Sicherheit

Gewitter ums Wetter  

Es wird wärmer. Ziemlich uneinig waren sich Vortragende und die rund 400 Kongressteilnehmer hingegen dabei, wer in Deutschland vor Unwettern öffentlich warnen darf: allein der Deutsche Wetterdienst – oder auch andere, sprich private Anbieter.

Weltweit wird es wärmer werden, darin sind sich die Klimaexperten einig. „Aber ob es 1,4 °C oder 5,8 °C werden, da haben wir die Wahl“, betonte Prof. Mojib Latif vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in seinem Kongressbeitrag. Es lohne sich noch, beim Klimaschutz mitzumachen, um das Klima auf einem halbwegs akzeptablen Niveau zu stabilisieren, fügte er an.

Der Kieler Professor betonte, 2005 sei ein Rekordjahr gewesen, immerhin mit 26 Tropenstürmen. Latif gab sich zurückhaltend: Es sei hier bereits ein geringer Einfluss des Menschen zu erkennen. Er sieht allerdings auch einen Anstieg extremer Niederschläge in Deutschland.

Latif verdeutlicht, was inzwischen fast Konsens unter den Klimaforschern ist: Wenn der Mensch so weitermacht, werden Wetterextreme zunehmen. Daniela Jacob vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie schilderte die Aussichten für Deutschland so: „Im Sommer wird es insgesamt trockener und heißer.“ Nach aktuellen Berechnungen werden sich in den Sommermonaten heftige Gewitter mit Starkregen und Hagel in bisher nicht betroffenen Regionen häufen. „Und das schon bis zum Jahr 2050“, sagt Jacob. Sie ist sich sicher, dass auch der Katastrophenschutz umdenken müsse: „Die Wassermengen in diesen sommerlichen Starkregen werden zunehmen.“ Als Beispiel nannte sie das Elbeeinzugsgebiet. „Es ist also notwendig, den Katastrophenschutz flächendeckend gut vorzubereiten und nicht nur in den Regionen, in denen wir auch heute schon Katastrophen erlebt haben.“

Hamburgs Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Michael Freytag, zeigte sich gewappnet: „Wir haben in Hamburg ein ausgeklügeltes Deichverteidigungs- und Katastrophenschutzsystem.“ Zeitgleich investiere die Stadt weiterhin in den Ausbau des Hochwasserschutzes, bestätigte er.

Diese Aussicht auf zunehmende Wetterschäden rufen die Versicherer auf den Plan. Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft beschäftigt einen eigenen Stab von Geowissenschaftlern, um die Risiken durch Klimawandel und extreme Wettersituationen besser berechnen zu können.

„Im langfristigen Mittel treten im Nordatlantik sechs Stürme pro Jahr in Hurrikan-Stärke auf. 2004 waren es neun Hurrikane, 2005 sogar 14“, erklärt Tobias Grimm, Experte für Sturm- und Wetterrisiken bei der Münchener Rück. Um weiterhin rentabel arbeiten zu können, bilanziert Grimm, müssten die Versicherer in Zukunft verstärkt über Haftungslimits, adäquate Prämien und Selbstbeteiligungen nachdenken.

Die exakten Windgeschwindigkeiten eines Hurrikans, der über Land zieht, will Jörg Kachelmann im kommenden Herbst in den USA vermessen. Dies kündigte der Geschäftsführer der Schweizer meteomedia AG auf der Extremwetterkonferenz an.

„Die bisher in den USA eingesetzten Windmesser fallen bei Auftreffen des Hurrikans auf das Festland meist aus“, begründet Kachelmann das Vorhaben. In seinem Auftrag entwickelt der Messgerätehersteller Thies clima zurzeit Extrem-Windsensoren, die Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h sowie den Luftdruck kontinuierlich erfassen und speichern können.

Einen neuartigen, vom Strom- und Telefonfestnetz unabhängigen Niederschlagsmesser will Kachelmann verstärkt in Deutschland und Österreich einsetzen, um in Zukunft gezielter vor Hochwasser warnen zu können.

An diesem Punkt kam es auf dem Kongress zu einem Gewitter ums Geschäft mit dem Wetter. Denn wer in Deutschland offiziell vor Unwettern aller Art warnen darf, da waren sich Gerhard Steinhorst, Vorstandsmitglied des Deutschen Wetterdienstes (DWD), und Kachelmann durchaus uneinig. Steinhorst reklamierte ein Quasi-Monopol. Er setzt auf das „Single-Voice-Prinzip“, das nur seiner Behörde erlaubt, vor Unwettern zu warnen. Kachelmann vertritt die Auffassung, dass es einen freien Wettbewerb geben solle.

Der ZDF-Meteorologe Gunther Tiersch legte Wert auf Einheitlichkeit: „Es sollte nur einer sein, der warnen darf, und der Anbieter sollte von der Bundesregierung autorisiert sein.“

Hier sieht sich der Deutsche Wetterdienst im Vorteil. Steinhorst betont: „Per Gesetz sind wir dazu verpflichtet, amtliche Unwetterwarnungen herauszugeben.“ Kachelmann kontert: „Wir sind zwar per Gesetz nicht dazu aufgerufen, aber viele Behörden, Feuerwehren und Hochwasserzentralen möchten ohne unsere Warnungen nicht mehr sein.“ BRIGITTE STAHL-BUSSE

Von Brigitte Stahl-Busse

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