Sicherheit

Im Schatten des 11. September

VDI nachrichten, Athen, 6. 8. 04 -Sicherheit hat oberste Priorität bei den Olympischen Spielen in Athen. Aufwendige Überwachungssysteme, Luftabwehrraketen und ein Heer von Sicherheitsspezialisten sollen Anschläge verhindern.

Der 11. September 2001 wirft einen langen Schatten auf die Sommer-Olympiade von Athen. Nie zuvor wurde für eine Olympiade so viel Geld für Sicherheit – über 1 Mrd. € € 000 – mobilisiert, nie ein derartig enger militärischer Ring zum Schutz einer Olympiade aufgebaut.
In den Hügeln um Athen sind amerikanische und französische Flugabwehrraketen in Stellung gegangen, Patrouillenboote und Marinetaucher kontrollieren den Hafen. Ein aus der Schweiz angefordertes Luftschiff wird, mit Überwachungselektronik vollgepackt, über den Sportstätten schweben, drei Hubschrauber sind zudem permanent in der Luft. Die AWACS-Flugzeuge der Nato mit ihren typischen Radarpilzen auf dem Rumpf schließlich überwachen großflächig den Luftraum über Griechenland.
Und dennoch: Ende Juli machte sich der australische Premier John Howard öffentlich Sorgen um die Sicherheit der Sportler seines Landes.
Die Griechen aber sind zuversichtlich: „Was wir hier geleistet haben, liegt jenseits menschlicher Vorstellungen“, so Giorgos Voulgarakis, der für die öffentliche Ordnung und damit die Sicherheit der Spiele verantwortliche griechische Minister.
Eines der Schlüsselelemente der Sicherheitsanstrengungen ist das so genannte C4I-System (Command, Control, Communication, Computers & Intelligence). Geliefert wurde es von einem Industriekonsortium, das von der US-Firma SAIC geleitet wird. Partner im Konsortium sind neben Siemens und Nokia auch eine Reihe griechischer Unternehmen.
Das C4I-System wurde ursprünglich für militärische Anwendungen entwickelt und war bereits bei den Winterspielen 2002 in Salt-Lake-City im Einsatz. Kosten für Athen: gut 255 Mio. €.
„C4I besteht aus verschiedenen Elementen, wie einem Luftüberwachungs- und Hafensicherheitssystem. Dazu kommen Infrarot- und digitale Fernsehüberwachungsanlagen, ein digitales Funknetz sowie eine Vielzahl stationärer und mobiler Kommandozentralen“, erläutert Dionysios Dendrinos, verantwortlicher Manager beim SAIC-Partner Siemens in Griechenland.
Siemens ist für die Lieferung der C4I-Teilsysteme verantwortlich, darunter das Verkehrsmanagementsystem und die Zugangskontrollsysteme für die Sportstätten und das olympische Dorf.
Entscheidend für die reibungslose Kommunikation der Sicherheitskräfte untereinander ist das von Siemens und Motorola entwickelte Funknetz Tetra (Digital Terrestrial Trunked Radio), an das 22 000 Teilnehmer angeschlossen sind.
Tetra ist ein digitales, verschlüsseltes Bündelfunknetz, dessen größer Vorteil, so Dirk Kuypers vom Lehrstuhl für Kommunikationsnetze der RWTH Aachen, „im sehr kurzen Verbindungsaufbau von weniger als einer halben Sekunde liegt“. Außerdem lassen sich über ,Gruppenrufe“ alle Teilnehmer gleichzeitig erreichen.
Zu Tetra gehört auch ein automatisches Fahrzeugortungssystem, das eine Flotte von 4000 Einsatzfahrzeugen der Sicherheitskräfte dirigiert. So können im Notfall Fahrzeuge schnell zum Einsatzort geleitet werden.
Für die Videoüberwachung hat SAIC an Sportanlangen, Gebäuden und Verkehrsknotenpunkten, aber auch an Risikopunkten, wie Brücken, Tunneln und Kraftwerken, rund 1500 Kameras und Tausende von Mikrofonen, Infrarotsensoren und Bewegungsmelder installiert, die ihre Daten in Echtzeit übetragen.
SAIC hat zusammen mit der englischen Firma Autonomy eine Software installiert, die all diese Daten automatisch auswertet und verschickt. Die Software kann zudem Verknüpfungen zwischen scheinbar zusammenhanglosen Daten herstellen und diese auch bewerten.
Operatives Rückgrat dieses elektronischen Sicherheitspakets schließlich sind 65 vernetzte Kommandozentralen.
Eigentlich sollten schon Ende Juni die letzten Tests des C4I-Systems abgeschlossen sein. Doch immer wieder gab es Meldungen von Pannen. Nach Berichten der Zeitungen „To Vima“ und „Athens News“ liegt es vor allem an der Software, die den Datenaustausch zwischen der Kommandozentrale und den stationären und mobilen Außenstellen koordiniert. So bestehen Zweifel, ob sich die in das C4I-System gesetzten Hoffnungen auch erfüllen. „Die Griechen hatten einen Cadillac bestellt und bekommen einen Chevrolet“, kommentiert die International Herald Tribune das Problem.
Anfragen der VDI nachrichten beim amerikanischen Konsortialführer SAIC blieben unbeantwortet.
Allein das Ministerium für Öffentliche Ordnung versucht, die Wogen zu glätten. „Es gibt keine Probleme. Alles läuft nach Plan“, sagt der zuständige Pressesprecher Eleftherios Ikonomou.
Um sich nicht ausschließlich auf das C4I-System verlassen zu müssen, bringen an die 20 der insgesamt 202 nationalen Teams eigene Sicherheitskräfte mit. Seit 1972 dürfen nur die israelischen Sicherheitskräfte Waffen tragen, jetzt soll es teilweise wohl auch den andern erlaubt werden.
Eins ist jetzt schon klar: Die Kraftanstrengung in Sachen Sicherheit ist bis an die Schmerzgrenze der Griechen gegangen: „Wir haben“, so Minister Voulgarakis, „mehr ausgegeben, als wir uns leisten können.“
EVDOXIA TSAKIRIDOU/moc

Von Evdoxia Tsakiridou/Wolfgang Mock

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