Sicherheit

Grenzer contra Datenschutz

Fingerabdruck oder Irisscan sollen vor Terror schützen – und alarmieren die Datenschützer.

Hört man Sicherheitsexperten über Maßnahmen zur Sicherung der Grenzen vor Terror reden – wie kürzlich auf Einladung von 3M in Amsterdam – so schleicht sich in mitteleuropäische Hirne die Erinnerung an George Orwell und den Großen Bruder aus 1984 ein: Technisch scheint die Anwendung biometrischer Merkmale wie Fingerabdruck, Irisscan oder Foto zur Sicherung von Pässen weit gehend ausgereift, doch die Datensammelwut, wie sie derzeit vor allem in den USA aus Angst vor Terrorattacken grassiert, ruft vor allem in Europa die Datenschützer auf den Plan.
Die generelle Frage aller Grenzschützer lautet: „Ist die Person, die ein Ausweisdokument vorlegt, mit der darin beschriebenen Person identisch.“ Und diese Frage ist keineswegs trivial. Michel B.M. Oude Veldhuis, Leiter des Nationalen Büros für Dokumente der Niederlande: „Wir fassen pro Tag alleine am internationalen Flughafen Schipohl zehn bis zwölf Personen mit gefälschten Ausweisen.“ Das sind immerhin rund 3600 pro Jahr. Und dabei können „gefälschte“ Ausweise oder Visa durchaus auf den ersten Blick echte Dokumente sein. Oude Veldhuis: „Pro Jahr 530 gestohlene Passdokumente und 7300 gestohlene Visa sind das Beispiel aus nur einer Botschaft.“
Fälschungen oder einfache Manipulationen an Passdokumenten kann man laut Jörg Biermann, Sicherheitsexperte bei 3M in Deutschland, z. B. mit einem Scanner feststellen, der neben den maschinenlesbaren Teilen der Ausweisdokumente auch die Klarschriftbereiche erfasst. Schlecht gemachte Manipulationen, z. B. die Veränderung der Gültigkeitsdauer im Klartext des Passes, lassen sich bereits auf diese Weise erkennen. Doch das Grundproblem bleibt: Wie ist sicherzustellen, dass Person und Pass zueinander gehören? Das Foto alleine reicht nicht, denn laut Oude Veldhuis gibt es einen erklecklichen Anteil an illegalen Einreiseversuchen, die schlicht mit den gestohlenen Pässen ähnlich aussehender Personen durchgeführt werden.
Für John Campbell, leitender Wissenschaftler für Biometrie bei 3M AiT in Kanada, ist die technische Lösung bestechend einfach: In einem drahtlos auszulesenden Chip (einem so genannten RFID-Tag), der in den Pass eingearbeitet ist, werden die wichtigsten Passdaten und eines oder mehrere biometrische Merkmale des Passinhabers abgelegt. Bei der Grenzkontrolle ist so schnell, z. B. per Fingerabdrucksensor, festzustellen, ob Pass und Person zueinander gehören. Dazu müssten die Daten nicht einmal in zentralen Rechnern gespeichert werden, was allerdings den Abgleich mit anderen Datenbanken unmöglich machen würde. Und auch Campbell gesteht ein, dass niemand bei solchen Ausweisen Staaten daran hindern kann, z.B. Biometriedatenbanken von Besuchern anzulegen.
Er betont dagegen das Mehr an Sicherheit, das mit biometrischen Ausweisen einhergeht. Beschlossen sind diese Dokumente auch im Bereich der europäischen Union längst. Und Campbell sieht es pragmatisch: „Der biometrische Ausweis wird kommen, dafür sorgt schon der Druck durch die USA.“ Diese fordern biometrische Ausweisdokumente ab Oktober diesen Jahres von allen Staaten, die am visafreien Reiseprogramm der USA teilnehmen.
Doch der biometrisch abgesicherte Ausweis – das weiß auch Campbell – ist nur so sicher, wie die Verfahren, die bei seiner Ausstellung und bei der Kontrolle zur Anwendung kommen. Was läge näher, als auch diese Prozesse biometrisch abzusichern. Hierfür hat 3M ein Verfahren entwickelt, dass die einzelnen Bearbeitungs- und Genehmigungsstufen in einer ausstellenden Behörde ebenfalls biometrisch absichert. Der Beamte muss – quasi als elektronische Unterschrift – seinen Fingerabdruck in das System eingeben und sich so als berechtigt autorisieren.
Professionellen Datensammlern in Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden schlägt angesichts solcher Szenarien das Herz höher, während europäische Datenschützer eher warnen: Unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Terrorismus würden elementare Bürger- und Freiheitsrechte in Gefahr gebracht. Politische Lösungen jenseits des technisch Machbaren sind gefragt.jdb

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