Sicherheit

Hilfe kommt nach den Schneepflügen

Trotz der Wende im Afghanistan-Krieg bedrohen Hunger und Kälte ein Drittel der Bevölkerung. Fieberhaft versuchen Hilfsorganisationen, noch vor Wintereinbruch die Not zu lindern.

Die Vorräte liegen in Termez bereit. Die Flusskähne, mit denen die Nahrungsmittelhilfe von Usbekistan über den Grenzfluss nach Nordafghanistan gebracht werden, dümpeln auf den sanften Wellen. Die „Brücke der Freundschaft“, über die einst die sowjetischen Truppen nach Afghanistan einmarschierten und zehn Jahre später geschlagen zurückkehrten, ist immer noch mit Stacheldrahtverhauen versperrt. Wartestellung auf dem Amu Darja, dem Fluss, der Hilfe in die nördlichen Regionen bringt.
Die turbulenten Ereignisse der vergangenen Tage ließen die Vorbereitungen für humanitäre Hilfe stocken. Aber die Hilfsorganisationen atmen auf. Seit der Einnahme von Kabul durch die Nordallianz können nicht nur die USA und ihre Verbündeten die Region für die Fortsetzung des Krieges gegen die restlichen Talibanmilizen und Osama Bin Laden nutzen. Nun ist auch der Weg zum afghanischen „Hungergürtel“ nördlich des Hindukuschs geöffnet.
3,5 Mio. der insgesamt 7,5 Mio. Afghanen, die von Nahrungsmittelhilfe abhängen, leben in der Region östlich und westlich der Stadt Mazar-i-Sharif. Laut der Hilfsorganisation „Oxfam International“ leiden bereits 400 000 Menschen in den Provinzen Faryab, Balkh, Ghor und Bagdis an akutem Nahrungsmangel.
Die Deutsche Welthungerhilfe, die nach dem 11. September ihren deutschen Mitarbeiter aus Mazar-i-Sharif abzog, hat ihn bereit nach Taschkent geschickt, um dort die Wiederaufnahme der Hilfsarbeit vorzubereiten.
Doch die Eroberung der Stadt Mazar-i-Sharif verschärfte erst einmal die Notlage. Die Truppen der Nordallianz plünderten nach ihrem Einzug die Vorratslager, die die Talibanmilizen in Wochen der Belagerung nicht angerührt hatten. Die Deutsche Welthungerhilfe verlor allein 33 Tonnen Weizen und große Vorräte an Speiseöl.
Am kritischsten aber ist die Lage für die Bevölkerung in den Bergen des Hindukuschs – dort, wo die Natur der schlimmste Gegner der Hilfsorganisation ist. Der Winter mit seinen Temperaturen von bis 40 0C unter dem Gefrierpunkt droht, 700 000 Menschen in den Bergregionen von der Außenwelt abzuschneiden. Sie haben bereits ihre letzten Vorräte aufgebraucht.
Auf der Straße, die an dem rund 6000 m hohen Gipfel des Anjuman vorbei ins Panjsheer-Tal führt, liegen bereits 50 cm Schnee. Ab Anfang Dezember werden die Hochebenen in Afghanistans zentral gelegenen Provinzen sowie der extreme Norden von der Außenwelt abgeschnitten sein.
„Wir kaufen oder mieten gegenwärtig Schneepflüge, um die Straßen so lange wie möglich offen zu halten“, sagt Khaled Mansour vom „World Food Programme“ (WFP) in Pakistans Hauptstadt Islamabad.
40 000 Tonnen Nahrungsmittel brauchen diese Afghanen im unwirtlichen Hindukusch, um den drei bis fünf Monate langen Winter zu überleben. 8000 Tonnen konnten während der vergangenen Wochen nach Afghanistan gebracht werden. „Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir das Schlimmste verhüten können“, so Mansour.
Zumindest auf dem Papier kann die UN-Organisation, die mit Hilfe von pakistanischen und afghanischen Fuhrunternehmern Nahrungsmittel nach Afghanistan bringen lässt, das Wettrennen gegen die Zeit gewinnen.
Die Lastwagen brachten schon während der vergangenen Wochen trotz des Luftkriegs Hilfsgüter in die Notstandsgebiete, wo lokale Mitarbeiter von rund 50 Hilfsorganisationen sie verteilten. „Wir konzentrieren uns gegenwärtig auf die Gebiete, die als Erstes von der Außenwelt abgeschnitten werden“, erklärt Mansour, „anschließend nehmen wir dann die anderen Gebiete in Angriff.“
Doch niemand kennt Einzelheiten über das Schicksal von etwa 350 000 Vertriebenen, die in der Umgebung der Stadt Mazar-i-Sharif und den Nachbarprovinzen lebten. „Wir schätzen, dass in ganz Afghanistan mittlerweile rund 2 Mio. Menschen als Vertriebene gelten müssen“, sagt WFP-Sprecher Mansour, „aber wir wissen nicht, wo sie sind.“
Nur so viel steht fest: Sie können Afghanistan nicht verlassen. Alle Nachbarländer halten entgegen internationalem Recht ihre Grenzen geschlossen. Pakistan, in dem seit Jahrzehnten bereits über 2 Mio. Flüchtlinge leben, formulierte sogar eine neue „Humanitäre Politik“, in der dieses Prinzip festgeschrieben wird. Danach sollen nur wenige Flüchtlinge über die Grenze gelassen und in Lagern hinter Stacheldraht interniert werden.
Der größte Teil der Hilfe aber soll nach Islamabads Plänen in Afghanistan geleistet werden. „Das werden überwiegend pakistanische Organisationen übernehmen“, beschreibt der Chef einer internationalen Hilfsorganisation die Absichten des Militärdiktators General Pervez Musharraf, „die alle mit politischen Absichten nach Afghanistan gehen.“
Schon jetzt beansprucht der pakistanische Rashid-Trust, der von den USA auf die Liste von Terrororganisationen gesetzt wurde, monatlich Hilfe im Wert von 50 Mio. US-Dollar in Afghanistan zu verteilen – und garantiert der Familie jedes in Afghanistan gefallenen „Jihadis“ (Heiliger Krieger) eine Entschädigung von 800 US-Dollar.
Ähnliche Gruppen, so vermuten westliche Hilfsorganisationen, sollen auch zukünftig Politik im Sinne Pakistans betreiben. Doch über diese langfristigen Auswirkungen machen sich zurzeit nur wenige Helfer Gedanken. Sie werden zu sehr von Bemühungen in Anspruch genommen, die humanitäre Katastrophe in Afghanistan zu verhindern.
Trotz des Krieges sei es gelungen, Hilfsgüter nach Afghanistan zu bringen, weiß WFP-Sprecher Mansour. Nun allerdings fürchtet die UN-Organisation einen Zusammenbruch von Recht und Ordnung, wie er in den Städten Kabul, Kandahar und Mazar-i-Sharif bereits zu beobachten war.
Die Talibanmilizen beabsichtigen, sich derweil in den Bergen zu verschanzen. Von dort wollen sie die Transportwege unterbrechen, die Afghanistans Städte miteinander verbinden. Sollte das eintreten, würden Landtransporte von Hilfsgütern erschwert. Doch wie auf dem Fluss Amu Darja ändert sich auch in Afghanistan die Lage täglich.   WILLI GERMUND

