Sicherheit

Himmelszauber mit Schall und Rauch  

VDI nachrichten, Köln, 23. 12. 05, has – Ab dem 28. Dezember lockt der Handel mit bunten Sortimenten für das Silvesterfeuerwerk. Nicht alle Raketen kommen aus Niedriglohn-Ländern, ein Teil stammt aus hiesiger Fertigung, z. B. von der Firma Weco in Eitorf an der Sieg.

Zehn, neun, acht, sieben… Wenn der Countdown in der Silvesternacht endet, gehen Werte zwischen 95 Mio. € bis 100 Mio. € in Schall und Rauch auf: So viel lassen sich die Bundesbürger nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) ihr Freudenfeuerwerk zum Jahreswechsel in der Regel kosten – unabhängig von Wirtschaftskrise und „Brot-statt-Böller-Appellen“.

Im Dezember 2004 allerdings sank der Umsatz in Folge der Flutkatastrophe, und das schmerzte nicht nur den Handel. Denn ein Teil des leuchtenden Himmelszaubers – im Behördendeutsch „Kleinfeuerwerk der Klasse II“ – stammt aus hiesiger Fertigung: Das Unternehmen Weco ist nicht nur Importeur, sondern produziert – nach eigenen Angaben als einziger verbliebender Hersteller – rund 30 % seiner Raketen an drei Standorten in Deutschland.

Damit sich das rechnet, wurde vor wenigen Jahren die vorwiegend manuelle Fertigung teilweise automatisiert. Obwohl Handarbeit immer noch eine Rolle spielt, kann eine hier gefertigte Silvesterrakete bei ausreichender Stückzahl zum gleichen Preis angeboten werden wie Importware. „Möglich ist das unter anderem, weil die Transportkosten von Fernost entfallen“, erklärt Weco-Pressesprecher Markus Schwarzer am Stammsitz in Eitorf an der Sieg.

Auch wenn eine Silvesterrakete max. 20 g Schwarzpulver enthält, der Umgang mit dem explosiven Stoff erfordert hohe Sicherheitsstandards. Das Werksgelände liegt abseits vom Ort, die Arbeitsschritte sind auf kleine Baueinheiten mit „Sollbruchstellen“ verteilt. So wird der Druck im Falle einer Verpuffung in eine vorgegebene Richtung gelenkt.

„Motor“ einer Silvesterrakete ist der Treiber, eine schmale, schwarze Papphülse mit einer Düse aus Tonerde-Keramikgranulat (Kaolin) und 8 g bis 10 g Schwarzpulver in zwei Schichten. Die erste, eingepresst mit 80 bar bis 90 bar, bildet den Treibsatz, der scharf abbrennt und für Auftrieb sorgt. Die zweite Lage wird mit geringerem Druck verarbeitet und bremst als so genannter Zehrsatz den Auftrieb ab. Erst auf dem Scheitelpunkt zündet das Effektgranulat – mit Schwarzpulver dragierte Kügelchen von wenigen Millimeter Durchmesser, in denen Metallsalze und Aluminiumpartikel für Farbgebung und Flimmereffekte sorgen. „In Deutschland gefertigte Treiber haben eine genau definierte Steighöhe, so dass man den Effekt noch gut sieht. Das können die Chinesen nicht so exakt“, erklärt Schwarzer den wichtigsten Vorteil deutscher Raketen.

Der Treiber entsteht in mehreren Schritten. Von Hand werden 50 leere Papphülsen aufrecht in eine Kassette mit Stahldornen gesteckt, die die Düsen formen. Im volumetrischen Füllverfahren wird zunächst Kaolin, dann die erste Lage Schwarzpulvergranulat eingebracht. Nachdem beides im besonders abgesicherten Pressraum stark verdichtet wurde, wird die zweite Ladung Schwarzpulvergranulat eingefüllt und gepresst. Die fertigen Treiber werden im Nachbarraum aus der Kassette geholt und in Kästen sortiert.

Auch die beiden kleinen Fertigungsstraßen für die nächsten Produktionsschritte werden von Hand bestückt. Auf der ersten werden die Treibsätze in bunt bedruckte Raketenkörper aus Pappe eingeführt und die Zündschnüre mit etwas Schwarzpulver eingeklebt. Die zweite füllt das Effektgranulat in die Röhren und schließt sie mit farbigen Plastikkappen. Schließlich werden die Leitstäbe angeleimt und die fertigen Raketen in Transportkisten zum Verpacken und Kommissionieren gebracht, ehe sie ins Lager mit fast 30 000 Palettenplätzen geschickt werden.

Rund 85 % des Umsatzes erwirtschaftet Weco mit Silvesterraketen – ein Geschäft mit logistischen Eigenheiten, wie Markus Schwarzer erklärt: „Wir produzieren ganzjährig und lagern ein. Weil die Artikel beim Handel meist nur zeitlich befristet gelagert werden dürfen, wird der Großteil ab Mitte Dezember von Gefahrgut-Speditionen ausgeliefert.“ An drei Werktagen vor dem Jahreswechsel ist der Verkauf erlaubt, Anfang Januar rollt die nicht verkaufte Ware ins Eitorfer Hauptlager zurück.

Begonnen hatte Weco in Eitorf 1948 mit der Produktion von Wunderkerzen, von denen auch heute noch rund 700 000 Stück pro Jahr gezogen werden. Ein weiteres Standbein sind Bühnen- und Großfeuerwerke, mit denen sich das Unternehmen einen Namen auch als Dienstleister gemacht und internationale Preise gewonnen hat.

„Gerade die wachsende Zahl der Großfeuerwerke lässt bei den Endkunden auch die Erwartungen ans Silvesterfeuerwerk steigen“, so Schwarzer. Im eigenen Labor entwickelt Weco deshalb jährlich neue Effektvariationen für Raketen. Neuester Trend sind Kombinationsfeuerwerke, die aus einem am Boden stehenden Startblock ein „kleines Profifeuerwerk“ inszenieren.

An den heidnischen Ursprung des Brauchs denkt dabei kaum noch jemand: Mit Krachen und Zischen sollten zum Jahreswechsel böse Geister und Dämonen vertrieben werden.

CORINNA BLÜMEL

Bei den Kunden wachsen die Erwartungen an das Feuerwerk

Von Corinna Blümel

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