischen“ Mikroben so extrem scharf gemacht haben. Denn nur ein Feind, den man gut kennt, lässt sich kontrollieren. Aus uralten Gewebeproben haben Forscher jetzt wichtige Teile der Erbmasse des Erregers der Spanischen Grippe rekonstruiert.
Entscheidend ist offensichtlich ein Protein auf der Oberfläche des Virus, das „Hämagglutinin“, – beim Erreger der Vogelgrippe H5N1 bezeichnet „H5“ jenes unverwechselbare Kennzeichen für jeden Grippevirus. Virologen haben inzwischen die 15 verschiedenen Typen dieser Proteine durchnummeriert.
Über das Hämagglutinin dockt das Virus an seine Wirtszelle an: Der Erreger dringt ein, übernimmt das Kommando und sorgt für die Produktion vieler neuer Viren. Das Vogelvirus-Hämagglutinin passt jedoch nicht auf Menschenzellen – zuvor muss der Erreger sein Erbgut ändern. Solch eine Mutation haben John Skehel von MRC-Institut in London und amerikanische Kollegen beim Erreger der Spanischen Grippe H1N1 beobachtet (Science, Online-Publikation) – bis auf winzige Unterschiede sah das Virus dem Erreger in Vögeln zum Verwechseln ähnlich.
Ähnliche Anpassungen gab es auch 1957 und 1968 als die beiden Virustypen H2N2 und H3N2 mit zwei anderen Hämagglutinin-Typen zwei weitere schwere Grippe-Epidemien mit vielen Todesopfern auslösten, die aber deutlich glimpflicher verliefen als die von 1918. Doch ist das verwandelte Hämagglutinin wohl nicht der einzige Schlüssel dafür, dass der Erreger 1918 zum Massenmörder wurde. Denn auch das Hämagglutinin des Erregers der Vogelgrippe H5N1 hatte bei seinem ersten Auftreten 1997 in Hongkong eine ähnliche Form wie sein „spanischer“ Verwandter. Trotzdem gab es keinen verheerenden Seuchenzug wie damals.
Die Lösung zum Rätsel suchen die Experten noch. Ebenso wie nach einer geeigneten Herstellungsmethode für den Impfstoff. Die derzeitige Technik ist antiquiert: Influenza-Impfstoffe werden in angebrüteten Hühnereiern gezüchtet. Um 100 l Impfstoff zu gewinnen, werden 350 000 befruchtete Hühnereier mit Grippeviren infiziert. Doch Millionen von Eiern lassen sich nicht von heute auf morgen bereitstellen.
Die WHO rechnet mit einer Produktionszeit von bis zu sechs Monaten. Hinzu kommt, dass die Impfstoffproduktion in Hühnereiern in bestimmten Fällen versagt. Ausgerechnet H5N1 lässt sich in Eiern nicht züchten, weil es die Vögel tötet. Es scheine, „als stamme das heutige System aus dem Zeitalter der Pferdekutsche“, schrieb die New York Times.
Für ein Impfserum werden die Forscher also ein Virus züchten müssen, das dem gefährlichen Erreger zum Verwechseln ähnlich sieht, aber zugleich harmlos ist. Wissenschaftler der Universität Gießen haben ein Verfahren entwickelt, den Erreger zu entschärfen. Dazu werden dem Virus Teile des Erbgutes entfernt (siehe auch Seite 20). Das Verfahren wird in einem Hochsicherheitslabor in Memphis, Tennessee, und zwei weiteren WHO-Labors erprobt. Der Impfstoffhersteller Baxter will nach eigenen Angaben ebenfalls in der Lage sein, sofort mit der Produktion zu beginnen. Die Viren würden dann nicht mehr in riesigen Batterien mit Hühnereiern gezüchtet, sondern in Zellkulturen. E. BODDERAS

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