Sicherheit

Hightech-Pässe werden Riesenprojekt

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 4. 04 – Künftige Ausweispapiere sollen biometrische Merkmale enthalten, um die Sicherheit zu erhöhen. Dazu hat das Büro für Technikfolgenabschätzung einen Bericht erarbeitet. Er zeigt auf, dass vor der Einführung der neuen Ausweispapiere viele rechtliche, technische, finanzielle und organisatorische Fragen zu lösen sind. Pilotprojekte müssten die konkreten Anforderungen herausfinden.

Das Büro für Technikfolgenabschätzung (TAB), Berlin, hat einen Bericht zum Thema „Leistungsfähigkeit, politische Rahmenbedingungen und rechtliche Ausgestaltung“ von „Biometrie und Ausweisdokumenten“ vorgelegt. Das Büro, das eine ständige und unabhängige Einrichtung des Bundestages ist, kalkuliert für die Einführung einer neuen Ausweisgeneration mit kontaktlosen Chips grob 670 Mio. € Anschaffungskosten. Jährlich würden durch das neue System zusätzliche Kosten von 610 Mio. € anfallen. Über die Kosten wurde bislang nicht diskutiert.
Nach Ansicht des stellvertretenden TAB-Leiters Thomas Petermann droht die Einführung der neuen Ausweise „ein gigantischer Labortest“ zu werden. Ungeklärt seien zahlreiche Fragen hinsichtlich des Umstellungsprozesses, der gesellschaftlichen Akzeptanz und der konkreten Systemanforderungen bei den Erfassungs- und Kontrollstellen. Deshalb müssten Pilotprojekte die konkreten Praxisanforderungen herausfinden. Auch auf der Produktionsebene seien noch Anpassungen nötig.
Offiziell wird das TAB seinen Bericht Anfang Mai dem Forschungsausschuss des Bundestags vorstellen. Nach der Verabschiedung des „Gesetzes zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus“ sollte das Büro in seinem Sachstandsbericht die Voraussetzungen und Implikationen der im Gesetz eröffneten Möglichkeit, biometrische Merkmale in Ausweispapiere in verschlüsselter, maschinenlesbarer Form aufzunehmen, genauer untersuchen.
Als biometrisches Merkmal bestimmte die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO schon vor vier Jahren die Gesichtserkennung, doch können zusätzliche Merkmale gespeichert werden. Derzeit verfügen drei Verfahren der Gesichts-, Iris- und Fingerabdruckerkennung über eine in etwa vergleichbare technische Leistungsfähigkeit. Die Handgeometrie fällt demgegenüber etwas ab. Unter dem Aspekt des Organisationsaufwandes betrachtet, gilt die Gesichtserkennung als die praktikabelste Option, da Lichtbilder ausreichender Qualität auf dem Ausweisdokument für die automatische Analyse genutzt werden können.
Die ICAO wird demnächst einen Vorschlag verabschieden, wonach ab 2006 alle Länder Reisepässe ausstellen können, deren biometrische Daten sich über einen RFID-Chip aus 10 cm Entfernung auslesen lassen. „Die Speicherung in Chipform ist zwar aufgrund der erforderlichen Produktionsumstellung das aufwendigste Verfahren, sie bietet aber ein größeres Anwendungspotenzial“, so der Bericht. „Wenn das neue Ausweissystem in die Welt kommt, wird es ein globales Projekt“, sagt Petermann, das auch „eine große Bedeutung für andere IT-Anwendungen im E-Commerce und E-Government“ hätte. Aussagen über Manipulationssicherheit und Haltbarkeit der Ausweise können wegen fehlender Tests noch nicht gemacht werden.
Die gesellschaftliche Akzeptanz hängt vor allem von einer offenen Informationspolitik ab. Thomas Petermann mahnt, „bei steigendem Termindruck ein übereiltes Hineinstolpern in das Projekt zu vermeiden“.
CHR. SCHULZKI-HADDOUTI
www.tab.fzk.de
www.icao.int

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