Wie Deutschland hilft
Staatliche Hilfe für Afghanistan kommt u.a. vom Technischen Hilfswerk (THW) und von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Experten beider Organisationen prüfen, wie Hilfsgüter besser von Tadschikistan nach Nordafghanistan gebracht werden können. Außerdem sind zahlreiche private Hilfsorganisationen im Einsatz – ein (unvollständiger) Überblick:
Deutsches Rotes Kreuz: Das Rote Kreuz schickt unter anderem einen Hilfskonvoi mit 12 900 Decken und 2 500 Zeltplanen in die nordafghanische Stadt Mazar-i-Sharif. In Kabul verteilt die Organisation Nahrungsmittel an Familien. Ein großer Teil der Vorräte wurde bei US-Bombenangriffen zerstört. Internet: www.drk.de
Diakonisches Werk: Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas schickten mehrere Transporte in das Krisengebiet. Die letzte Aktion brachte etwa 500 Zelte und 1000 Decken ins Land. Internet: www.katastrophen-hilfe-ekd.de
Misereor: Die katholische Organisation unterstützt seit Jahren das Gesundheitsprojekt „Organisation Leprosy Control and Development Programme“ (LEPCO) in Zentralafghanistan. Laut Misereor gehören die LEPCO-Kliniken zu den wenigen noch funktionierenden Krankenhäusern des Landes. Internet: www.misereor.de
Arbeiter-Samariter-Bund: Die Organisation liefert Nahrungsmittel an 10 000 Flüchtlinge in einem Lager an der Grenze zu Tadschikistan. In dem Camp Nr. 9 genannten Lager leben vor allem Frauen, Kinder und alte Leute. Internet: www.asb.de
Ärzte ohne Grenzen: Nach dem 11. September mussten die Mediziner das von den Taliban kontrollierte Gebiet verlassen. Nun kehren sie zurück. Ein Team arbeitet in Kabul, weitere in zwei Lagern an der iranischen Grenze. Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de
Kap Anamur: Die Organisation unterstützte bisher Flüchtlinge im nordafghanischen Lager Zolm. In Zukunft will Kap Anamur zwei Krankenhäuser einrichten – eins in Zolm und eins in Deshtehalar. Internet:www.kap-anamur.de

sl

 

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